{"id":2884,"date":"2022-09-06T13:22:06","date_gmt":"2022-09-06T11:22:06","guid":{"rendered":"https:\/\/unofficial.pictures\/?page_id=2884"},"modified":"2022-09-06T13:22:06","modified_gmt":"2022-09-06T11:22:06","slug":"annelies","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/unofficial.pictures\/ar\/geboren-gekommen-geblieben\/annelies\/","title":{"rendered":"(Deutsch) Annelies"},"content":{"rendered":"<p class=\"qtranxs-available-languages-message qtranxs-available-languages-message-ar\">\u0639\u0641\u0648\u0627\u060c \u0647\u0630\u0647 \u0627\u0644\u0645\u062f\u062e\u0644\u0629 \u0645\u0648\u062c\u0648\u062f\u0629 \u0641\u0642\u0637 \u0641\u064a <a href=\"https:\/\/unofficial.pictures\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2884\" class=\"qtranxs-available-language-link qtranxs-available-language-link-de\" title=\"Deutsch\">Deutsch<\/a>.<\/p><div class=\"wpb-content-wrapper\">[mk_page_section padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column width=&#8221;1\/2&#8243;][mk_padding_divider size=&#8221;200&#8243; visibility=&#8221;hidden-sm&#8221;][vc_column_text align=&#8221;right&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1662463225835{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]\n<p class=\"a_font-22\"><strong>Annelies<\/strong><\/p>\n<p class=\"a_font-22\">geboren 1994, arbeitet als K\u00e4lberspezialistin und ist frisch verheiratet<\/p>\n[\/vc_column_text][vc_btn title=&#8221;zur\u00fcck zur \u00dcbersicht&#8221; style=&#8221;classic&#8221; shape=&#8221;square&#8221; color=&#8221;default&#8221; align=&#8221;right&#8221; link=&#8221;url:https%3A%2F%2Funofficial.pictures%2Fgeboren-gekommen-geblieben%2F|title:%5B%3Ade%5DPortraits%20einer%20diversen%20Stadt%3A%20%E2%80%9Egeboren%2C%20gekommen%2C%20geblieben%E2%80%9C%5B%3A%5D&#8221; el_class=&#8221;button-back-to-the-exhibition&#8221;][\/vc_column][vc_column width=&#8221;1\/2&#8243;][mk_padding_divider size=&#8221;100&#8243; visibility=&#8221;hidden-sm&#8221;][vc_single_image image=&#8221;2885&#8243; img_size=&#8221;400&#215;600&#8243; alignment=&#8221;right&#8221;][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][mk_padding_divider size=&#8221;80&#8243;][vc_column_text el_class=&#8221;vier-spalten-blocksatz&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1662463083126{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]FRIEDER: Seit wann bist du hier in Borna?<\/p>\n<p>ANNELIES: Da muss ich kurz \u00fcberlegen. Ich glaube 2017 bin ich von Dittmannsdorf nach Borna gezogen. Vom sch\u00f6nen Dorfleben in die Stadt. Ich war zwischendrin mal in Leipzig. Hierher bin ich nur gezogen, weil ich nicht so weit weg von meinen Eltern sein wollte. Ich habe in Penig gearbeitet, aber das geht ja mit der Autobahn ganz gut. Deswegen und weil ich eine ganz schicke Wohnung gefunden habe, ist es Borna geworden. Zu Beginn war ich dort allein. Dann habe ich meine Frau kennengelernt und wir sind letztes Jahr zusammengezogen.<\/p>\n<p>SANDRA: Was macht man denn als junger Mensch hier? Ich bin auch in Borna aufgewachsen und es gibt ja nicht einmal eine Bar.<\/p>\n<p>ANNELIES: Naja, es gibt hier Bars und Restaurants die ganz in Ordnung sind, aber es stimmt schon, dass es f\u00fcr die Jugend nicht viel gibt. Ich bin niemand, der gerne in einer Bushaltestelle herumsitzt, was einige Jugendliche machen. