{"id":2685,"date":"2022-03-08T10:35:29","date_gmt":"2022-03-08T09:35:29","guid":{"rendered":"https:\/\/unofficial.pictures\/?page_id=2685"},"modified":"2022-04-04T18:43:23","modified_gmt":"2022-04-04T16:43:23","slug":"mohammed","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/unofficial.pictures\/ar\/geboren-gekommen-geblieben\/mohammed\/","title":{"rendered":"(Deutsch) Hadeel und Mohammed Abuasad"},"content":{"rendered":"<p class=\"qtranxs-available-languages-message qtranxs-available-languages-message-ar\">\u0639\u0641\u0648\u0627\u060c \u0647\u0630\u0647 \u0627\u0644\u0645\u062f\u062e\u0644\u0629 \u0645\u0648\u062c\u0648\u062f\u0629 \u0641\u0642\u0637 \u0641\u064a <a href=\"https:\/\/unofficial.pictures\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2685\" class=\"qtranxs-available-language-link qtranxs-available-language-link-de\" title=\"Deutsch\">Deutsch<\/a>.<\/p><div class=\"wpb-content-wrapper\">[mk_page_section full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column width=&#8221;1\/4&#8243;][\/vc_column][vc_column width=&#8221;1\/4&#8243;][mk_padding_divider size=&#8221;200&#8243; visibility=&#8221;hidden-sm&#8221;][vc_column_text align=&#8221;right&#8221; el_class=&#8221;a_font-22&#8243; css=&#8221;.vc_custom_1646732094488{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]\n<p class=\"a_font-22\"><strong>Hadeel und Mohammed Abuasad<\/strong><\/p>\n<p class=\"a_font-22\"><!-- Mohammed ist geboren 1984, arbeitet auf der Intensivstation im Krankenhaus Borna --><\/p>\n[\/vc_column_text][vc_btn title=&#8221;zur\u00fcck zur \u00dcbersicht&#8221; style=&#8221;classic&#8221; shape=&#8221;square&#8221; color=&#8221;default&#8221; align=&#8221;right&#8221; link=&#8221;url:https%3A%2F%2Funofficial.pictures%2Fgeboren-gekommen-geblieben%2F|title:%5B%3Ade%5DPortraits%20einer%20diversen%20Stadt%3A%20%E2%80%9Egeboren%2C%20gekommen%2C%20geblieben%E2%80%9C%5B%3A%5D&#8221; el_class=&#8221;button-back-to-the-exhibition&#8221;][\/vc_column][vc_column width=&#8221;1\/4&#8243;][mk_padding_divider size=&#8221;100&#8243; visibility=&#8221;hidden-sm&#8221;][vc_single_image image=&#8221;2686&#8243; img_size=&#8221;400&#215;600&#8243;][\/vc_column][vc_column width=&#8221;1\/4&#8243;][mk_padding_divider size=&#8221;100&#8243; visibility=&#8221;hidden-sm&#8221;][vc_single_image image=&#8221;2687&#8243; img_size=&#8221;400&#215;600&#8243;][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][mk_padding_divider size=&#8221;80&#8243;][vc_column_text el_class=&#8221;vier-spalten-blocksatz&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1647271482266{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]FRIEDER: Wann bist du hierher gekommen?<\/p>\n<p>MOHAMMED: Ich bin am 1. November 2018 hergekommen und bin jetzt also drei Jahre hier.<\/p>\n<p>FRIEDER: Bist du nach deiner Ankunft in Deutschland direkt in Ausbildung zum Krankenpfleger gegangen?<\/p>\n<p>MOHAMMED: Nein, ich habe in meinem Land 2012 mein Studium abgeschlossen, und danach habe ich da sieben Jahre auf verschiedenen Krankenhausstationen gearbeitet. 