{"id":2808,"date":"2022-05-20T18:07:04","date_gmt":"2022-05-20T16:07:04","guid":{"rendered":"https:\/\/unofficial.pictures\/?page_id=2808"},"modified":"2022-05-20T18:10:05","modified_gmt":"2022-05-20T16:10:05","slug":"oksana-sulyma","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/unofficial.pictures\/en\/geboren-gekommen-geblieben\/oksana-sulyma\/","title":{"rendered":"(Deutsch) Oksana Sulyma"},"content":{"rendered":"<p class=\"qtranxs-available-languages-message qtranxs-available-languages-message-en\">Sorry, this entry is only available in <a href=\"https:\/\/unofficial.pictures\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2808\" class=\"qtranxs-available-language-link qtranxs-available-language-link-de\" title=\"Deutsch\">Deutsch<\/a>.<\/p><div class=\"wpb-content-wrapper\">\n[mk_page_section full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column width=&#8221;1\/4&#8243;][\/vc_column][vc_column width=&#8221;1\/4&#8243;][mk_padding_divider size=&#8221;200&#8243; visibility=&#8221;hidden-sm&#8221;][vc_column_text align=&#8221;right&#8221; el_class=&#8221;a_font-22&#8243; css=&#8221;.vc_custom_1653062087159{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]\n<p class=\"a_font-22\"><strong>Oksana Sulyma<\/strong><\/p>\n[\/vc_column_text][vc_btn title=&#8221;zur\u00fcck zur \u00dcbersicht&#8221; style=&#8221;classic&#8221; shape=&#8221;square&#8221; color=&#8221;default&#8221; align=&#8221;right&#8221; link=&#8221;url:https%3A%2F%2Funofficial.pictures%2Fgeboren-gekommen-geblieben%2F|title:%5B%3Ade%5DPortraits%20einer%20diversen%20Stadt%3A%20%E2%80%9Egeboren%2C%20gekommen%2C%20geblieben%E2%80%9C%5B%3A%5D&#8221; el_class=&#8221;button-back-to-the-exhibition&#8221;][\/vc_column][vc_column width=&#8221;1\/4&#8243;][mk_padding_divider size=&#8221;100&#8243; visibility=&#8221;hidden-sm&#8221;][vc_single_image image=&#8221;2809&#8243; img_size=&#8221;400&#215;600&#8243; add_caption=&#8221;yes&#8221;][\/vc_column][vc_column width=&#8221;1\/4&#8243;][mk_padding_divider size=&#8221;100&#8243; visibility=&#8221;hidden-sm&#8221;][vc_single_image image=&#8221;2810&#8243; img_size=&#8221;400&#215;600&#8243;][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][mk_padding_divider size=&#8221;80&#8243;][vc_column_text el_class=&#8221;vier-spalten-blocksatz&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1653062570772{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]FRIEDER: Wo bist du aufgewachsen, Oksana?<\/p>\n<p>OKSANA: Ich bin in der Ukraine aufgewachsen. Zwischen Charkiw und Kyjiw gibt es die wundersch\u00f6ne Stadt Poltawa. Da in der Umgebung bin ich aufgewachsen. Sp\u00e4ter habe ich an der Universit\u00e4t Poltawa studiert und dann auch dort unterrichtet.<\/p>\n<p>FRIEDER: Welches Fach hast du unterrichtet?<\/p>\n<p>OKSANA: Soll ich ehrlich sein? Deutsche Kinderliteratur. Das war ein Fach f\u00fcr die Erzieher*innen, die Deutsch unterrichten. Wir haben verschiedene deutsche Gedichte und Lieder gelernt und Literatur gelesen. Also alles, was als erste W\u00f6rter mit den Kleinkindern im Unterricht geeignet ist. Ich habe ein bisschen Deutsch f\u00fcr Anf\u00e4nger unterrichtet, danach habe ich promoviert und mich um ein Stipendium beworben. Ich habe zwei Semester in Deutschland verbracht, nachdem ich ein Stipendium vom Diakonischen Werk bekommen hatte. Das ist schon lange her, fast zwanzig Jahre. 