{"id":2204,"date":"2021-01-29T17:28:40","date_gmt":"2021-01-29T16:28:40","guid":{"rendered":"https:\/\/unofficial.pictures\/?page_id=2204"},"modified":"2023-09-07T12:56:26","modified_gmt":"2023-09-07T10:56:26","slug":"interview-12","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/unofficial.pictures\/ar\/schubladendenken\/interview-12\/","title":{"rendered":"(Deutsch) Albina"},"content":{"rendered":"<p class=\"qtranxs-available-languages-message qtranxs-available-languages-message-ar\">\u0639\u0641\u0648\u0627\u060c \u0647\u0630\u0647 \u0627\u0644\u0645\u062f\u062e\u0644\u0629 \u0645\u0648\u062c\u0648\u062f\u0629 \u0641\u0642\u0637 \u0641\u064a <a href=\"https:\/\/unofficial.pictures\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2204\" class=\"qtranxs-available-language-link qtranxs-available-language-link-de\" title=\"Deutsch\">Deutsch<\/a>.<\/p>[mk_page_section padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][mk_padding_divider size=&#8221;80&#8243;][vc_btn title=&#8221;zur\u00fcck zur Ausstellung&#8221; style=&#8221;classic&#8221; shape=&#8221;square&#8221; color=&#8221;default&#8221; link=&#8221;url:https%3A%2F%2Funofficial.pictures%2Fschubladendenken%2F|title:%5B%3Ade%5DAusstellung%20%C2%BBSchubladendenken%C2%AB%5B%3A%5D&#8221; el_class=&#8221;button-back-to-the-exhibition&#8221;][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][mk_padding_divider size=&#8221;80&#8243;][vc_column_text el_class=&#8221;vier-spalten-blocksatz&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1611937581030{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]RAFAEL: Seit wann bist du in Weimar?<\/p>\n<p>ALBINA: Ich bin vor zwei Monaten, Mitte September aus Suhl hierher gekommen. Wenn man aus der der Erstaufnahmeeinrichtung Suhl hierher kommt, ist das tats\u00e4chlich etwas hundertprozentig anderes. Auch im Vergleich zu anderen deutschen St\u00e4dten ist das ein gro\u00dfer Unterschied. Ich dachte fr\u00fcher, Hamburg ist die beste Stadt Deutschlands. Aber heute bin ich mir sicher, dass Weimar absolut ideal ist, f\u00fcr alle Sph\u00e4ren des Lebens. Hier gibts eine ganz gro\u00dfe Intellektuellen-Schicht. Keine Ahnung, ob die selber so einen Begriff m\u00f6gen w\u00fcrden, aber man kann sich hier mit Menschen tats\u00e4chlich unterhalten, und das tut gut.<\/p>\n<p>RAFAEL: Das ging in Suhl nicht so gut?<\/p>\n<p>ALBINA: Naja, du darfst nicht vergessen: Wenn du in Suhl in der Erstaufnahmestelle bist, dann gibt es nicht so viele Menschen die deine Muttersprache oder Deutsch sprechen. Also war die einzige M\u00f6glichkeit, sich mit Securities zu unterhalten. Das habe ich auch hundertprozentig ausgenutzt. Securities waren die einzigen Gespr\u00e4chspartner in Suhl.<\/p>\n<p>RAFAEL: Ist es von dort aus schwierig, Leute zu treffen, die in Suhl wohnen?<\/p>\n<p>ALBINA: Menschen aus Suhl? Nein das ist nicht schwierig. Aber in Deutschland ist es so, dass man nicht viele Menschen auf der Stra\u00dfe sieht. Hier in Weimar ist das eine Ausnahme. Nat\u00fcrlich sind in gro\u00dfen St\u00e4dten wie Frankfurt, Berlin oder Hamburg Menschen auf der Stra\u00dfe. In Suhl, oder anderen Kleinst\u00e4dten, da wohnen ein paar tausend Menschen und die Stra\u00dfen sind leer. Wie ausgestorben.<\/p>\n<p>RAFAEL: Aber liegt es nur daran, dass da zu wenig Leute sind, oder auch daran, dass sie nicht darauf reagieren, wenn du sie ansprechen w\u00fcrdest?<\/p>\n<p>ALBINA: Oh nein, nat\u00fcrlich reagieren die. Ich denke nicht, dass es daran liegt, dass die Menschen nicht bereit zu Kontakt w\u00e4ren. Ganz im Gegenteil! Es gibt ja heutzutage viele alte Menschen und besonders heute, in diesen Corona-Zeiten, sind viele bereit, egal mit wem zu reden. Es gibt einen Mangel an Kommunikation. Ich arbeite jetzt ehrenamtlich in einem Umsonstladen. Da kommen alte Menschen, so wie diese alte Oma vor kurzem. Die hat gefragt, ob sie sich einen Rock aussuchen kann. Dann hat sie \u00fcber ihr ganzes Leben und all ihre Probleme geredet. Das hei\u00dft, die brauchen jetzt sehr viel Kommunikation, brauchen diese Unterst\u00fctzung. Die haben nicht die M\u00f6glichkeit richtig mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. Es ist gerade jetzt problematisch, weil alles verboten ist und man Abstand halten muss.<\/p>\n<p>RAFAEL: Ich fand interessant und stark, dass du einen Blog gemacht und ganz viel \u00f6ffentlich gemacht hast, was du an Missst\u00e4nden erlebt hast.