2015 habe ich das Arbeitsvisum beantragt, welches ich aber erst im August 2018 bekommen habe. Das gesamte Jahr 2015 habe ich Deutsch gelernt, allerdings habe ich es dann wegen der Wartezeit fast vier Jahre nicht genutzt. Meine Arbeitsvermittlungsagentur hat mir 2018 gesagt, dass sie mir die ben\u00f6tigten Akten schicken w\u00fcrden und ich damit bei der Deutschen Botschaft ein Visum beantragen kann. Innerhalb eines Monats sollte ich mein Deutsch auffrischen, was nat\u00fcrlich in dieser kurzen Zeit unm\u00f6glich war, da ich die Sprache so viele Jahre nicht gesprochen hatte. Das erste halbe Jahr in Deutschland habe ich nur &#8220;ja, ja&#8221; gesagt. Ich habe kein Wort verstanden, aber dann kam es langsam wieder. Schritt f\u00fcr Schritt. Ich brauchte noch Zeit. Nach einem Jahr habe ich mich bei der Helios-Klinik in Borna beworben.<\/p>\n<p>Die deutsche Sprache ist schwierig. Meine Frau versteht Deutsch sehr gut, nur das Sprechen f\u00e4llt ihr schwer. Meine Kinder gehen seit einem halben Jahr in die Schule und sprechen schon gut. Kinder k\u00f6nnen fremde Sprachen so viel schneller lernen als Erwachsene.<br \/>\nWenn man in Deutschland als Pflegefachkraft arbeiten will, muss man erstmal ein Zertifikat machen. Die Arbeitsvermittlungsagentur hat mir gesagt, ich m\u00fcsse das erste Jahr Anpassungsma\u00dfnahmen machen, mehr die Sprache und \u00fcber das deutsche System lernen. Ich war nach dreizehn Monaten fertig und habe dann hier im Krankenhaus als Pflegefachkraft angefangen. Ich habe zwei Jahre auf der Allgemeinchirurgie gearbeitet und bin vor acht Monaten auf die Intensivstation gewechselt.<\/p>\n<p>SANDRA: Dann kam Corona&#8230;<\/p>\n<p>MOHAMMED: Seit einem Monat ist es wieder schlimm. Davor war es drei, vier Monate ruhiger, aber seitdem ist es wirklich schlimm. Aber es ist unser Beruf. Unsere Aufgabe. Was sein muss, muss sein.<\/p>\n<p>SANDRA: Es ist gut, dass es Menschen gibt, die so viel Kraft haben.<\/p>\n<p>MOHAMMED: Unser Beruf ist in erster Linie Menschlichkeit. Die steht vorne an. Lange vor dem Gehalt.<\/p>\n<p>FRIEDER: Du kommst aus Gaza, oder?<\/p>\n<p>MOHAMMED: Ich komme direkt aus dem Gaza. Vorerst durfte ich meine Familie nicht mit hierher bringen. Ich musste erstmal die Anpassungsma\u00dfnahme fertig machen.<\/p>\n<p>FRIEDER: Was hei\u00dft \u201eAn\u00ad\u00adpas\u00adsungs\u00ad\u00ad\u00adma\u00df\u00ad\u00adnah\u00adme\u201d?<\/p>\n<p>MOHAMMED: Das hei\u00dft zuerst ein halbes Jahr Theorie, also medizinische Fachbegriffe in der Schule lernen, und dann noch ein halbes Jahr auf verschiedenen Stationen praktisch arbeiten. Danach muss man eine m\u00fcndliche Pr\u00fcfung machen. Erst wenn die bestanden ist, kann man in Deutschland als Pflegefachkraft arbeiten.[\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][vc_column_text el_class=&#8221;vier-spalten-blocksatz&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1646731800574{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]Jedes Land ist anders. Bei uns gibt es zum Beispiel keine Geriatrie-Stationen. Auch viele andere Bereiche im Krankenhaus gibt es bei uns nicht. Neurologie war in meinem Land zum Beispiel nicht Teil meiner Ausbildung. Die \u00c4mter hier schauen auf mein Zertifikat, erkennen daraus welches Fachwissen fehlt und daraus ergibt sich, was ich in der Anpassungsma\u00dfnahme noch lernen muss.<\/p>\n<p>FRIEDER: Wann seid ihr nach Deutschland gekommen? Ihr seid nicht zusammen gekommen, oder?