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Wohnung, bin dort oft und treffe mich mit Freunden. Wir haben auch einen Garten in Gro\u00dfz\u00f6ssen. Das ist nicht gerade der n\u00e4chste Weg, aber es ist sch\u00f6n ruhig und abgelegen und vor allem kennt man nicht alle. Man hat echt seine Ruhe. Da halten wir uns viel auf. Es ist nicht wie Leipzig, wo du jeden Tag losziehen und was erleben kannst.<\/p>\n<p>FRIEDER: Was arbeitest du eigentlich?<\/p>\n<p>ANNELIES: Man nennt den Beruf \u201eK\u00e4lberspezialistin\u201c. Ich bin im Au\u00dfendienst und demzufolge oft unterwegs. Ich mache alles rund um K\u00e4lberaufzucht: Ich verkaufe Milchaustauscher, K\u00e4lberkraftfutterpellets, also eigentlich alles, was K\u00e4lber brauchen. Stall-Einrichtung haben wir auch. Ich besuche und betreue Landwirte und suche neue Kunden. Da bin ich deutschlandweit unterwegs, weil wir nicht so viele Leute sind. Es ist eine holl\u00e4ndische Firma und wir wollen unser Deutschland-Gesch\u00e4ft ausbauen.<\/p>\n<p>SANDRA: Also bist du, wie deine Eltern, in der Landwirtschaft geblieben?<\/p>\n<p>ANNELIES: Ja, genau. Ich bin so aufgewachsen und dabeigeblieben, weil es mir echt Spa\u00df macht mit Tieren zu arbeiten.<\/p>\n<p>FRIEDER: Was machen deine Eltern genau?<\/p>\n<p>ANNELIES: Meine Eltern haben eine Milch GmbH. Da stehen ein paar K\u00fche in Dittmannsdorf. Dort bin ich, ziemlich abgelegen, auf dem Dorf gro\u00df geworden. Es war echt eine wundersch\u00f6ne Zeit. W\u00fcrde ich einmal Kinder kriegen, w\u00fcrde ich wollen, dass die auch auf dem Dorf gro\u00df werden. [\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][vc_column_text el_class=&#8221;vier-spalten-blocksatz&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1662463098539{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]FRIEDER: Du bist zwischen tausenden von K\u00fchen aufgewachsen? So mit Pferd, Lasso und Cowgirl-Hut?<\/p>\n<p>ANNELIES: Pferde hatten wir nicht. Mein Vater meinte immer, dass man mit Pferden nichts verdient. Wir wollten immer eins haben, aber da war kein Weg rein. K\u00fche sind doch auch sch\u00f6n. Das fetzt schon.<\/p>\n<p>SANDRA: Du konntest dich auf dem Betriebsgel\u00e4nde relativ frei bewegen, oder?<\/p>\n<p>ANNELIES: Ja, ich bin immer mit meinem sch\u00f6nen, roten Fahrrad mit R\u00fccktritt herumged\u00fcst und habe Vollbremsungen gemacht. Ich war echt ein Rowdy und war schon immer eine R\u00e4ubertochter. Ich habe die Leute auf Trab gehalten. Sandra wei\u00df, wovon ich spreche.<\/p>\n<p>SANDRA: K\u00f6nntest du dir vorstellen, den Betrieb von deinem Vater zu \u00fcbernehmen?<\/p>\n<p>ANNELIES: Das ist schwierig, aber ich bin ich nicht abgeneigt. Meine Eltern haben einen Massenbetrieb \u2013 ein Wort, das ich nicht mag. Die haben mehr als tausend K\u00fche. Die St\u00e4dter haben Vorurteile, dass es den K\u00fchen dort nicht gut geht, aber das ist nicht so. Wer sich entscheidet mit Tieren zu arbeiten, der will nat\u00fcrlich auch das Beste f\u00fcr seine Tiere. Eine Kuh gibt nur viel Milch, wenn es ihr gut geht. Eine Kuh, die st\u00e4ndig unter Stress steht und kein sch\u00f6nes Leben hat, gibt wenig Milch.Und