2005 war ich in N\u00fcrnberg. Dann bin ich zur\u00fcck in die Ukraine gekommen, habe promoviert und an der Nationalen P\u00e4dagogischen Akademie als Wissenschaftlerin gearbeitet. Mein Fach war Komparativistik und vergleichende P\u00e4dagogik. Ich habe das deutsche und das ukrainische Bildungssystem untersucht. Wir haben immer geschaut, was es Gutes bei euch gibt und was man bei uns verbessern kann. 2007 bin ich nach Irpin gezogen, weil ich damals schon verheiratet war und mein Mann urspr\u00fcnglich aus Irpin kommt. Damals habe ich von dem neuen jungen B\u00fcrgermeister, der 2014 die Wahlen gewonnen hat, ein Angebot bekommen, bei der Stadt zu arbeiten, weil ich als Wissenschaftlerin an der Akademie schon Jugendaustauschprojekte gemacht habe. Ich habe dann mit Jugendlichen aus Irpin und aus Dresden ein Austauschprojekt gemacht, das auch medial begleitet wurde. Dann habe ich das Angebot bekommen, ein internationales Projekt zu leiten. Das Thema durfte ich selbst ausw\u00e4hlen. Weil ich P\u00e4dagogin bin, habe ich ein Bildungsprojekt vorgeschlagen. Das war damals ein wichtiges Thema, weil in der Ukraine ein neues Bildungsgesetz mit neuen Ausbildungsm\u00f6glichkeiten eingef\u00fchrt wurde, das die Grundschullehrer*innen ganz neu unterrichten sollten. Das System war mir schon bekannt, denn das gab es schon in Deutschland. Deswegen haben wir Borna angeboten, ein Bildungsprojekt zu starten. Unsere Lehrer*innen und Schulleiter*innen gingen nach Borna, um dort ein einw\u00f6chiges Praktikum an der Schule zu machen. Sp\u00e4ter kam eine Gruppe von deutschen Lehrer*innen nach Irpin. Da tauschten wir unsere Kenntnisse und Erfahrungen aus. Am Ende gab es eine tolle p\u00e4dagogische Konferenz mit mehr als hundertf\u00fcnfzig Teilnehmer*innen. Das war ein echter Erfolg. Als die deutschen Lehrer*innen zu uns kamen, haben unsere Teilnehmer*innen gezeigt, was sie aus Borna mitgenommen und in der Ukraine umgesetzt haben. Das war wirklich hervorragend. Die deutschen Lehrer*innen haben gefragt, wie wir das geschafft haben. Es gab auch eine Pr\u00e4sentation des Schulleiters: Dreizehn Ver\u00e4nderungen an der Schule Nummer dreizehn. Wir haben in zwei Monaten viel an der Schule in Irpin ver\u00e4ndert.[\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][mk_padding_divider size=&#8221;80&#8243;][vc_column_text el_class=&#8221;vier-spalten-blocksatz&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1653062594632{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]SANDRA: Kannst du mal ein Beispiel nennen?<\/p>\n<p>OKSANA: Fr\u00fcher sah die Schule sehr streng aus, wie aus Sowjetzeiten. Graue Korridore, Klassenzimmer voller Tabellen, keine bunt bemalten W\u00e4nde oder so etwas. Dann wurden ganz tolle bunte B\u00e4nke in den Schulhof gestellt und ein Spielplatz gebaut. Sogar die Toiletten wurden renoviert. Wir sch\u00e4men uns daf\u00fcr: fr\u00fcher war es so, dass es in den Toiletten zwar Zwischenw\u00e4nde gab, aber keine T\u00fcren. Das ging so nicht mehr. Der Speisesaal wurde auch renoviert. Die Tische waren fr\u00fcher grau und jetzt sind sie bunt. Dann haben sie auch einen Parkplatz f\u00fcr Fahrr\u00e4der gebaut. Es ging nicht nur um die Methodik des Unterrichts \u2013 da gab es auch viele Ver\u00e4nderungen. Aber insgesamt wurde darauf Wert gelegt, dass die Schule mehr wie ein Zuhause f\u00fcr die Kinder wird. Das war das Wichtigste an diesem Projekt. Sie haben innerhalb von zwei Jahren viele Ideen realisiert.