<\/p>\n<p>ALBINA: Ich hatte ja keine andere Wahl. Das was man zur Zeit in dieser Erstaufnahmestelle beobachten kann, das ist leider seit 2014 so, seitdem diese Stelle \u00fcberhaupt existiert. Das hei\u00dft, es ver\u00e4ndert sich nichts. Es wechseln die Chefs, es wechseln die Verantwortlichen, aber an der Erstaufnahmestelle selbst \u00e4ndert sich nichts. Au\u00dfer, dass seit Februar 2020 da noch ein Gitter, ein Zaun um diesen Ort herum steht. Das ist das einzige, was sich ver\u00e4ndert hat.<\/p>\n<p>RAFAEL: Ja, am Anfang war da gar kein Zaun und dann gab es mal so einen Bauzaun&#8230;<\/p>\n<p>ALBINA: Ich hab mal die Sozialarbeiter vom ASB gefragt, wieso wir den Zaun \u00fcberhaupt brauchen. Weil in den ersten zwei Wochen Quarant\u00e4ne musst du im Quarant\u00e4ne-Geb\u00e4ude bleiben. Und das bedeutet, dass du nicht nur einen Zaun um dich herum hast, sondern der Zaun ist noch mit so einer Art Stoff zugeh\u00e4ngt. Ich hab gefragt: \u201eWarum, vor wem versteckt man uns?\u201c Sie meinten, das w\u00e4re um unsere Privatsph\u00e4re zu sch\u00fctzen. Aber Entschuldigung, das Geb\u00e4ude daneben ist genauso Teil der Erstaufnahmestelle und da gibt es keinen Stoff am Zaun. Das ist schon merkw\u00fcrdig.[\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][vc_column_text el_class=&#8221;vier-spalten-blocksatz&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1611937625107{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]RAFAEL: Und was war das f\u00fcr ein Gef\u00fchl, da drinnen zu sein?<\/p>\n<p>ALBINA: Was f\u00fcr ein Gef\u00fchl fragst du? Naja. Die ersten zwei Wochen, wenn du in Quarant\u00e4ne musst, f\u00fchlst du dich eingesperrt. Ein Gef\u00fchl, das ich keinem w\u00fcnschen w\u00fcrde. Da hast du keine M\u00f6glichkeiten, keine B\u00fccher, keine Gespr\u00e4chspartner, kein normales Essen. Das ist ein riesengro\u00dfes Problem. Seit ich dort war, versuche ich dieses Problem zu l\u00f6sen, aber keiner will etwas daran \u00e4ndern. Ich habe schon mit vielen deswegen gesprochen. Wie kann man sich da f\u00fchlen? Da kannst du nur auf kleinem Raum so hin und her laufen. Hast du schon mal Tiere im Zoo gesehen? Als ich klein war, war ich im Zoo und da ist es genauso. Klein und mit Gittern. Kleine Zellen, in denen die Tiger und die B\u00e4ren hin und her laufen. Sch\u00f6n ist das nicht. Und wie soll man sich da f\u00fchlen, wenn man zum Beispiel gesundheitliche Probleme hat? Dann kannst du da nicht raus. Du kannst keinen Arzttermin bekommen, wenn du in Quarant\u00e4ne bist. Du wirst mit Tabletten gef\u00fcttert. Wie soll man sich da schon f\u00fchlen, wieso reden wir da noch dr\u00fcber?<\/p>\n<p>Was sie jetzt machen: sie entwickeln Konzepte f\u00fcr Corona, damit sie keine Strafe bekommen. Damit sie zeigen k\u00f6nnen, dass es auch w\u00e4hrend Corona geht. Sie haben das entwickelt, als man gesagt hat: \u201eEs geht schon drei Monate, macht bitte ein Corona-Konzept f\u00fcr diese \u2026 Institution.\u201c \u2013 Herr Adams sagt immer: \u201eBitte nennen Sie das nicht Lager. Das ist eine Erstaufnahmeeinrichtung, kein Lager.\u201c Aber Entschuldigung, wo ist denn der Unterschied zu Moria, wo es \u00fcberall Z\u00e4une und Gitter gibt und Securities und W\u00e4chter. Nat\u00fcrlich ist es da schlimmer als hier, aber im Prinzip ist es das Gleiche. Ein Lager. Die haben dieses Konzept entwickelt, in dem steht: Wenn eine Person positiv getestet wird, dann bleiben anstatt der 600 Menschen, die jetzt in dem Lager sind, nur 300 Menschen da. Was passiert dann mit den anderen 300? Ich fand das interessant. Jetzt gibt es schon einige Menschen da, die positiv getestet wurden. Diese Menschen wurden jetzt einfach eingesperrt. Die d\u00fcrfen jetzt nur noch auf die Toilette und in die Dusche. Da sind Familien. Da sind Kinder. Die haben nichts zum Spielen, nichts um sich zu besch\u00e4ftigen. F\u00fcr mich als Erwachsene war das schon unm\u00f6glich. In Quarant\u00e4ne kannst du \u00fcberhaupt nicht rausgehen. Das einzige was du mit hast, sind ein paar Klamotten und sonst nichts. Du bekommst Hygieneartikel, eine Tasse und einen Teller. Du hast keine B\u00fccher, nichts. Ich fand das so schrecklich. Du f\u00fchlst dich wie ein Papagei. Ich war da insgesamt 10 Tage. Und schon am Wochenende, nach der ersten Woche, hatte ich das Gef\u00fchl, dass ich alles kaputt machen wollte. Ich bin eigentlich ein ruhiger Mensch \u2013 hab ich versucht, mich zu \u00fcberzeugen. Die Securities haben dann auch nichts gesagt, weil die das alles verstehen k\u00f6nnen. Ich hab mit vielen gesprochen.