ein Milchviehbetrieb m\u00f6chte Milch gewinnen, nat\u00fcrlich umso mehr, weil die Kosten hoch sind und die Erl\u00f6se gering. Die Landwirte sind oft die schwarzen Schafe, machen angeblich alles falsch und verpesten die Umwelt. Deswegen hat unser Vater uns aus dem Betrieb herausgehalten, weil er uns davor sch\u00fctzen will, dass es als Landwirt immer schwieriger wird. Abgeneigt bin ich trotzdem nicht, mir macht es halt Spa\u00df. Es ist ein Job mit wenig Freizeit. Die K\u00fche m\u00fcssen t\u00e4glich gemolken werden- da kann man nicht auf Stopp dr\u00fccken. Es ist, von den Arbeitszeiten her, anspruchsvoll.<\/p>\n<p>SANDRA: Hilfst du noch oft im Betrieb aus?<\/p>\n<p>ANNELIES: Mein Vater ist Kunde bei alpuro breeding, dem Unternehmen, f\u00fcr das ich arbeite. Deswegen bin ich ab und zu mal dort und betreue ihn. Wenn etwas Besonderes ansteht oder es Personalmangel gibt, helfe ich aber auch mal so aus. Am Wochenende bin ich oft bei meinen Eltern, und dann mache ich auch mit.<\/p>\n<p>SANDRA: Du bist die Einzige aus unserer Generation der Mittdrei\u00dfiger, die ich kenne, die in dem Bereich unterwegs ist.[\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][vc_column_text el_class=&#8221;vier-spalten-blocksatz&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1662463118724{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]ANNELIES: In meinem Freundeskreis ist es auch so. Da gibt es einen J\u00e4ger, aber das ist etwas anderes. Es gibt sonst niemanden, der auch auf dem Gebiet arbeitet. Fr\u00fcher war der Bauer noch etwas wert, weil die Leute wussten, dass sie ihr Essen von ihm kriegen. Heutzutage wissen die Leute nicht mal, dass es K\u00fche gibt und dass die nicht lila sind, sondern schwarz-wei\u00df oder braun. Die Leute gehen zu Edeka, Netto oder Lidl, kriegen dort ihr Essen und wissen eigentlich gar nicht, wo es herkommt und wer die meiste Arbeit damit hat. Jeder wei\u00df, dass Landwirtschaft harte Arbeit ist, und die Jugend will nicht viel machen, aber das meiste Geld verdienen. Da arbeitet keiner, weil er Leidenschaft daf\u00fcr aufbringt. Hauptsache wenig machen, vor dem Rechner sitzen und viel Geld kassieren. Der Meinung bin ich. Es gibt viele Ausnahmen, nicht alle sind so. Aber wer will denn heute noch Elektriker oder so etwas werden? Niemand will noch etwas mit den H\u00e4nden machen, wirklich arbeiten. Es gibt viele Akademiker, was in Ordnung ist. Aber wir brauchen auch Leute, die richtig mit den H\u00e4nden arbeiten.<\/p>\n<p>FRIEDER: Ein Freund von mir, der G\u00e4rtner in einer solidarischen Landwirtschaft ist, meinte, dass deutschlandweit lediglich ein Prozent der Erwerbst\u00e4tigen in der Landwirtschaft arbeiten. Das ist viel zu wenig. Das funktioniert nur, weil wir importieren.<\/p>\n<p>ANNELIES: Ja, das ist so. Aber die Landwirtschaft ist ein wahnsinnig wichtiger Faktor, sonst h\u00e4tten wir nichts zu essen. Wir leben nicht von Papier. Auch nicht von Luft und Liebe.<\/p>\n<p>SANDRA: Wer zieht denn heute noch nach Borna? Du warst auf dem Sportgymnasium in Leipzig und ich dachte, du bist jetzt ein Stadtkind. Dich hat es anscheinend zur\u00fcckgezogen. War die Stadt nichts f\u00fcr dich?