<\/p>\n<p>Die ganze Stadt hat sich langsam ver\u00e4ndert. Fast achtzig Prozent der Einwohner*innen sind stolz auf die Stadt. Es gab so viele wichtige Ver\u00e4nderungen. Beispielsweise gab es f\u00fcr Familien mit Kindern damals kaum Spielpl\u00e4tze, nur in den Kinderg\u00e4rten gab es welche. Jetzt haben wir fast in jedem Hof einen Spielplatz, jede Gr\u00fcnanlage hat gro\u00dfe Spielpl\u00e4tze. Wir hatten keine Orte, wo man Rad fahren, auf der Bank sitzen, Kaffee mit Freunden trinken oder einfach nur die Sonne genie\u00dfen konnte. Innerhalb von zwei Jahren wurden in der Stadt mehr als siebzehn Gr\u00fcnanlagen angelegt. Irpin ist eine sehr gr\u00fcne Stadt. Wir haben auch einen Fluss, der hei\u00dft auch Irpin. Die Stadt wurde nach dem Fluss benannt. Die Stadt ist wirklich toll. Es ist eine europ\u00e4ische Stadt. Unser ehemaliger B\u00fcrgermeister hat viele L\u00e4nder besucht und immer neue Ideen in die Stadt gebracht. Nat\u00fcrlich haben wir viele Dinge, die wir noch ver\u00e4ndern, umbauen oder neu machen m\u00fcssen. Aber wir haben schon Vieles gemacht w\u00e4hrend der f\u00fcnf Jahre seiner Amtszeit. Jetzt haben wir einen neuen B\u00fcrgermeister aus seiner Partei, einen Nachfolger. Deswegen gehen wir weiter in die richtige Richtung. Wir m\u00f6chten unsere Stadt weiterentwickeln und versch\u00f6nern.<\/p>\n<p>FRIEDER: Wie ist die Situation gerade?<\/p>\n<p>OKSANA: Sehr grausam. Viele Privath\u00e4user sind zerst\u00f6rt. Fast alle Schulen sind entweder v\u00f6llig zerst\u00f6rt oder sehr besch\u00e4digt. Kinderg\u00e4rten und Kulturh\u00e4user sind auch fast v\u00f6llig zerst\u00f6rt. Bei der Klinik gibt es auch mehrere Besch\u00e4digungen. Aber bei uns gibt es so ein Sprichwort: \u201eMan soll die H\u00e4nde nicht ruhen lassen.\u201c Wir m\u00f6chten unsere Stadt wieder aufbauen. Neben dem Milit\u00e4r, das die Stadt gerade von Minen befreit, r\u00e4umen Freiwillige die Stadt auf.<\/p>\n<p>SANDRA: Ist es f\u00fcr dich jetzt so, als ob du kein Zuhause hast? [\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][mk_padding_divider size=&#8221;80&#8243;][vc_column_text el_class=&#8221;vier-spalten-blocksatz&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1653062607104{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]OKSANA: Vor einigen Wochen habe ich die Nachricht bekommen, dass ich kein Zuhause mehr habe. Mein Haus ist v\u00f6llig zerst\u00f6rt. Ich habe viel geweint. F\u00fcr mich ist es unvorstellbar. Ich h\u00e4tte nie gedacht, dass ich so etwas je erlebe. Es ist schwer vorstellbar, wie man sich f\u00fchlt. Wenn dir jemand sagt, dass alles was du jetzt noch hast, in einen Rucksack passt \u2013 was w\u00fcrdest du dann machen? Wie w\u00fcrdest du dich dann f\u00fchlen? Was kann man den Kindern sagen, wenn sie fragen: \u201cMama, wann gehen wir zur\u00fcck nach Hause?\u201d Das ist wirklich schwierig. Die Nachbarn vier H\u00e4user weiter haben gesehen, als die Rakete einschlug und explodiert ist. Die haben alles gesehen und haben uns sofort eine Nachricht geschickt, dass es jetzt unser Haus nicht mehr gibt. Danach konnten sie nicht auf die Stra\u00dfe. Sie durften nicht raus, weil die Russen schon auf der Stra\u00dfe waren. Sie hatten keine Netzverbindung, deswegen konnten sie uns keine Nachrichten mehr schicken. Es hat sich dann herausgestellt, dass die Rakete in die Garage vor dem Haus eingetroffen war. Das Haus steht, nur das Dach ist besch\u00e4digt und die Fenster und T\u00fcren sind alle kaputt. Aber das kann man alles reparieren. Das Wichtigste steht noch.<\/p>\n<p>FRIEDER: Immerhin das.<\/p>\n<p>OKSANA: Ja. Aber wisst ihr, du freust dich und dann denkst du aber sofort daran, dass der Krieg noch nicht zu Ende ist und du noch nicht wei\u00dft, ob du dich nicht zu fr\u00fch gefreut hast. Ob sie wieder zur\u00fcckkommen oder nicht. Ich m\u00f6chte unbedingt alles wieder in voller Pracht vorfinden. Wir werden unsere Stadt wieder aufbauen. Fast f\u00fcnfundneunzig Prozent sind evakuiert aus der Stadt, aber das war wirklich schwer.