<\/p>\n<p>RAFAEL: Du hattest auch geschrieben, dass du Zahnschmerzen hattest und keinen Termin kriegen konntest.<\/p>\n<p>ALBINA: Ja, ich hatte die ersten sechs Tagen Zahnschmerzen. Danach hab ich es doch geschafft mit dem Chefarzt zu reden, der meistens in einem anderem Geb\u00e4ude sitzt. Er hat gesagt, dass das nat\u00fcrlich \u00fcberhaupt nichts mit der Quarant\u00e4ne zu tun hat. Nat\u00fcrlich d\u00fcrften wir zum Zahnarzt, nat\u00fcrlich machen wir sofort einen Termin. Aber ich frage mich: Die Krankenschwestern, die bei uns im Quarant\u00e4ne-Geb\u00e4ude waren, die sind doch Mitarbeiter und f\u00fchren das aus, was der Chefarzt sagt. Ich frage mich, wie das m\u00f6glich ist. Es ist ziemlich traurig, weil im Quarant\u00e4ne-Geb\u00e4ude hast du wirklich keine M\u00f6glichkeiten, wenn du irgendwelche Krankheiten hast, Diabetes zum Beispiel. Nat\u00fcrlich kriegst du Tabletten, aber du kannst nicht raus f\u00fcr Arzt-Termine. Oder du musst daf\u00fcr echt einige Tage k\u00e4mpfen, dein Recht auf medizinische Versorgung beweisen.<\/p>\n<p>RAFAEL: Und dann noch in einer anderen Sprache &#8230;<\/p>\n<p>ALBINA: Nein, ich hab das auf Deutsch gemacht. Das haben sie aber auch auf Deutsch erst nach sechs Tagen verstanden.<\/p>\n<p>RAFAEL: Ich meine, f\u00fcr andere, die kein Deutsch sprechen ist das wahrscheinlich noch schwieriger. [\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][vc_column_text el_class=&#8221;vier-spalten-blocksatz&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1611937638220{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]ALBINA: Ja. Das ist aber nur eins von vielen Problemen. Ich wei\u00df nicht, ob du es gesehen hast, aber ich habe die Probleme in einem Memorandum aufgelistet. Alle anderen Probleme kann man in diesem Memorandum nachlesen.<\/p>\n<p>RAFAEL: Und du hast schon versucht, das an verschiedene \u00f6ffentliche Stellen zu schicken?<\/p>\n<p>ALBINA: Als ich noch in Suhl war, hab ich es bei den Leuten in der Erstaufnahmestelle selbst versucht. Anfangs bei den \u00c4rzten, Krankenschwestern und Sozialarbeitern. Dann bei der Leitung der Sozialarbeiter und danach bei der Leitung der Erstaufnahmeeinrichtung. Die alle hab ich stufenweise angesprochen. Das komischste Gespr\u00e4ch, an das ich mich erinnern kann, war das Gespr\u00e4ch mit der Leiterin vom ASB, der Sozialarbeiter. Ich bin hin gegangen und hab gesagt: \u201eSie haben Probleme in Ihrem Lager. Es gibt kein normales Essen f\u00fcr Kinder. Dann gibt es dieses Problem, jenes\u201c Dann ein drittes, viertes und f\u00fcnftes. Da hat sie mich gefragt: \u201eWer bist du denn, mir das zu erz\u00e4hlen? Wir wissen selber, was wir f\u00fcr Probleme haben.\u201c In dieser Manier: \u201eGeh bitte raus, du hast keine Probleme. Da stehen im Flur andere Menschen, die tats\u00e4chlich Probleme haben.\u201c Ich hab sie dann nach ihrem Namen gefragt, um wenigstens zu wissen mit wem ich gesprochen habe. Damals wusste ich nicht, dass das die Chefin Jeannette Roth war. Ich war nur gekommen um mit einem Sozialarbeiter zu reden. Sie hat mir ihren Namen nicht genannt. Ich denke, sie w\u00fcrde mit dir zum Beispiel nicht so sprechen. Oder mit einem Mensch, bei dem sie sicher ist, dass er seine Rechte kennt. Wo sie sicher ist, dass er hundert Prozent gut Deutsch spricht. Bei dem sie wei\u00df, dass sie f\u00fcr das, was sie sagt, zur Verantwortung gezogen wird. Anscheinend dachte sie, das ist bei mir nicht der Fall. Sie hat mir vorgeschlagen, dass ich doch auf deren Website gehen soll. Sie hat mir die Webseite gezeigt. Danach, als ich schon aus dem Lager raus war, habe ich es weiter versucht, weil ich noch Verbindungen zu vielen Menschen habe, die entweder noch dort sind oder schon aus Suhl raus. Ich habe es weiter versucht, wenigstens mit diesen Themen wie Essen oder Spielzeug. Jemand der Kinder hat, soll mal versuchen, die einfach in ein Zimmer sperren, die k\u00f6nnen ja nirgendwo selber hin. Drei mal pro Tag bekommen sie Essen. Um 8, um 1 und um 5. Danach nicht mehr. Wenn das Kind nachts essen will, ist es nicht erlaubt. Offiziell ist es nicht erlaubt, weil es keine K\u00fchlschr\u00e4nke gibt, weil das wohl die Gefahr birgt, dass Insekten oder Ratten kommen. Die Kinder d\u00fcrfen nachts nicht essen. Au\u00dferdem haben deine Kinder keine M\u00f6glichkeit, zur Schule oder in den Kindergarten zu gehen. Es wird gesagt, dass ja unklar sei, wie lange man in Suhl bleibt und es mache keinen Sinn die Kinder in der Schule anzumelden. Aber die Menschen, besonders gro\u00dfe Familien, bleiben da sieben oder acht Monate. In der ganzen Zeit gibt es kein Recht auf Ausbildung, oder darauf seine Freizeit normal zu verbringen. In all diesen Fragen wurde versagt.