<\/p>\n<p>MOHAMMED: Meine Familie ist seit acht Monaten hier in Borna. Ich war drei\u00dfig Monate lang allein hier. Wegen Corona war in meinem Land sieben Monate lang die deutsche Botschaft zu. Corona macht \u00fcberall in der Welt alles kaputt, nicht nur hier in Deutschland. Das war ein bisschen hart, aber jetzt ist alles wieder in Ordnung. Meine Frau lernt hier Deutsch. Sie war in unserem Land drei Jahre lang Lehrerin und will hier auch arbeiten, muss aber erstmal die deutsche Sprache lernen Das will sie auch wirklich, aber derzeit, unter Corona, ist die Volkshochschule wieder geschlossen. Sie konnte nur einen Monat lang den Deutschkurs besuchen, br\u00e4uchte wahrscheinlich aber ein Jahr. Das ist nicht einfach, aber wie gesagt, was sein muss, muss sein.<\/p>\n<p>SANDRA: Habt ihr etwas aus Gaza mitgebracht oder habt ihr alles hier neu gekauft?<\/p>\n<p>MOHAMMED: Ich hab alles neu gekauft, meine Frau aber nicht. Sie hat so viele Klamotten mitgebracht. Insgesamt hat sie neun Koffer mitgenommen. Das war eine gro\u00dfe Sache mit ihr.<\/p>\n<p>SANDRA: Was hast du vorher \u00fcber Borna gewusst?<\/p>\n<p>MOHAMMED: Die Theorie meiner Anpassungsma\u00dfnahme habe ich in Leipzig gemacht und habe da ein Jahr gewohnt. Dann habe ich hier in Borna einen unbefristeten Arbeitsvertrag abgeschlossen. Da habe ich mir gedacht, dass Pendeln nicht geht, wegen der Fahrtzeiten. Am ersten August 2019 bin ich dann nach Borna gezogen. \u00dcber die deutsche Kultur und Geschichte habe ich mich vorher schon im Internet informiert, weil ich hier ja Leben wollte.<\/p>\n<p>FRIEDER: Was war dein erster Eindruck von Borna?<\/p>\n<p>MOHAMMED: Ich komme aus einer Gro\u00dfstadt und in meinem Land gibt es ein ganz anderes Arbeitssystem. Im Gaza habe ich nur zwei Tage die Woche gearbeitet und hatte f\u00fcnf Tage frei. Bei uns durfte ich auch vierundzwanzig Stunden am St\u00fcck arbeiten, aber hier ist das gesetzlich verboten. Jetzt muss ich f\u00fcnf Tage die Woche arbeiten, um dann nur zwei Tage frei zu haben. In meiner Familie sind alle Landwirte. Deswegen habe ich nebenberuflich in der Landwirtschaft gearbeitet und war immer in der Natur. Ich mag es auf dem Dorf lieber als in Kleinst\u00e4dten. Aber weil meine Kinder in Borna in die Schule gehen und meine Frau hier in der Sprachschule ist, bleiben wir hier wohnen. Hier ist alles so ruhig, das ist der Hammer. Zu den \u00c4mtern, Banken, Gesch\u00e4ften, zum Krankenhaus und zur Schule ist es nicht weit. In f\u00fcnf Jahren geht es hier bergauf in der Stadt. Alles wird besser.<\/p>\n<p>FRIEDER: Was denkst du, was genau besser wird?<\/p>\n<p>MOHAMMED: Seit zwei Jahren sind in der Stadt nicht mehr so viele Leute, aber ich sehe manchmal neue Geb\u00e4ude und Gesch\u00e4fte. Hier im Haus bin ich der einzige Ausl\u00e4nder, oder zumindest der einzige Araber. Meine Nachbarn sind alle ganz nett, wir sind im Kontakt und quatschen jeden Tag. Meiner Frau habe ich gesagt, dass wir hier in Deutschland sind, dass wir in drei Jahren die deutsche Staatsangeh\u00f6rigkeit bekommen und deswegen auch wie Deutsche leben m\u00fcssen. Auf der anderen Seite gibt es schlechte und gute Kulturen, sowohl in meinem Land als auch in Deutschland. Wir m\u00fcssen nur das Gute von beidem nehmen und das Schlechte weglassen.[\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][vc_column_text el_class=&#8221;vier-spalten-blocksatz&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1646731826240{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]Die Kollegen auf meiner Station sagen, ich sei ganz anders als die anderen Ausl\u00e4nder auf der Station. Wir sind jetzt acht oder neun Migranten da. Aus Russland, Algerien und \u00c4gypten. Wir haben in Borna mindestens f\u00fcnfzig ausl\u00e4ndische Pflegekr\u00e4fte. Meine Kollegen sagen, ich spreche einfach mit ihnen und sei ganz offen. Wir sind alle Menschen.