<\/p>\n<p>SANDRA: Wo genau liegt Irpin eigentlich?<\/p>\n<p>OKSANA: Sieben Kilometer n\u00f6rdlich von Kyjiw. Im Winter haben wir auch Schnee. Eine sehr sch\u00f6ne Stadt. Am Fluss haben wir sch\u00f6ne Orte. Das m\u00f6chte ich alles wieder so vorfinden.<\/p>\n<p>FRIEDER: Wie bist du nach Borna gekommen?<\/p>\n<p>OKSANA: Ich bin in Irpin f\u00fcr internationale Beziehungen zust\u00e4ndig. Wir haben Partnerst\u00e4dte in Polen, Lettland, Georgien, den Vereinigten Staaten und in Deutschland. Am ersten Tag des Krieges hat mir der B\u00fcrgermeister deutlich gesagt, dass ich mich weiter darum k\u00fcmmern muss, wenn uns jemand aus den Partnerst\u00e4dten Hilfe anbietet. Und dass ich zust\u00e4ndig bin f\u00fcr die Evakuierung von Frauen und Kindern in die Partnerst\u00e4dte, wenn es n\u00f6tig ist. Simone Luedtke hat angerufen und gesagt, wenn wir Hilfe brauchen, m\u00fcssen wir das nur sagen. Sie hat angeboten, dass die Frauen nach Borna kommen k\u00f6nnen. Wir hatten auch ein Angebot aus Alytus, das ist unsere Partnerstadt in Lettland. Dann noch aus Pisz in Polen. Auf Facebook hat unser B\u00fcrgermeister Oleksandr Markuschyn geschrieben, dass die Leute alle Informationen unter meiner Nummer bekommen k\u00f6nnen. [\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][mk_padding_divider size=&#8221;80&#8243;][vc_column_text el_class=&#8221;vier-spalten-blocksatz&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1653062626804{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]Ab diesem Tag habe ich viele tausende Geschichten, Bitten und Fragen geh\u00f6rt und beantwortet. Ich pers\u00f6nlich und meine Familie sind am vierten Tag des Krieges evakuiert worden. Das war schrecklich, unter Sch\u00fcssen. Wir sind mit dem Auto aus der Stadt gekommen, aber die Situation war schon ziemlich hart. Wir sind zu Freunden in die Westukraine gefahren. Per Telefon war ich die ganze Zeit im Dienst. Ich habe die Leute per Telefon begleitet und koordiniert und Fragen beantwortet. Sie wollten wissen, wie sie nach Polen, Lettland oder Deutschland kommen, wo man \u00fcbernachten kann, wie viele Personen mitkommen d\u00fcrfen, welche Papiere gebraucht werden oder \u00fcber welche Grenze es am schnellsten geht und so weiter. Ich habe st\u00e4ndig mit meinem Kollegen Hans Robert Scheibe aus Borna telefoniert und ihm alle Unterlagen und Papiere geschickt und er hat mir die Einladungen f\u00fcr die Leute geschickt. Was die Leute hier in Borna gemacht haben, ist unglaublich. Die Stadt hat ein Konto er\u00f6ffnet f\u00fcr Spenden f\u00fcr die Menschen aus Irpin. Es gab sehr viele Freiwillige, die bis zur polnisch-ukrainischen Grenze kamen und unsere Frauen mit den Kindern abgeholt und nach Borna gebracht haben. Es gibt viele Leute, die mithelfen bei der Verteilung von Kleidung und Lebensmitteln und so weiter. Die ersten N\u00e4chte kamen die meisten Leute in Pensionen oder Hotels unter. Wir haben die Leute ins Hotel \u201cDrei Rosen\u201d oder in die Pension vom Bierst\u00fcb\u2019l und in die Altstadtpension gebracht. In der ersten Zeit wurde auch noch nach G\u00e4stewohnungen und Sozialwohnungen gesucht. Dann hat mir Simone Luedtke klar gesagt, dass ich nach Borna kommen soll, weil meine Hilfe hier gebraucht wird. An dem Ort, wo wir in der Ukraine waren, war es auch nicht ruhig. Es gab mehrere Luftattacken.<\/p>\n<p>FRIEDER: In der Westukraine?