<\/p>\n<p>RAFAEL: Einfach weil man denkt, dass sich sowieso niemand beschwert?<\/p>\n<p>ALBINA: Ja, da beschwert sich tats\u00e4chlich niemand, weil die meisten Menschen vor etwas Schlimmeren weg gerannt sind und denken: \u201eOkay, hier bin ich nicht unter Beschuss. Gut.\u201c Die meisten denken au\u00dferdem, wenn sie etwas sagen, wenn sie versuchen ihre Rechte einzufordern, dass sie dann Probleme kriegen k\u00f6nnten zu bleiben. Die haben einfach Angst.<\/p>\n<p>RAFAEL: Kann ja auch real so sein, oder?<\/p>\n<p>ALBINA: Nein das kann nicht sein. Das kann keinerlei Auswirkung haben, weil die Verantwortlichen f\u00fcr den Aufenthalt der Menschen nicht der ASB oder die Lagerleitung sind. Die sind nur da, um das alles im Rahmen zu halten.<\/p>\n<p>RAFAEL: In was f\u00fcr Formen w\u00fcrdest du dir Solidarit\u00e4t w\u00fcnschen? Du hast ja auf viele Probleme hingewiesen, wo einfache Menschenrechte nicht eingehalten werden.[\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][vc_column_text el_class=&#8221;vier-spalten-blocksatz&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1611937658095{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]ALBINA: Du meinst, auf welche Hilfe ich hoffe? Oder Solidarit\u00e4t? Dieses sch\u00f6ne Wort, was einem \u00fcberall zugesteckt wird. Das ist eher schon politisch gef\u00e4rbt. Naja. Ich hoffe, dass sich die Situation bald ver\u00e4ndert, besonders mit dem Essen oder den Spielzeugen. Wir haben vor fast einem Monat Spielzeug gebracht. Ich und einer von den Securities. Ich muss schon sagen, dass die Securities in der Erstaufnahmeeinrichtung Suhl toll sind, auf die bin ich stolz. Das ist etwas, wo ich mich manchmal frage, woher sie diese Geduld nehmen. Es gibt nat\u00fcrlich ein, zwei, die in der Kantine stehen und am Ausgang den Kindern das Essen abnehmen, was sie mit rausnehmen wollen. Aber jeder Mensch in dem Lager in Suhl wei\u00df, um wen es da geht; egal ob Arbeiter oder Bewohner. Ich hoffe jedenfalls, dass es sich schnell ver\u00e4ndert. Wenn es sich nicht ver\u00e4ndert, muss man einen n\u00e4chsten Schritt gehen. Ich denke, ein Gericht sollte helfen. In Deutschland gibt es diese wundervolle Institution Gericht. In Berlin gab es diese Demo, die von der Regierung eigentlich verboten wurde, aber das Gericht hat dann gesagt, dass sie doch stattfinden darf. Dann gab es tats\u00e4chlich auch eine Demo, obwohl die Regierung nein gesagt hat. Bei uns gibt es so etwas nicht. Wenn eine Regierung nein sagt, dann sagt das Gericht auch nein. Ich hoffe, es gibt einen freundlichen diplomatischen Weg, bei dem man miteinander spricht und etwas ver\u00e4ndert. Wir haben auch Unterst\u00fctzung angeboten. Wir haben ja dieses Spielzeug ins Heim gebracht und es wurde einfach weggesperrt, obwohl wir gesagt haben, dass es sofort an die Kinder verteilt werden soll. Das hat irgendwie nicht so richtig geklappt. Ich wei\u00df nicht warum. Ich denke die Menschen, die beim ASB arbeiten und die als Leitung in der EAE Suhl sind, sind einfach unprofessionell. Klar gibt es beim ASB auch zwei Menschen maximal, die tats\u00e4chlich was Gutes tun, die versuchen etwas zu ver\u00e4ndern. Aber wozu sind dann eigentlich alle anderen da? Wof\u00fcr bekommen die ihr Geld? Genauso ist es mit der Leitung. Vor kurzem gab es die Information, dass Securities in der Erstaufnahmeeinrichtung Suhl Gewalt aus\u00fcben. Die haben Frauen gesto\u00dfen und so weiter. Jetzt wurden die drei Securities angezeigt. Aber keiner sieht, wer tats\u00e4chlich schuld ist. Nicht die Menschen, die im Zimmer gekocht haben, obwohl es verboten ist. Nicht die Securities, die versucht haben, die Kochplatte wegzunehmen und die Aluminiumfolie von den Rauchmeldern abzumachen. Sondern die Lagerleitung ist schuld. Sie m\u00fcssten einfach daf\u00fcr sorgen, dass die Menschen normales Essen bekommen, dann m\u00fcssten sie nicht im Zimmer kochen. Aber das sieht ja keiner. F\u00fcr Menschen ist es einfacher, jemanden schuldig zu sprechen, der ganz klein ist, ein kleiner Security. Anstatt Dirk Adams, oder Herrn Ramelow. Sogar einen Verantwortlichen f\u00fcr diese Einrichtung zu finden ist wirklich schwer. Was w\u00fcrdest du sagen, wer ist verantwortlich f\u00fcr eine Erstaufnahmestelle in der Stadt Suhl?