<br \/>\nAuf der anderen Seite ist es in Pal\u00e4stina anders, als in allen anderen arabischen L\u00e4ndern, weil es bei uns alle Religionen gibt. Wir haben mindestens drei\u00dfig Prozent christliche Pal\u00e4stinenser. Wir leben alle zusammen auf einer Stra\u00dfe. Wir machen gemeinsam Feuer und essen zusammen. Wir laden uns gegenseitig ein. Vielleicht ist das der Grund.<\/p>\n<p>FRIEDER: Wie geht es dir in Borna? Bist du zufrieden hier?<\/p>\n<p>MOHAMMED: In Borna haben wir alles. F\u00fcr meine Kinder ist die Schule gut. Die Grundschule hier ist die Beste. Mein Gro\u00dfer geht in die Oberschule oder Mittelschule hier, aber die gef\u00e4llt mir nicht so gut. Bei uns ist auch nicht alles perfekt. Man kann im Leben nicht alles haben. Und B\u00fcrokratie ist wichtig, aber nicht \u00fcberall.<\/p>\n<p>FRIEDER: Dass ihr hierher kommen konntet, war auch sehr viel B\u00fcrokratie, oder?<\/p>\n<p>MOHAMMED: Ja, in meinem Land habe ich so soviel Papierkram aus Deutschland ausf\u00fcllen m\u00fcssen. Ich habe bestimmt f\u00fcnfzig bis siebzig Dokumente r\u00fcber geschickt, damit die Arbeitsvermittlungsagentur alle Unterlagen fertig machen konnte. Ich habe dann bei der Deutschen Botschaft in meinem Land das Visum beantragt und sie haben alles zur Ausl\u00e4nderbeh\u00f6rde nach Deutschland geschickt. Bis zum Umzug und bis ich das Visum hatte, hat es etwa ein halbes Jahr gedauert.<\/p>\n<p>FRIEDER: Wie sieht dein Alltag hier in Borna aus?<\/p>\n<p>MOHAMMED: Meine Arbeit nimmt die meiste Zeit ein. Ich habe blo\u00df zwei Tage frei pro Woche und manchmal muss ich auch am Wochenende arbeiten. Wir waren zu Silvester in Hamburg und haben Urlaub gemacht und im Oktober 2020 waren wir in Frankfurt. W\u00e4hrend Corona wollte ich nicht ins Ausland fahren. Meine Frau war einen Monat im Sprachkurs, seit zwei Monaten kann sie wegen Corona nicht mehr gehen. Die Kinder gehen jeden Tag in die Schule. Wenn ich am Wochenende frei habe, fahren wir manchmal nach Leipzig zum Einkaufen, machen uns einen sch\u00f6nen Tag oder gehen zum Spielplatz.<\/p>\n<p>FRIEDER: Wenn du arbeiten gehst, wie ist es da? Wann stehst du auf?<\/p>\n<p>MOHAMMED: Ich arbeite im Schichtdienst. Manchmal muss ich nachts arbeiten, dann wieder Mittelschicht, oder Fr\u00fchschicht. Also wenn ich Nachtschicht habe, dann kann ich nichts anders machen, weil ich dann den ganzen Tag schlafe. Um halb sieben in der Fr\u00fch habe ich dann Feierabend und muss mindestens acht Stunden schlafen. Wenn ich wach bin, bespreche ich mit meinen Kindern was in der Schule passiert ist oder helfe ihnen mit neuen W\u00f6rtern und der Sprache. Wenn sie einen Termin beim Arzt haben, muss ich auch mitgehen. Sie brauchen auch meine Betreuung. Manchmal muss ich auch einkaufen gehen. Es ist nicht einfach f\u00fcr mich, deswegen h\u00e4tte ich gerne, dass meine Frau schnell Deutsch lernt, dann kann sie mir ein paar Aufgaben abnehmen.[\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][vc_column_text el_class=&#8221;vier-spalten-blocksatz&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1647272100408{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]FRIEDER: Gibt es einen Ort, den du vermisst?