<\/p>\n<p>OKSANA: Ja, genau, das war in Lutsk. Dort gab es auch Luftangriffe bei der Tankstelle und dem Transportflughafen. Jeden Tag h\u00f6rst du den Fliegeralarm und dann musst du so schnell wie m\u00f6glich mit den Kinder in den Keller laufen. Am Abend darfst du kein Licht anmachen. Das war nat\u00fcrlich nicht so stressig wie in Irpin, wo man jeden Tag ohne Licht, ohne Wasser und Essen im Keller verbringen musste. Aber trotzdem hab ich damals verstanden, dass ich viel besser helfen kann, wenn ich hierher komme, als aus der Ferne. Ich muss hier immer telefonieren und abkl\u00e4ren, wer wohin gehen soll. Ich gehe ins Hotel und beantworte alle Fragen der Leute und zeige ihnen, wo was ist und wie was funktioniert. Ich helfe beim Landratsamt, bei den \u00c4rzten, in der Schule und \u00fcberall, wo es m\u00f6glich ist. Zum Beispiel hat mich neulich eine Frau sp\u00e4t in der Nacht angerufen und gesagt, dass es ihrem Kind schlecht geht, und gefragt, wie man einen Notarzt anrufen kann. Der Notarzt sagte, er komme nicht. Dann bin ich mitten in der Nacht mit dem Kind und der Mutter in die Sana Klinik.<\/p>\n<p>FRIEDER: Voll die wichtige Arbeit, die du da machst. Wie viele Leute sind schon hierher gekommen? [\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][mk_padding_divider size=&#8221;80&#8243;][vc_column_text el_class=&#8221;vier-spalten-blocksatz&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1653062657993{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]OKSANA: Schon mehr als hundertzwanzig Menschen aus Irpin. Es sind vielleicht noch mehr Leute aus der Ukraine, aber im Rahmen unseres Programms waren es mehr als hundertzwanzig. Vorgestern ist noch eine Familie aus f\u00fcnf Personen und eine Frau mit Kind gekommen. Hier k\u00f6nnen sich die Kinder ein bisschen beruhigen. Nat\u00fcrlich haben wir auch hier Probleme. Wenn wir Flugzeuge h\u00f6ren, bekommen wir Angst, weil wir nicht wissen, was dann passiert. Jeden Mittwoch pr\u00fcft man in in Sachsen die Sirenen. Das wusste ich fr\u00fcher nicht. Als ich sie zum ersten Mal geh\u00f6rt habe, habe ich mich gefragt, was eigentlich los ist. Ich war bei einem Termin in der Sana Klinik, da war auch die Oberb\u00fcrgermeisterin Simone Luedtke dabei. Sie hat gesagt: \u201cBleib ruhig, es ist alles okay! Es wird nur die Sirene gepr\u00fcft.\u201d Ich musste dann gleich in die WhatsApp-Gruppe schreiben, dass die Leute sich beruhigen k\u00f6nnen. Die waren schon beunruhigt und wussten nicht, was sie machen sollen. Das ist wirklich schwierig, weil du nicht wei\u00dft, ob es hier sicher ist oder nicht. Sicherheit ist so zerbrechlich.<\/p>\n<p>SANDRA: Du hast ja den St\u00e4dteaustausch schon lange mitgemacht. H\u00e4ttest du je gedacht, dass St\u00e4dtepartnerschaft auch so etwas bedeuten kann?<\/p>\n<p>OKSANA: Ich bin mir sicher, dass das nur wegen unserer Zusammenarbeit in der St\u00e4dtepartnerschaft funktioniert hat. Wir haben nicht nur Projekte gemacht. Es gab viele Teilnehmer*innen, die sich gegenseitig kennengelernt und angefreundet haben und in Kontakt geblieben sind. Wir haben sogar eine WhatsApp-Gruppe mit den Teilnehmenden aus Borna \u2013 Feuerwehrleute und Lehrer*innen. Als ich noch in der Ukraine war, haben wir uns immer irgendwelche Nachrichten geschickt und uns auch gegenseitig zum Geburtstag gratuliert. Wir haben auch sehr viel mit der Freiwilligen Feuerwehr Borna zusammen gearbeitet. Bei uns gibt es sonst nur die Berufsfeuerwehr. Im letzten Jahr gab es gesetzliche \u00c4nderungen, dass die St\u00e4dte eine Freiwillige Feuerwehr gr\u00fcnden d\u00fcrfen. Irpin hat das als erste Stadt in der Ukraine umgesetzt. Wir haben dann eine Drehleiter von der Freiwilligen Feuerwehr Borna geschenkt bekommen. Dieses Fahrzeug hilft jetzt und