<\/p>\n<p>ANNELIES: Leipzig war auch sch\u00f6n. Ich hatte eine wundersch\u00f6ne Zeit, das war echt aufregend. Ich habe mehr Sport gemacht als alles andere. Aber trotzdem, die Leute da, das ist halt anders. In Borna gibt es auch verschiedenste Leute, aber in Leipzig ist es bunt. Das war schon echt super. Ich konnte mir trotzdem nicht vorstellen, dort zu Leben. Wenn man jung ist, finde ich das in Ordnung. Ich war dort bis ich 20 Jahre alt war. Mit einer Familie k\u00f6nnte ich mir das nicht vorstellen. Meine Frau kommt aus Borna, ist hier gro\u00df geworden. F\u00fcr sie stand fest, dass sie hierbleibt, weil sie hier arbeitet. Deswegen sind wir hiergeblieben. Nicht weil Borna die sch\u00f6nste Stadt der Welt ist, sondern haupts\u00e4chlich, weil wir hier eine sch\u00f6ne Wohnung gefunden haben.<\/p>\n<p>SANDRA: Wie lernt man denn in Borna jemanden kennen? Ich finde es selbst in Leipzig schwierig. Benutzt du eine Dating-App?[\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][vc_column_text el_class=&#8221;vier-spalten-blocksatz&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1662463139560{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]ANNELIES: Es ist vor allen Dingen schwierig, wenn man \u2013 auch wenn ich das Wort echt nicht so mag, weil es abwertend klingt \u2013 lesbisch ist. Es steht niemandem auf der Stirn. Wo haben wir uns denn kennengelernt? Es gibt hier in der N\u00e4he ab und zu mal eine Party. Im Rittersaal (in Kitzscher) war irgendeine Veranstaltung und dort ist mir eine Frau aufgefallen. Ich habe sie angesprochen und so hatten wir das erste Mal Kontakt. Wie der Zufall es wollte, haben wir uns danach gef\u00fchlt jedes Wochenende gesehen. Wir haben dann angefangen zu schreiben, wie das heutzutage so ist. Fr\u00fcher hat man sich in einer Bar unterhalten oder in der Kneipe kennengelernt. Heute schreibt man auf Instagram. Wir haben uns auf s\u00e4mtlichen Veranstaltungen gesehen, das war echt verr\u00fcckt.<\/p>\n<p>SANDRA: W\u00fcrdest du sagen, dass dir Leipzig mit deinem Coming-out geholfen hat?<\/p>\n<p>ANNELIES: Dar\u00fcber habe ich mir nicht so viele Gedanken gemacht, aber ich glaube schon. Ich habe dort viele kennengelernt, die auf das gleiche Geschlecht stehen, ob schwul oder lesbisch. Im Sport ist das auch vertreten. Es ist vielleicht ein Klischee, aber gerade beim Fu\u00dfball gibt es viele. Ich bin damit in Kontakt gekommen, habe andere gesehen und das ein bisschen kennengelernt. Ich habe es dann dort f\u00fcr normal befunden. Davor bin ich in Kitzscher zur Schule gegangen, da war das nicht so gang und g\u00e4be. Mit 14 bin ich auf die Sportschule gewechselt. Ich habe mich erst mit 17 geoutet, weil ich es erst dann richtig gemerkt hatte. Vorher bin ich davon ausgegangen, dass ich \u201enormal\u201c war. Ich war damals mit meiner besten Freundin und habe gemerkt, dass ich beziehungstechnisch nicht viel mit M\u00e4nnern zu tun haben m\u00f6chte. Ich denke schon, dass die Zeit in Leipzig eine Rolle gespielt hat.<\/p>\n<p>FRIEDER: Was hat du f\u00fcr Sport gemacht?<\/p>\n<p>ANNELIES: Leichtathletik. Sp\u00e4ter war ich dann auf Speerwerfen spezialisiert. Es war auf alle F\u00e4lle eine coole Zeit. Man ist jeden Tag mit Schule und Sport besch\u00e4ftigt, hat ein straffes Programm und wei\u00df, was es bedeutet, diszipliniert zu sein. Das war schon echt gut. F\u00fcr mich gab es das nicht, nachmittags Computer zu spielen oder so etwas, da ging es zum Training.