<\/p>\n<p>MOHAMMED: Das erste halbe Jahr in Deutschland habe ich meine Familie sehr vermisst, nur ich habe zun\u00e4chst ein Visum bekommen. Gottseidank, gibt es das Internet. Ich kann bei Skype jeden Tag mit meiner Mutter telefonieren.<\/p>\n<p>FRIEDER: Du kannst sie auch nicht besuchen fahren?<\/p>\n<p>MOHAMMED: Ich k\u00f6nnte zwar in Gaza einreisen, aber dann wieder raus zu kommen ist schwierig. Vielleicht geht mein Aufenthaltsstatus hier dann verloren. Manchmal muss man auch die schei\u00df Politiker im Gaza bezahlen um durch zu fahren. Entschuldigung, dass ich das so sage, aber es ist so.<\/p>\n<p>FRIEDER: Was schlecht ist, muss man auch so benennen.<\/p>\n<p>MOHAMMED: Das denke ich auch. Es ist seit 74 Jahren so. Naja, ich k\u00f6nnte meine Eltern auch irgendwo in \u00c4gypten oder Saudi-Arabien treffen, aber ich warte lieber noch zwei, maximal drei Jahre, bis ich die deutsche Staatsangeh\u00f6rigkeit beantragen kann. Dann kann ich dort einfacher Urlaub machen.<\/p>\n<p>FRIEDER: Erlebst du Diskriminierung oder Rassismus?<\/p>\n<p>MOHAMMED: Ich war einmal in so einer Situation, aber es ist mir egal. Ich kenne mich und ich wei\u00df, warum ich hier bin. Wir Pal\u00e4stinenser sind seit 1948 nur halbe Menschen, Fl\u00fcchtlinge in der ganzen Welt. Deswegen kenne ich vielleicht das Thema mehr als ihr. Bis heute werden die Leute in Pal\u00e4stina selbst Fl\u00fcchtlinge genannt. Ich bin Pal\u00e4stinenser und die nennen mich Fl\u00fcchtling, in meiner eigenen Heimat. Das kann ich nicht verstehen. F\u00fcr mich sind wir alle Menschen. Wir sind seit 75 Jahren in Pal\u00e4stina, bis heute nennen die uns Fl\u00fcchtlinge. Deswegen kann ich Diskriminierung mehr als ihr, verstehen. Es macht mir nichts aus.<br \/>\nEinmal, hier am Aldi, hat mich jemand beschimpft. Er hat mich einen \u201cSchei\u00df Ausl\u00e4nder\u201d genannt und gesagt, ich solle zur\u00fcck in mein Land. Er wei\u00df nicht, dass ich zum Arbeiten und Helfen hergekommen bin. Ich bin Pfleger. Es macht mir nichts, ich kenne mich. Meine Kollegen, Nachbarn und Bekannten in meinem Umfeld sind alle lieb zu mir und ganz freundlich. Die Meinung fremder Leute macht mir nichts aus, weil sie mich nicht kennen. F\u00fcr die bin ich ein Fl\u00fcchtling, weil ich eine andere Hautfarbe habe und nicht-deutsch aussehe. Viele \u00e4ltere Leute denken so. Ich w\u00fcrde sagen, dass es nicht nur in Deutschland Rassismus gibt, sondern \u00fcberall. In arabischen L\u00e4ndern gibt es mehr Rassismus als in Deutschland. In Saudi-Arabien, oder \u00fcberall gibt es Rassismus, nicht nur in Deutschland. In Borna gibt es siebzig bis achtzig M\u00e4nner und Frauen aus verschiedenen L\u00e4ndern, die im Krankenhaus arbeiten. Sie kommen aus \u00c4gypten, dem Sudan, Algerien, Indien, Pakistan, Indonesien, Russland oder Ungarn. Wir wohnen und arbeiten alle hier.<\/p>\n<p>FRIEDER: Habt ihr Kontakt untereinander?<\/p>\n<p>MOHAMMED: Ja, aber die meisten sind Singles. Familien haben wir nicht so viele, maximal f\u00fcnf oder sechs. Die anderen sind alle Singles. Wir haben alle Kontakt miteinander, machen zusammen Feuer und laden uns gegenseitig zum Essen ein, aber wegen Corona geht das jetzt gerade nicht.<\/p>\n<p>FRIEDER: Und du, Hadeel, hast du in Borna oder in Deutschland rassistische Situationen erlebt?