hat schon mehrere Leute gerettet. Das ist seit 2017 eine echte Freundschaft. Wir f\u00fchlen uns hier wie zu Hause bei Freunden. Deswegen hat die B\u00fcrgermeisterin klar gesagt, dass f\u00fcr die Leute aus Irpin keine Sporthalle und kein Zeltlager organisiert werden soll. Dass sie alles tun m\u00f6chte, damit die Leute sich hier zu Hause f\u00fchlen. Die bekommen jetzt Sozialwohnungen, wo sie zur Ruhe kommen k\u00f6nnen. Wenn noch mehr Leute kommen, dann k\u00f6nnte das schwieriger werden. Die irpinische Gemeinschaft freut sich so riesig, dass sie hier echte Freunde gefunden haben. Wir haben schon viele Veranstaltungen und Angebote gehabt. Zum Beispiel gab es einen Termin in der Stadtbibliothek, im Stadtkulturhaus einen f\u00fcr die Kinder oder eine Veranstaltung von der Freiwilligen Feuerwehr Borna f\u00fcr die Frauen von der Berufsfeuerwehr aus Irpin. Das war wirklich ber\u00fchrend. Die Leute wissen, dass sie nicht im Stich gelassen werden. Dass die Leute sich wirklich daf\u00fcr interessieren, wie es uns geht und was uns fehlt. [\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][mk_padding_divider size=&#8221;80&#8243;][vc_column_text el_class=&#8221;vier-spalten-blocksatz&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1653062669097{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]Vor kurzem gab es einen gro\u00dfen Basar. Da konnten die Familien verschiedene Sachen f\u00fcr sich aussuchen. Kinderkleidung zum Beispiel oder saubere Gebrauchtwaren und Lebensmittel. Das ist wirklich sch\u00f6n. Sehr viel wird hier in Borna f\u00fcr uns gemacht. Wir haben auch Leute in Lettland, da bekommen sie auch Unterst\u00fctzung. Dort gibt es ein Wohnheim mit mehr als dreihundert Pl\u00e4tzen f\u00fcr Ukrainer. Sie bekommen auch finanzielle Hilfe von der Stadt und eine Arbeitserlaubnis. In Polen finden die Menschen Unterkunft in Familien oder bekommen Sozialwohnungen angeboten. Andere Irpiner sind in der Ukraine geblieben, bei Verwandten in der Westukraine in sichereren Orten. Der Weg ins Ausland ist wirklich nicht so leicht. Wir haben hier in der Gruppe eine Frau, die war zehn Tage unterwegs mit zwei Kindern. Sie sind zuerst nach Moldawien und dann von dort nach Ungarn, dann nach Slowenien. Hatten dann eine zehnt\u00e4gige Reise hinter sich. Sind immer wieder in Zeltlagern f\u00fcr Gefl\u00fcchtete untergekommen. Eine andere Frau hat ein vier Monate altes Baby. Sie kann selbst nicht stillen, das Kind bekommt nur Milchpulver. Unterwegs war es sehr kompliziert, irgendwo hei\u00dfes Wasser zu bekommen, um die Milch zuzubereiten. Wir haben hier auch eine Frau, die bei der Stadt Irpin arbeitet, aber in Butscha wohnt. Butscha war fr\u00fcher Teil des Kreises Irpin. Jetzt nach der Dezentralisierung ist die Stadt selbstst\u00e4ndig geworden. Die Frau ist am zehnten oder zw\u00f6lften M\u00e4rz raus aus ihrem Versteck. Mehr als zehn Tage hat sie in der Badewanne verbracht, weil das andere Zimmer Fenster hatte und das zu gef\u00e4hrlich war. Sie konnte auch nicht in den Keller runter gehen, weil dort schon zu viele Leute waren. Es gab fast nichts zu essen, und als sie versucht hatten raus zu gehen, wurde die erste Gruppe erschossen. Als sie schon nichts mehr zu essen und trinken hatten, haben sie beschlossen, sich trotzdem zu evakuieren. Sie hat gesagt, es war sehr schrecklich damals. Entweder sie bleiben im Keller und sterben dort, oder sie sterben unterwegs \u2013 es gab keine andere Wahl. Sie sind dann trotzdem gegangen und haben Gl\u00fcck gehabt. Sie hat erz\u00e4hlt, dass auf der Stra\u00dfe sehr viele Leichen lagen. Diese Menschen wurden erschossen. Sie hat gesagt, dass man das nie vergessen und nie verzeihen kann.