<\/p>\n<p>FRIEDER: Gab es dort einen krassen Druck?<\/p>\n<p>ANNELIES: Man hatte einen gewissen Leistungsdruck. Auf der Sportschule k\u00f6nnen halt nur die besten sein und wer seine Leistung nicht bringt, hat da nichts verloren. Tats\u00e4chlich sind diejenigen, die nicht mehr genug geleistet haben, dann von der Schule gegangen. Es sei denn du machst gerade dein Abi. So wirst du schon f\u00fcr das weitere Leben vorbereitet. Wenn du arbeitest, musst du auch deine Leistung bringen. Es war eine super Vorbereitung f\u00fcr mich.[\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][vc_column_text el_class=&#8221;vier-spalten-blocksatz&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1662463153736{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]FRIEDER: Warst du nach deiner Schulzeit noch sportkarrierem\u00e4\u00dfig aktiv?<\/p>\n<p>ANNELIES: Eher nicht. Mit dem Leistungssport habe ich im Abi-Jahrgang aufgeh\u00f6rt. Mir war klar, dass ich damit nicht reich werde. Ich war halt kein Profifu\u00dfballer. Ich musste mich entscheiden, weil es irgendwie weitergehen musste. Ich wollte unbedingt nach dem Abi f\u00fcr ein Jahr nach Australien. Das habe ich auch gemacht. Mir war klar, dass ich jeden Tag h\u00e4tte trainieren m\u00fcssen, und das w\u00e4re mir zu anstrengend gewesen. Ich war nicht zum Trainieren in Australien, sondern um etwas von der Welt zu entdecken. Deswegen habe ich mit dem Leistungssport aufgeh\u00f6rt und danach nie wieder intensiv Sport gemacht. Nicht t\u00e4glich, aber jetzt auch nicht zwei Mal die Woche. Das bereue ich ein bisschen, vielleicht mache ich das irgendwann nochmal. Wenn man seit Kindheit an so viel Sport gemacht hat, geh\u00f6rt es zu einem, und man braucht das als Ausgleich.<\/p>\n<p>FRIEDER: Wie geht&#8217;s dir mit deiner Homosexualit\u00e4t zur\u00fcck in Borna, wenn ich so direkt fragen darf?<\/p>\n<p>ANNELIES: Pers\u00f6nlich habe ich in Borna nichts Negatives erfahren. Ich habe mich auch schon vor langer Zeit geoutet \u2013 vor \u00fcber zehn Jahren. Da hatte auf jeden Fall der ein oder andere etwas dagegen oder fand das nicht in Ordnung. Die meinten dann, das w\u00e4re nicht normal, oder so etwas h\u00e4tte es fr\u00fcher nicht gegeben. Solche S\u00e4tze habe ich des \u00d6fteren zu h\u00f6ren bekommen. Das ist Quatsch! Es war fr\u00fcher einfach nicht erlaubt, wurde eine Zeit lang als Krankheit abgestempelt, und die Leute hatten Angst zuzugeben und das zu f\u00fchlen, was sie wirklich f\u00fchlten. Homosexualit\u00e4t ist keine Modeerscheinung, sondern es steckt einfach in einem drin. Das hat es schon immer gegeben, es waren einfach andere Zeiten.<\/p>\n<p>SANDRA: W\u00fcrdest du sagen, dass es queeres Leben in Borna gibt?<\/p>\n<p>ANNELIES: Naja, vielleicht in Gnandorf. Da sieht man echt viele, aber das ist nicht unbedingt mein Milieu. Nein, ich w\u00fcrde nicht sagen, dass es das in Borna gibt. In meinem Freundeskreis in Borna gibt es niemanden, die auch lesbisch ist. Schwule kenne ich auch keine. Auf der Stra\u00dfe sieht man ab und zu welche, aber es ist jetzt nicht so wie in Leipzig. Da gibt es Bars und Veranstaltungen f\u00fcr Homosexuelle. Sowas gibt es hier nicht.