[\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][vc_column_text el_class=&#8221;vier-spalten-blocksatz&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1647272138074{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]HADEEL: Ja, einmal. Ich stand in Borna an der Ampel auf dem Fu\u00dfweg. Da hat eine alte Frau mich angeschrien. Ich habe sie nicht verstanden, aber sie hat mich viel und laut angeschrien. Wahrscheinlich wegen dem Kopftuch.<br \/>\nIn Hamburg und Frankfurt habe ich viele Frauen gesehen, die mit Kopftuch arbeiten. Aber hier in Borna habe ich das nicht gesehen. Deswegen habe ich Angst, hier keine Arbeit zu finden. Ich bin Lehrerin, mein Beruf ist ganz wichtig und eigentlich werden in Deutschland dringend Lehrerinnen gesucht.<\/p>\n<p>FRIEDER: Das ist ein gro\u00dfes Problem auf jeden Fall. In Hamburg und Frankfurt sind sie da deutlich weiter als wir hier in Sachsen.<\/p>\n<p>MOHAMMED: Ich wei\u00df schon was du meinst, das habe ich auch schon gelesen. Aber das macht uns nichts aus. Wir bleiben hier in Sachsen. Ja, ich habe viele Freunde in Westdeutschland und sie sagen mir immer: \u201eMohammed, du bist in Sachsen, das geht ja nicht. Komm zu uns nach Westdeutschland!\u201c Und ich sage ihnen dann immer: \u201eNiemals. Ich kam als erstes nach Sachsen und hier bleibe ich.\u201c Ich finde, in Sachsen sind die Leute zu 75, 80 oder 85 Prozent liebe Leute. Es gibt 10 oder 15 Prozent, das sind die Schwierigen. Ich denke mal, so ist das \u00fcberall. Aber ich will hier bleiben. Hadeel will nach Leipzig umziehen.<\/p>\n<p>HADEEL: Nein, nicht nach Leipzig, nach Westdeutschland.<\/p>\n<p>MOHAMMED: Siehst du. Aber ich will das nicht.<\/p>\n<p>HADEEL: Es gibt dort viele Araber. Und es gibt bessere Arbeitsm\u00f6glichkeiten und mehr Gelegenheiten f\u00fcr die Kinder, mit anderen in Kontakt zu kommen. Sogar die Deutschen sind dort offener als hier.<\/p>\n<p>MOHAMMED: Das ist ihre Meinung, aber ich mag es hier. Ich arbeite jeden Tag mit Deutschen zusammen und sie sind ganz lieb zu mir. Meine Frau hat bis jetzt keine Kollegen oder Freunde, keine Menschen die sie kontaktieren kann. Wie gesagt, die Schule ist wegen Corona seit zwei Monaten geschlossen. Und dabei hatte sie sich so gefreut als sie zum ersten Mal zum Sprachkurs ging. Aber jetzt&#8230;<\/p>\n<p>FRIEDER: Und was w\u00fcnschst du dir f\u00fcr dein Leben hier?<\/p>\n<p>HADEEL: Ich w\u00fcnsche mir einen Job zu finden. Und dass du, Mohammed, angenehme Arbeitsbedingungen hast. Und dass unsere Kinder gute Bildung bekommen. Das ist normal, dass die Leute sich f\u00fcr ihre Kinder eine gute Ausbildung in Deutschland w\u00fcnschen.<\/p>\n<p>FRIEDER: Wenn du Dinge \u00e4ndern k\u00f6nntest in Borna, was w\u00e4re das?<\/p>\n<p>MOHAMMED: Ich w\u00fcrde mich gerne mit allen Menschen aus Borna zusammen treffen, f\u00fcr richtige Integration. Nicht alle, aber die meisten Leute hier haben Angst vor den Ausl\u00e4ndern, aber manchmal haben die Ausl\u00e4nder auch Angst vor den Deutschen. Sandra hat hier einen kleinen Verein, der bei der Integration unterst\u00fctzen m\u00f6chte. Ich war nie dort, aber meine Frau war dreimal bei ihr. Jetzt unter Corona hat sich aber auch das ver\u00e4ndert.<br \/>\nUnd wir haben in Borna zwei Grundschulen, aber blo\u00df eine Oberschule. Ich denke, Borna braucht noch eine Mittelschule, es sind einfach zu viele Sch\u00fcler auf der einen Schule. Es gibt hier noch ein Gymnasium, das hatte ich vergessen.