<\/p>\n<p>RAFAEL: Anscheinend schon das Land.<\/p>\n<p>ALBINA: Das Land? Du meinst Mama Merkel?<\/p>\n<p>RAFAEL: Nein, Th\u00fcringen.<\/p>\n<p>ALBINA: Du hast also schon gelesen, dass der Oberb\u00fcrgermeister gesagt hat, dass er keine Verantwortung f\u00fcr diese Erstaufnahmestelle tr\u00e4gt. Aber warum eigentlich? Sie befindet sich in der Stadt Suhl. Warum tr\u00e4gt er keine Verantwortung? Wenn etwas passiert, kommt die Polizei von Suhl. Wenn irgendjemand Hilfe braucht, kommt der Rettungsdienst von Suhl. Und er sagt, dass er keine Verantwortung tr\u00e4gt und wir sollen jemand anderen suchen, der das alles ver\u00e4ndert?<\/p>\n<p>RAFAEL: Die Polizei untersteht sogar auch dem Land und nicht den St\u00e4dten.<\/p>\n<p>ALBINA: Und wof\u00fcr ist Herr Knapp da? Damit er dann im MDR in einem Interview sagt, dass wegen der Fl\u00fcchtlinge deutsche Kinder nicht auf die Stra\u00dfe gehen k\u00f6nnten, weil sie Angst h\u00e4tten?<\/p>\n<p>RAFAEL: Daf\u00fcr ist er nicht da, nein.[\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][vc_column_text el_class=&#8221;vier-spalten-blocksatz&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1611937678090{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]ALBINA: Anscheinend ist er nur daf\u00fcr da. Ich finde das absolut unverantwortlich. Ein Mensch wird doch nicht als Rassist geboren. Er wird zu dieser Rolle erzogen, wie auch f\u00fcr alle anderen Rollen. Wir k\u00f6nnen so den Menschen auch zu Liebe erziehen. Und was macht der Herr Knapp? Er sagt, dass Fl\u00fcchtlinge &#8220;b\u00f6se&#8221; sind und dass die Fl\u00fcchtlingskinder anders sind als die anderen Kinder aus Suhl. Wo ist der Unterschied zwischen den Kindern? Die haben nicht entschieden, hierher zu kommen. Die tragen keine Verantwortung daf\u00fcr, dass ihre Eltern wegen Krieg oder was auch immer hierher gekommen sind. Ich wei\u00df nicht, wo der Unterschied sein soll, au\u00dfer, dass die Kinder vielleicht keine wei\u00dfen Haare haben. Was denkst du, wie oft ist das Jugendamt in der Erstaufnahmestelle? Gar nicht. Es gab Anfang September in Suhl so Tage, als es sechs Grad kalt war und die Kinder immer noch im Kleidchen rumliefen. Da w\u00fcrden bei jeder deutschen Familie die Nachbarn die Polizei oder das Jugendamt rufen, wenn sie das sehen w\u00fcrden, dass die Kinder nicht dem Wetter angemessen anzogen sind. Die sind in einer halben Stunde da. Aber das sind anscheinend irgendwelche anderen Kinder, oder gar keine. Ich hab deswegen auch die Sozialarbeiter angesprochen, ob wir das Jugendamt ins Heim bringen sollten. Das Jugendamt hat doch die Aufgabe, mit den Eltern zu arbeiten, aufzukl\u00e4ren.<\/p>\n<p>RAFAEL: Oder die Aufgabe, den Eltern zu helfen, wenn sie nicht die Ressourcen haben.<\/p>\n<p>ALBINA: Richtig, auch Eltern zu helfen. Mir wurde aber erkl\u00e4rt, dass das Jugendamt nur geholt wird, wenn die Eltern ihre Kinder schlagen.<\/p>\n<p>RAFAEL: Willst du irgendetwas erz\u00e4hlen, wie du aufgewachsen bist und ob da Diskriminierung eine Rolle gespielt hat?<\/p>\n<p>ALBINA: Ach Mensch. Also ich bin in einer Millionenstadt aufgewachsen. In einer Region, wo es 130 Nationalit\u00e4ten gibt, dem Donbass. Ich wei\u00df nicht, ob dieser Begriff in Deutschland \u00fcberhaupt bekannt ist: V\u00f6lkerfreundschaft. Eure Eltern, die in der DDR lebten, kannten das bestimmt. Auf jeden Fall gab es in der Sowjetunion und auch im postsowjetischen Raum diese V\u00f6lkerfreundschaft. Und wir haben die \u2013 ok, hatten. Weil seit 2014, als der Krieg angefangen hat, sind viele weg gegangen, viele sind in ihre Heimat zur\u00fcckgekehrt, weil niemand freiwillig unter Beschuss leben wollte. Aber bei uns gab und gibt es immernoch Deutsche, Griechen und viele andere. Das ist wirklich eine Stadt mit vielen Nationalit\u00e4ten. Es gab nie sowas, dass man dir sagt &#8220;Ey, du Schwarzer&#8221; oder so. Ich hab das nie am eigenen Leib erlebt und hab das auch nie gesehen. Deshalb ist es manchmal f\u00fcr mich zumindest am Anfang schwierig gewesen, in diese Themen einzusteigen in Deutschland. Mir war das nicht so richtig klar. Naja, dieser Mensch kommt aus einem anderen Land. Naja, du bezahlst diesen Mensch in den ersten paar Jahren hier aus deinen Steuern. Aber ihr lebt doch jetzt zusammen auf einem Territorium, wie kannst du ihn beschimpfen? Das war mir nicht so richtig klar, weil bei uns gab es so etwas nicht. Ja, meine Stadt ist sch\u00f6n. Wenn es eine Stadt gibt, die noch sch\u00f6ner als Weimar ist, dann ist es Donezk. Das ist die Stadt der Millionen Rosen. In unserer Stadt waren eine Million Menschen. Und f\u00fcr jeden Mensch wurde in sowjetischen Zeiten ein Rosenbusch gepflanzt. Wenn dann alles bl\u00fcht, dann ist alles voll mit Rosen. Deutschland ist sch\u00f6n, aber wenn ich die M\u00f6glichkeit h\u00e4tte zur\u00fcck zu fahren, w\u00e4re das das erste was ich machen w\u00fcrde. Das zu deiner Frage, wo ich aufgewachsen bin. Da gibt es keinen Rassismus, da gibt es V\u00f6lkerfreundschaft.