<\/p>\n<p>Soll ich noch etwas \u00fcber Borna erz\u00e4hlen? Borna ist eine wundersch\u00f6ne Stadt mit vielen netten Leuten, die ich hier kennengelernt habe.<\/p>\n<p>FRIEDER: Wie geht es dir hier?<\/p>\n<p>OKSANA: Ich f\u00fchle mich hier sehr wohl. Unter diesen Umst\u00e4nden ist mir nat\u00fcrlich nicht so wohl. Dennoch ist es eine sehr sch\u00f6ne Stadt. Es ist sehr gr\u00fcn hier und es gibt viele Seen, W\u00e4lder und sch\u00f6ne H\u00e4user. Ich mag Deutschland. Die Traditionen und die K\u00fcche und die Musik.<\/p>\n<p>SANDRA: Siehst du viele Gemeinsamkeiten zwischen Borna und Irpin? [\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][mk_padding_divider size=&#8221;80&#8243;][vc_column_text el_class=&#8221;vier-spalten-blocksatz&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1653062680062{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]OKSANA: Ja, das kann man so sagen. F\u00fcr mich ist es dort und hier gem\u00fctlich. Bei uns gibt es auch viele Seen. Es gibt hier viele V\u00f6gel. Die fangen sehr fr\u00fch an zu singen. Ab vier Uhr morgens kann man sie schon h\u00f6ren.<\/p>\n<p>SANDRA: Du arbeitest ja viel und dein Handy vibriert die ganze Zeit. Gibt es hier einen Ort wo du Ruhe findest?<\/p>\n<p>OKSANA: Wenn ich einfach durch die Stadt bummle. Am Breiten Teich gibt es sch\u00f6ne Pl\u00e4tze mit all diesen Enten und Schw\u00e4nen. Ich mag die Natur einfach sehr. Ich bin ein Mensch, der immer lebensfroh ist. Ich kann mich immer \u00fcber Kleinigkeiten freuen. Deswegen ist es f\u00fcr mich einfach, einen Ort zu finden, wo ich mich wohl f\u00fchle.<\/p>\n<p>FRIEDER: Bist du bei der Stadt angestellt?<\/p>\n<p>OKSANA: Ja, in Irpin. Hier bin ich nicht angestellt, sondern arbeite freiwillig. Ich habe noch keine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n<p>SANDRA: Du machst das alles gerade freiwillig?<\/p>\n<p>OKSANA: Ja, alles was ich mache und organisiere.<\/p>\n<p>FRIEDER: Wir dachten, dass du bei der Stadt Borna angestellt bist. Dass du alles freiwillig machst, ist der Wahnsinn!<\/p>\n<p>OKSANA: Wenn mir die Leute auf die Nerven gehen, dann sage ich, dass ich jetzt Urlaub mache und sie keinen Anruf und keine Informationen mehr von mir bekommen. Wenn ich zum Beispiel ins Hotel komme, kommen alle runter und alle wollen sofort etwas. Gleichzeitig, nicht der Reihe nach. Alle stellen mir so viele Fragen. Es gibt viele Kleinigkeiten, die mir nicht wichtig sind, aber den Leuten schon. Zum Beispiel, welches Shampoo sie benutzen k\u00f6nnen, weil ihre Haare so trocken sind und sie fragen mich, ob ich ihnen etwas empfehlen kann. Oder die Zahnb\u00fcrste ist nicht so weich wie sie m\u00f6chten. Wie sie beim Arzt einen Termin bekommen k\u00f6nnen. Oder wo sie Handschuhe kaufen k\u00f6nnen, obwohl es drau\u00dfen schon warm ist. Wo sie Geld wechseln k\u00f6nnen. Wie sie nach Leipzig kommen k\u00f6nnen und ob ich ihnen einen Fahrplan ausdrucken kann. Viel Papierkram auch.<\/p>\n<p>FRIEDER: Du bist auch die Einzige aus eurer Gruppe, die so gut Deutsch spricht, oder?<\/p>\n<p>OKSANA: Ich spreche es nicht so gut, wie ich gerne w\u00fcrde. W\u00e4hrend der letzten zwei Jahre, habe ich viel Deutsch vergessen. Wenn man schreibt, kann man es nochmal \u00fcberpr\u00fcfen und korrigieren oder doch l\u00f6schen und neu schreiben. Wenn ich spreche, dann merke ich, dass es echt schwer ist. [\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][mk_padding_divider size=&#8221;80&#8243;][vc_column_text el_class=&#8221;vier-spalten-blocksatz&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1653062692089{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]SANDRA: Ich wei\u00df gar nicht, was du meinst. Du sprichst perfekt Deutsch.