<\/p>\n<p>FRIEDER: Fehlt dir das?<\/p>\n<p>ANNELIES: Tats\u00e4chlich finde ich das ganz gut. Ich habe damit kein Problem. Ich war nie so, dass ich nur mit Homosexuellen abgehangen habe. Es gibt Kreise, die nur mit Homos zu tun haben. Das ist nicht mein Fall. Ich mag das \u00dcbertriebene eigentlich nicht so. Das ist mein Privatleben und ich muss das nicht mit allen teilen. Ich muss auch nicht nur mit Leuten abh\u00e4ngen, die das mit mir teilen. Ich habe damit kein Problem, dass ich hier so allein damit bin. [\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][vc_column_text el_class=&#8221;vier-spalten-blocksatz&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1662463171144{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]SANDRA: Zeigt ihr das auf der Stra\u00dfe? W\u00fcrdet ihr euch auf dem Stadtfest k\u00fcssen, umarmen oder H\u00e4ndchen halten? Oder seid ihr eher vorsichtig, weil vielleicht doch mal ein Spruch kommt?<\/p>\n<p>ANNELIES: Wir machen das sicherlich nicht \u00fcbertrieben, aber wir laufen h\u00e4ndchenhaltend durch die Stra\u00dfen. Man wird manchmal angel\u00e4chelt. Wir haben nichts zu verstecken. Wir lieben uns genauso, wie Heterop\u00e4rchen sich lieben. Warum sollten wir nicht H\u00e4ndchen halten d\u00fcrfen. Ich w\u00fcrde meine Frau nicht abknutschen, das f\u00e4nde ich \u00fcbertrieben, das geh\u00f6rt nach Hause. Ein K\u00fcsschen gibts aber auf jeden Fall. Wir verstecken uns nicht. Es ist nichts Schlimmes und kein Verbrechen. Wir stehen zu dem, was wir sind und wie wir f\u00fchlen.<\/p>\n<p>SANDRA: Ich w\u00fcrde mir w\u00fcnschen, dass es sichtbarer wird. Wir wollten eine queere Person mit in der Interview-Reihe haben und ich habe dann angefangen herumzufragen. Aus meiner Schulzeit kenne ich queere Menschen, aber alle haben Borna vor dem Hintergrund den R\u00fccken gekehrt, dass sie sich nicht so ganz ausleben konnten. Vielleicht auch, weil sie Angst hatten mit einem gleichgeschlechtlichen Partner oder Partnerin durch die Stra\u00dfen zu gehen. Wir haben mit einer Person gesprochen, die verdeckt in Borna lebt, hier mit ihrer Beziehung zusammenlebt, es aber nicht \u00f6ffentlich macht, weil sie Angst hat. Es ist so sch\u00f6n, dass es auch Menschen gibt, die sagen, dass sie nichts zu verstecken haben.<\/p>\n<p>ANNELIES: Die Leute, die etwas dagegen haben, k\u00f6nnen das haben- das st\u00f6rt mich nicht. Ich lebe mein Leben, so wie ich es m\u00f6chte. Ich bin nicht mit jemandem zusammen, nur weil es der Norm entspricht. Ich zeige mich und habe keine Angst vor irgendwelchen Leuten. Ich finde es schlimm, dass es noch P\u00e4rchen gibt, die Angst haben, das \u00f6ffentlich zu zeigen. Jeder soll doch zeigen, was er liebt, mit wem er zusammen ist. Das ist echt schade.<\/p>\n<p>SANDRA: Ich finde es auch wichtig, weil es Vorbilder schafft. Es ist wichtig, dass junge Menschen nicht nur das Cis-Hetero-Bild kennenlernen, sondern lernen, dass es Verschiedenes gibt und dass sie ihre sexuelle Orientierung selbst irgendwann f\u00fcr sich entdecken k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>ANNELIES: Manche Kinder kennen das gar nicht. Da scheitert es schon bei der Erziehung. Es gibt sicherlich einige Eltern, die sich nicht vorstellen k\u00f6nnten, dass ihre Kinder homosexuell leben. Ich finde es trotzdem wichtig, sie dar\u00fcber aufzukl\u00e4ren, dass es das gibt, es v\u00f6llig normal, nichts Schlimmes und keine Krankheit ist. Ich finde es wichtig, dass man das macht. Wir sind im 21. Jahrhundert.