<\/p>\n<p>RAFAEL: Was hast du f\u00fcr W\u00fcnsche?<\/p>\n<p>ALBINA: Ich w\u00fcnsche mir Frieden, w\u00fcnsche mir friedliches Zusammenleben. Mit den Menschen hier. Dass die Menschen einfach lernen zusammenzuleben, denn heutzutage klappt es eigentlich nicht so gut. Und kurzfristig w\u00fcnsche ich mir tats\u00e4chlich, dass sich in der Erstaufnahmestelle etwas ver\u00e4ndert \u2013 okay, nicht dass sich etwas, sondern dass sich alles \u00e4ndert. Da muss man jetzt nicht Einzelf\u00e4lle l\u00f6sen, oder einzelnen Menschen helfen. Man muss die ganze Struktur \u00e4ndern. Kehrt machen, von dem was jetzt da ist und eine neue Struktur schaffen. [\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][vc_column_text el_class=&#8221;vier-spalten-blocksatz&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1611937689251{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]RAFAEL: Wie k\u00f6nnte das aussehen, das komplett umzudrehen? Dass man einfach von den Bed\u00fcrfnissen und den Rechten der Menschen ausgeht?<\/p>\n<p>ALBINA: Wir sind an dem Punkt, an dem es so nicht weitergeht, wenn wir es jetzt nicht komplett ver\u00e4ndern, die Struktur komplett anders gestalten. Dann gibt es bald richtige Probleme. Es gab schon F\u00e4lle, in denen die Menschen da alles komplett boykottiert haben. Ich war zu der Zeit nicht da, mir wurde das erz\u00e4hlt. Es gab wohl Proteste. Und danach gab es irgendwelche Ver\u00e4nderungen, aber nur, um die Menschen ruhig zu stellen. Das muss grundlegend ver\u00e4ndert werden.<\/p>\n<p>RAFAEL: Ich verstehe auch nicht, dass Leute dann so lange da bleiben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>ALBINA: Das Problem ist \u2013 das habe ich auch in meinem Blog geschrieben: wenn du ein Mensch mit sogenannten Behinderungen bist, oder chronische Krankheiten hast, dann bist du ein Asylbewerber zweiter Klasse. Dann musst du viel l\u00e4nger warten, denn keine Kommune will dich dann. Das ist auch institutioneller Rassismus. Es gibt viele Familien, von denen jemand Behinderungen hat, die sind da ewig. Die k\u00f6nnen nicht mehr warten. Ich hab diesen Fall auch schon tausend Mal beschrieben. Ich hab versucht Menschen anzusprechen. Es gab einen Menschen, der ist mit seinen eigenen Beinen gekommen. Die haben ihn so lange da behalten, bis er in den Rollstuhl musste. Er konnte seinen Arm dann auch nicht mehr bewegen. Er hatte Magenprobleme und war st\u00e4ndig beim Arzt. Hat versucht zu erkl\u00e4ren, dass er das Essen nicht essen kann. Das ist dann vielleicht Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen und Krankheiten. Die werden ja tats\u00e4chlich diskriminiert, denn die m\u00fcssen l\u00e4nger bleiben. Vielleicht ist das auch nicht die Schuld der Leitung in Suhl, weil die Kommunen m\u00f6chten die nicht nehmen. F\u00fcr die kostet das dann viel Geld, und die m\u00f6chten das einfach nicht.<\/p>\n<p>RAFAEL: Falls du das auch noch mal sagen willst, obwohl es schon in deinem Blog steht: du hast da beschrieben, dass es sich auch unsicher anf\u00fchlt, weil man die Zimmer gar nicht abschlie\u00dfen kann.<\/p>\n<p>ALBINA: Ja, und ich denke, das geht nicht nur Frauen so, sondern auch M\u00e4nnern oder Jungen. Es ist ja auch normal, dass man Privatsph\u00e4re braucht. Es gab nat\u00fcrlich Ausnahmen, zum Beispiel f\u00fcr Menschen, die transgender sind. Denn die wurden von anderen Mitmenschen, die da leben, diskriminiert. Leute die zum Beispiel aus Tschetschenien kommen, die verstehen das nicht. F\u00fcr die ist das merkw\u00fcrdig. Die besprechen das, kichern.<\/p>\n<p>RAFAEL: Ja, auch Deutsche machen das leider.