<\/p>\n<p>FRIEDER: Was gef\u00e4llt dir an Borna?[\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][vc_column_text el_class=&#8221;vier-spalten-blocksatz&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1647272132551{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]MOHAMMED: Es ist eine ruhige Stadt. Es ist der Hammer hier. Viele Menschen sind alt und es gibt nicht so viele junge Leute. Ich bin bald vierzig. Mein Leben ist jetzt f\u00fcr meine Kinder. Die lernen hier in Deutschland so viel besser als irgendwo anders auf dieser Welt. Ich w\u00fcnsche mir, dass alle meine Kinder sp\u00e4ter studieren. Vielleicht werden sie das nicht, aber das w\u00e4re mein Wunsch. Ich habe Angst davor, dass meine Kinder schlechte Freunde haben. Das w\u00e4re f\u00fcr mich ein gro\u00dfes Problem. In Borna habe ich mehr Kontrolle dr\u00fcber, wo sie sind und was sie machen. In einer gro\u00dfen Stadt h\u00e4tte ich das nicht. Ich sage: Leben ist Leben, egal wo, aber meine Frau und Kinder wollen lieber woanders hin. Ich aber nicht. Ich w\u00fcnsche mir in Borna, oder in der Leipziger Umgebung ein Haus zu haben, dann w\u00fcrde ich hier bleiben. Ich habe noch eine Wohnung in meinem Land. Meine Frau sagt, dass wir ein Haus in unserem Land bauen sollten, aber ich will, dass wir hier eins bauen. Meine Kinder gehen vielleicht irgendwann zur\u00fcck, in unsere Wohnung in Pal\u00e4stina. Ich w\u00fcrde gerne hier ein Haus bauen, aber wenn ich alleine arbeiten gehe, dann reicht das Geld nicht. Die erste Sache w\u00e4re, dass meine Frau Deutsch sprechen kann und eine Arbeit findet. Die Kinder gehen schon zur Schule. Meine Frau muss Zuhause bleiben und da wird ihr ganz langweilig. Sie sagt mir jeden Tag, dass sie etwas machen will, weiter Deutsch lernen will. Ich kann da leider nichts \u00e4ndern. Ich kann leider die Schule nicht wieder aufmachen.<\/p>\n<p>FRIEDER: Da kann man nur hoffen, dass sich alle impfen lassen.<\/p>\n<p>MOHAMMED: Das haben meine Frau und ich schon gemacht.<\/p>\n<p>FRIEDER: Es gibt hier ja ganz viele, die demonstrieren gehen und sich nicht impfen lassen. Wenn die sich impfen lassen w\u00fcrden, w\u00e4re es vielleicht besser mit Corona. Ich hoffe sehr, dass die Schule bald wieder aufmacht.<\/p>\n<p>MOHAMMED: Vielen Dank. Es gibt hier viele Leute, die sich nicht impfen lassen wollen. Das kann ich nicht verstehen. Die sehen nicht, dass hier, auf der Intensivstation, Menschen unter unseren Augen sterben. Das geht so wirklich nicht.<br \/>\nEin paar von ihnen sind ist gegen die Politiker. Die wollen sich deswegen nicht impfen lassen. Die Anderen haben Angst vor der Impfung, vor den Nebenwirkungen oder davor, dass sie davon sterben. Das sind die zwei unterschiedlichen Seiten. Nebenwirkungen von der Impfung gibt es nicht, maximal bei f\u00fcnf Prozent der F\u00e4lle. Aber auf der Intensivstation haben wir seit einer Woche wieder jeden zwischen siebzig- bis achtzigtausend Coronaf\u00e4lle. Und Menschen, die die ganze Zeit schreien, Corona gibt es nicht, die kann ich deswegen nicht verstehen. Die denken Politiker sind schlecht und das denken sie immer. Die sind immer dagegen. Mit Corona oder ohne. Ich kann beide Seiten nicht verstehen.<\/p>\n<p>Das Interview f\u00fchrten wir am 17. Januar 2022.