<\/p>\n<p>FRIEDER: Auch: zu verstehen, dass Homosexualit\u00e4t von innen kommt und keine Projektion von au\u00dfen ist. [\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][vc_column_text el_class=&#8221;vier-spalten-blocksatz&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1662463201920{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]ANNELIES: Genau, man f\u00fchlt es. Ich habe einfach gemerkt, dass ich es mit M\u00e4nnern nicht habe. Ich f\u00fchle mich zu Frauen hingezogen. Das ist nicht so, weil ich es m\u00f6chte oder weil ich davon \u00fcberzeugt bin, sondern weil ich so f\u00fchle. Bei manchen ist es von Anfang an so, andere verlieben sich in einen Menschen, egal welches Geschlecht. Es gibt verschiedene Sachen. Einigen wurde es wirklich in die Wiege gelegt. Ich finde es schade und schlimm, dass man im 21. Jahrhundert Angst haben muss, sich zu zeigen, oder sich verstecken muss.<\/p>\n<p>SANDRA: W\u00fcrdest du auf einen Christopher-Street-Day in Borna gehen, wenn es ihn g\u00e4be?<\/p>\n<p>ANNELIES: Ja, ich habe nichts zu verbergen, ich wohne hier. Man muss f\u00fcr das einstehen, was man macht. Ich verstecke mich nicht, reize es zwar auch nicht aus, aber ich werde nicht mit einem Meter Abstand neben meiner Frau laufen.<\/p>\n<p>FRIEDER: Wie geht es dir in Borna?<\/p>\n<p>ANNELIES: Ich bin nicht in Borna, weil ich die Stadt total liebe. Ich finde es nicht schrecklich, lebe hier aber auch nicht wegen der Stadt. Es gibt sch\u00f6ne Ecken und genug normale Menschen. F\u00fcr junge Menschen \u2013 ich bin ja auch erst 28 \u2013 gibt es hier nicht so viel, dass man sagen w\u00fcrde, man lebt in Borna, weil man hier viel erleben kann. Wir haben hier mehrere Fitnessstudios, aber freizeit-technisch? Klar gibt es hier Vereine und so, aber wenn man am Wochenende etwas unternehmen will, muss man nach Leipzig fahren. Haupts\u00e4chlich bin ich wegen der Wohnung und meiner Frau hier.<\/p>\n<p>SANDRA: Was w\u00fcrdest du dir f\u00fcr Borna w\u00fcnschen?<\/p>\n<p>ANNELIES: Ich denke, dass man etwas f\u00fcr die Jugend machen m\u00fcsste. Wenn ich durch Borna laufe, sehe ich, wie die Leute in der Bushaltestelle sitzen und ein Bier nach dem anderen trinken. Das finde ich einfach schade. Die Jugend geht hier ein bisschen verloren. Die Jugendlichen suchen sich irgendwelche Ecken, wo sie sich treffen k\u00f6nnen, weil sie vielleicht kein stabiles Zuhause haben. Sie treffen sich an \u00f6ffentlichen Pl\u00e4tzen und machen da Bl\u00f6dsinn. Was sie sich f\u00fcr Borna w\u00fcnschen, m\u00fcsste man eher die fragen, die das betrifft.<\/p>\n<p>SANDRA: Gibt es etwas, das dir fehlt?