<\/p>\n<p>ALBINA: Die transgender Person f\u00fchlte sich unsicher, dann hat man ihr einen Schl\u00fcssel gegeben. Aber es gab F\u00e4lle, die ich mitgekriegt habe, wo nachts eine schwangere Frau kommt und nach einem Schl\u00fcssel fragt, weil ein besoffener Mann in ihr Zimmer gekommen ist. Es gibt ja ein Familienhaus, ein Quarant\u00e4negeb\u00e4ude und ein Haus f\u00fcr einzelne M\u00e4nner. Und die k\u00f6nnen jeweils nicht in die anderen Geb\u00e4ude rein. Daf\u00fcr sind die Securities da, die das alles kontrollieren. Das Problem ist, dass es auch im Familiengeb\u00e4ude viele Jungs oder M\u00e4nner gibt. Wenn die besoffen sind, interessiert es die nicht, ob sie zu ihrer Familie reingehen oder zu dir. Da kannst du ja \u00fcberall rumlaufen. Ich wei\u00df nicht, frag mal eine andere Frau hier in der Stadt, ob sie in einer Gemeinschaftsunterkunft leben k\u00f6nnte. Wenn sie wei\u00df, dass in der N\u00e4he M\u00e4nner sind, die manchmal besoffen oder unter Drogen sind. Da f\u00fchlst du dich nat\u00fcrlich unsicher.<\/p>\n<p>RAFAEL: Oder ob man hier seine Haust\u00fcr und Wohnungst\u00fcr offen lassen will.<\/p>\n<p>ALBINA: Ja genau, das w\u00e4re das selbe. Ich finde es total unangenehm, wirklich. Das ist eigentlich \u00fcberall so. Nicht einmal die Dusche kannst du zuschlie\u00dfen. Wenn du zuhause bist, kannst du ja sicher sein, dass dich niemand beim Duschen st\u00f6rt, da brauchst du nicht zuschlie\u00dfen. Aber dort kann jeder einfach vorbeikommen und du hast nur so einen Vorhang. Das ist aber eigentlich nicht das gr\u00f6\u00dfte Problem. Das mit den Zimmern ist tats\u00e4chlich ein sehr gro\u00dfes Problem. Und Herr Adams meint, wichtiger w\u00e4re eine Video\u00fcberwachung f\u00fcr zwei Millionen Euro zu installieren, als einfach Schl\u00fcssel auszuteilen, die seit 2014 nicht ausgeteilt werden. Und wenn du fragst, warum es keine Schl\u00fcssel gibt, kommen sie mit Brandschutz. Sorry, aber da m\u00fcsste man auch alle Hotels schlie\u00dfen.[\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][vc_column_text el_class=&#8221;vier-spalten-blocksatz&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1611937714550{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]RAFAEL: Haben wir irgendetwas vergessen, was du noch gerne erz\u00e4hlen m\u00f6chtest?<\/p>\n<p>ALBINA: Wir k\u00f6nnten ewig reden, aber ich denke die Hauptpunkte haben wir besprochen. Ich w\u00fcnsche mir tats\u00e4chlich, dass endlich Leute begreifen, dass man zusammenleben kann. Fl\u00fcchtlinge sind ja nicht hierher gekommen, weil sie in der Heimat ein gutes Leben hatten. Die sind nicht hierher gekommen, um Deutschen ihre Arbeit oder ihr Geld wegzunehmen. Ich finde, es ist schon wichtig, diesen Menschen eine Ausbildung zu geben, auch wenn sie ohne eine hierher gekommen sind. Wenn man all diese Menschen ausbildet \u2013 50, 100, 1000 Menschen \u2013 und dann zur\u00fcck in ihre L\u00e4nder schickt, das ist die einzige M\u00f6glichkeit, dass in der Zukunft weniger Fl\u00fcchtlinge kommen. Wenn man Menschen hier rein l\u00e4sst und sie nach einer bestimmten Zeit wieder raus wirft, dann wei\u00df ich nicht, ob es etwas bringt. Au\u00dfer dass Menschen vielleicht Selbstmord begehen. Da kenne ich auch einige F\u00e4lle. Ein Iraner zum Beispiel, der hat Selbstmord begangen, weil er wusste, dass er einfach nicht zur\u00fcck in sein Land kann. Ihm wurde einfach nicht geglaubt. Zusammenzuleben ist die einzige M\u00f6glichkeit. Das ist so wichtig, dass die Menschen das begreifen. Was ich auch noch sehr wichtig finde, was auch das Ziel deines Projektes ist, ist, dass die Menschen im Dialog sind, miteinander reden. Das was wir heute immer weniger sehen, auch hier in Deutschland. Wenn du einem Linken vorschl\u00e4gst, sich morgen an einen Tisch mit einem Rechten zu setzen, der guckt dich an: \u201eIch, mit einem Rechten was zusammen machen?\u201c Es geht doch nicht darum, etwas mit ihm zusammen zu machen, diese Ideen zu unterst\u00fctzen. Es geht darum, einen Dialog zu f\u00fchren. Es geht darum, dass du deinem Gegen\u00fcber, egal wer es ist, wenn du etwas nicht verstehst, eine Stimme gibst. Und die Fl\u00fcchtlinge haben meistens keine Stimme, weil sie kein Deutsch k\u00f6nnen. Und ein Mensch, der keine Stimme hat, der kann seine Meinung nicht mitteilen. Und die Menschen, die ihre Meinung vertreten sollten \u2013 wie Sozialarbeiter, Rechtsanw\u00e4lte und so weiter \u2013 machen alles m\u00f6gliches, damit diese Meinung, dieser Hilfeschrei nicht geh\u00f6rt wird. Bis es eines Tages zu sp\u00e4t sein wird. Und vielleicht m\u00f6chten Fl\u00fcchtlinge ja gar kein Sozialgeld bekommen. Ich kenne einen Jungen in meiner Unterkunft in Weimar, der hatte sich in seinem Land ausbilden lassen als Sozialarbeiter. Der kann drei Sprachen. Er hat vor einem Monat einen negativen Bescheid bekommen. Warum schiebt man ihn ab? Warum schickt man ihn nicht nach Suhl, wo sie schreien: \u201eWir haben einen Mangel an Sozialarbeitern!