[\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][mk_padding_divider size=&#8221;80&#8243;][\/vc_column][\/mk_page_section][vc_row][vc_column][vc_column_text css=&#8221;.vc_custom_1643311707101{margin-top: 80px !important;margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]\n<h4><a href=\"https:\/\/unofficial.pictures\/geboren-gekommen-geblieben\/\">Portr\u00e4ts einer diversen Stadt: \u201egeboren, gekommen, geblieben\u201c<\/a><\/h4>\n[\/vc_column_text][mk_padding_divider][\/vc_column][\/vc_row]\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u0639\u0641\u0648\u0627\u060c \u0647\u0630\u0647 \u0627\u0644\u0645\u062f\u062e\u0644\u0629 \u0645\u0648\u062c\u0648\u062f\u0629 \u0641\u0642\u0637 \u0641\u064a Deutsch.[mk_page_section full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column width=&#8221;1\/4&#8243;][\/vc_column][vc_column width=&#8221;1\/4&#8243;][mk_padding_divider size=&#8221;200&#8243; visibility=&#8221;hidden-sm&#8221;][vc_column_text align=&#8221;right&#8221; el_class=&#8221;a_font-22&#8243; css=&#8221;.vc_custom_1646732094488{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;] Hadeel und Mohammed Abuasad [\/vc_column_text][vc_btn title=&#8221;zur\u00fcck zur \u00dcbersicht&#8221; style=&#8221;classic&#8221; shape=&#8221;square&#8221; color=&#8221;default&#8221; align=&#8221;right&#8221; link=&#8221;url:https%3A%2F%2Funofficial.pictures%2Fgeboren-gekommen-geblieben%2F|title:%5B%3Ade%5DPortraits%20einer%20diversen%20Stadt%3A%20%E2%80%9Egeboren%2C%20gekommen%2C%20geblieben%E2%80%9C%5B%3A%5D&#8221; el_class=&#8221;button-back-to-the-exhibition&#8221;][\/vc_column][vc_column width=&#8221;1\/4&#8243;][mk_padding_divider size=&#8221;100&#8243; visibility=&#8221;hidden-sm&#8221;][vc_single_image image=&#8221;2686&#8243; img_size=&#8221;400&#215;600&#8243;][\/vc_column][vc_column width=&#8221;1\/4&#8243;][mk_padding_divider size=&#8221;100&#8243; visibility=&#8221;hidden-sm&#8221;][vc_single_image image=&#8221;2687&#8243; img_size=&#8221;400&#215;600&#8243;][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][mk_padding_divider size=&#8221;80&#8243;][vc_column_text el_class=&#8221;vier-spalten-blocksatz&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1647271482266{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]FRIEDER: Wann [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":2639,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-2685","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/unofficial.pictures\/ar\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2685","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/unofficial.pictures\/ar\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/unofficial.pictures\/ar\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/unofficial.pictures\/ar\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/unofficial.pictures\/ar\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2685"}],"version-history":[{"count":22,"href":"https:\/\/unofficial.pictures\/ar\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2685\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2758,"href":"https:\/\/unofficial.pictures\/ar\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2685\/revisions\/2758"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/unofficial.pictures\/ar\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/unofficial.pictures\/ar\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2685"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}