<\/p>\n<p>ANNELIES: Mir fehlt in Borna nichts. Ich habe meine Sturm-und-Drang-Zeit gelebt. Meine Party-Zeit habe ich in Leipzig gelebt und bin jetzt eher ruhiger. Mir fehlt nichts: Ich habe ein sch\u00f6nes Zuhause und einen Garten. Ich bin hier gl\u00fccklich. [\/vc_column_text][mk_padding_divider size=&#8221;80&#8243;][\/vc_column][\/mk_page_section][vc_row][vc_column][vc_column_text css=&#8221;.vc_custom_1643311707101{margin-top: 80px !important;margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]\n<h4><a href=\"https:\/\/unofficial.pictures\/geboren-gekommen-geblieben\/\">Portr\u00e4ts einer diversen Stadt: \u201egeboren, gekommen, geblieben\u201c<\/a><\/h4>\n[\/vc_column_text][mk_padding_divider][\/vc_column][\/vc_row]\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u0639\u0641\u0648\u0627\u060c \u0647\u0630\u0647 \u0627\u0644\u0645\u062f\u062e\u0644\u0629 \u0645\u0648\u062c\u0648\u062f\u0629 \u0641\u0642\u0637 \u0641\u064a Deutsch.[mk_page_section padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column width=&#8221;1\/2&#8243;][mk_padding_divider size=&#8221;200&#8243; visibility=&#8221;hidden-sm&#8221;][vc_column_text align=&#8221;right&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1662463225835{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;] Annelies geboren 1994, arbeitet als K\u00e4lberspezialistin und ist frisch verheiratet [\/vc_column_text][vc_btn title=&#8221;zur\u00fcck zur \u00dcbersicht&#8221; style=&#8221;classic&#8221; shape=&#8221;square&#8221; color=&#8221;default&#8221; align=&#8221;right&#8221; link=&#8221;url:https%3A%2F%2Funofficial.pictures%2Fgeboren-gekommen-geblieben%2F|title:%5B%3Ade%5DPortraits%20einer%20diversen%20Stadt%3A%20%E2%80%9Egeboren%2C%20gekommen%2C%20geblieben%E2%80%9C%5B%3A%5D&#8221; el_class=&#8221;button-back-to-the-exhibition&#8221;][\/vc_column][vc_column width=&#8221;1\/2&#8243;][mk_padding_divider size=&#8221;100&#8243; visibility=&#8221;hidden-sm&#8221;][vc_single_image image=&#8221;2885&#8243; img_size=&#8221;400&#215;600&#8243; alignment=&#8221;right&#8221;][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][mk_padding_divider size=&#8221;80&#8243;][vc_column_text el_class=&#8221;vier-spalten-blocksatz&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1662463083126{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]FRIEDER: Seit wann [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":2639,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-2884","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/unofficial.pictures\/ar\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2884","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/unofficial.pictures\/ar\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/unofficial.pictures\/ar\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/unofficial.pictures\/ar\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/unofficial.pictures\/ar\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2884"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/unofficial.pictures\/ar\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2884\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2887,"href":"https:\/\/unofficial.pictures\/ar\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2884\/revisions\/2887"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/unofficial.pictures\/ar\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/unofficial.pictures\/ar\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2884"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}