\u201c Man versucht, diesen Menschen wegzuschmei\u00dfen statt ihn richtig zu verwenden. Er k\u00f6nnte mit seinem Migrationshintergrund den Menschen viel besser helfen, als die die teilweise auch ohne Ausbildung dort arbeiten. Das sind so Fragen, die ich wirklich unendlich stellen k\u00f6nnte. Wer beantwortet die alle, frage ich.<\/p>\n<p>RAFAEL: Gibt es noch etwas, das Leute speziell aus Suhl machen sollten?<\/p>\n<p>ALBINA: Kennst du dieses Projekt von der Caritas? Die haben ein Projekt in einem Dorf gestartet, bei dem Deutsche Patenschaften mit Leute mit Fl\u00fcchtlingshintergrund aufgenommen haben. Das bedeutet gar nicht, dass du als Deutscher den ganzen Tag mit dem Menschen verbringen musst, oder ihm alles erkl\u00e4ren musst. Einfach, dass du mit ihm in Kontakt bist. Das gibt dem Menschen das Gef\u00fchl, dass er hier nicht alleine ist. Was heutzutage leider nicht so ist. Heutzutage sind die Menschen in Suhl vor der \u00d6ffentlichkeit versteckt, hinter diesem Zaun, hinter den Gittern. Heute gibt es keinen Dialog. Heute haben sogar die \u00c4rzte Angst, dahin zu fahren, weil \u201edie sind doch so gef\u00e4hrlich\u201c. Die Menschen in der Stadt haben Angst vor diesen Menschen. Denn es wird immer wieder in Zeitungen gesagt, dass zum Beispiel Busfahrer sich weigern, bis zum Friedberg zu fahren, weil es gef\u00e4hrlich w\u00e4re. Sp\u00e4ter sind die Busfahrer dann die Strecke nur noch mit Begleitung von der Polizei oder Security gefahren. Ich denke, die Menschen werden in Angst versetzt. Die Menschen kennen nicht die aktuelle Lage. Als ich diesen offenen Brief ver\u00f6ffentlicht habe auf irgendwelchen Seiten, haben die Menschen aus Suhl angefangen zu schreiben, dass es da keine Kinder g\u00e4be, sondern nur \u201eb\u00e4rtige Minderj\u00e4hrige\u201c. Klar, Mann. Oder: \u201eDiese Menschen werden versorgt, und wir bezahlen daf\u00fcr aus unseren Taschen.\u201c Sowas h\u00f6rst du ganz oft. Nat\u00fcrlich nicht ohne Grund \u2013 weil die Menschen selber keinen Kontakt aufbauen. Sie haben keine Bezugsperson, die k\u00f6nnen mit keinem dar\u00fcber sprechen. Die bekommen nur die Informationen, die man um sie herum erz\u00e4hlt und die in den Zeitungen stehen.[\/vc_column_text][mk_padding_divider size=&#8221;80&#8243;][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section full_width=&#8221;true&#8221; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column width=&#8221;1\/12&#8243; offset=&#8221;vc_col-lg-2 vc_col-md-1 vc_hidden-sm vc_hidden-xs&#8221;][\/vc_column][vc_column offset=&#8221;vc_col-lg-8 vc_col-md-10 vc_col-xs-12&#8243;][vc_column_text css=&#8221;.vc_custom_1694083291036{margin-top: 80px !important;margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]\n<h4>&nbsp;<a href=\"https:\/\/unofficial.pictures\/release\/schubladendenken\/\">Ausstellung \u00bbSchubladendenken\u00ab<\/a><\/h4>\n[\/vc_column_text][vc_single_image image=&#8221;3278&#8243; img_size=&#8221;full&#8221;][\/vc_column][vc_column width=&#8221;1\/12&#8243; offset=&#8221;vc_col-lg-2 vc_col-md-1 vc_hidden-sm vc_hidden-xs&#8221;][\/vc_column][\/mk_page_section]","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u0639\u0641\u0648\u0627\u060c \u0647\u0630\u0647 \u0627\u0644\u0645\u062f\u062e\u0644\u0629 \u0645\u0648\u062c\u0648\u062f\u0629 \u0641\u0642\u0637 \u0641\u064a Deutsch.[mk_page_section padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][mk_padding_divider size=&#8221;80&#8243;][vc_btn title=&#8221;zur\u00fcck zur Ausstellung&#8221; style=&#8221;classic&#8221; shape=&#8221;square&#8221; color=&#8221;default&#8221; link=&#8221;url:https%3A%2F%2Funofficial.pictures%2Fschubladendenken%2F|title:%5B%3Ade%5DAusstellung%20%C2%BBSchubladendenken%C2%AB%5B%3A%5D&#8221; el_class=&#8221;button-back-to-the-exhibition&#8221;][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][mk_padding_divider size=&#8221;80&#8243;][vc_column_text el_class=&#8221;vier-spalten-blocksatz&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1611937581030{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]RAFAEL: Seit wann bist du in Weimar? 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