<\/p>\n<p>OKSANA: Ich bem\u00fche mich, mein Deutsch zu verbessern. Und manchmal kommen die Leute und sagen, dass sie etwas brauchen und dann kenne ich das ukrainische Wort nicht. Am Auto einer Familie war die Sicherung kaputt und sie sind zu mir gekommen. Ich sagte ihnen, dass ich nichts von Autos verstehe. Wirklich nichts. Man muss es mir zuerst zeigen und dann versuche ich es im W\u00f6rterbuch zu finden.<br \/>\nDie letzte Familie, die mit dem Auto kam, war ganz kurz unter Luftattacke. Die Scheibe ist zerbrochen, das Dach ist ein bisschen aufgerissen und den Kofferraum kann man nicht mehr richtig zu machen. Es gab viele Besch\u00e4digungen am Auto, denn auf das Auto wurde geschossen. In der T\u00fcr waren noch Einschussl\u00f6cher. Aber sie sind noch gesund nach Polen gekommen. Das war schrecklich. Ich kann mir das gut vorstellen. Als wir mit dem Auto unterwegs waren, waren auf der rechten Seite Panzer und die schossen irgendwohin. Wir haben nur die Explosionen gesehen. Als wir die Stra\u00dfe hinter uns gelassen haben, sind die Milit\u00e4rflugzeuge ganz tief \u00fcber die Stra\u00dfe geflogen. Wenn knapp \u00fcber dir ein Flugzeug fliegt, w\u00e4hrend du nach vorne f\u00e4hrst, kannst du die Waffen sehen. Du sitzt da und denkst nur: \u201eOh Gott! Und ich bin nur ein Passagier. Wie f\u00fchlt sich der Fahrer wohl, wenn er vor sich das Flugzeug sieht?\u201c<\/p>\n<p>SANDRA: Wie erkl\u00e4rst du das alles deinen Kindern?<\/p>\n<p>OKSANA: Die waren sehr nerv\u00f6s die ersten Tage und wollten immer in meiner N\u00e4he bleiben. Die sind sieben und neun Jahre alt. Jetzt geht es schon besser, weil sie hier schon die Schule besuchen d\u00fcrfen. Es gibt da diese Integrationsklasse. Da sind schon mehrere Kinder aus Irpin. Die freuen sich schon neue Freunde kennengelernt zu haben und sie f\u00fchlen sich wohl. Sie finden die Schule sch\u00f6n und freundlich. Die Lehrer*innen, die Deutsch und Englisch unterrichten, bem\u00fchen sich immer den Kindern Freude entgegen zu bringen. Es freut mich sehr, dass das so schnell hier in Borna organisiert wurde, wie so Vieles in der Stadt. Sie haben einen Krisenstab organisiert. Die Oberb\u00fcrgermeisterin leitet das alles und wei\u00df, was \u00fcberall passiert. Zum Beispiel, wer schon umgezogen ist oder nicht oder welche Familie kommt. Wenn sie es w\u00e4hrend des Arbeitstages nicht geschafft hat, dann schickt sie auch sp\u00e4t in der Nacht die Einladungen f\u00fcr die Familien, die an dem Tag den Antrag geschickt haben. Das ist unglaublich. Die Solidarit\u00e4t ist nicht nur draufgeschrieben, sondern sie ist wirklich da. Sie haben fr\u00fcher schon sehr viel geholfen und die Hilfe die sie jetzt leisten, werden wir nie vergessen. Wahre Freunde hat man in Freude und Not.<\/p>\n<p>SANDRA: Kannst du dich an deinen ersten Besuch in Borna erinnern? [\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][mk_padding_divider size=&#8221;80&#8243;][vc_column_text el_class=&#8221;vier-spalten-blocksatz&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1653062710551{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]OKSANA: Der erste Besuch war mit den Lehrer*innen. Das war die Reise im Rahmen des Partnerschaftsprojekts. Die Stadt hatte ich kleiner in Erinnerung. Ich sehe jetzt, dass Borna eine gro\u00dfe Stadt ist. Die Stadtmitte fand ich sehr sch\u00f6n und die H\u00e4user mit den bemalten W\u00e4nden. Von der Schule waren wir auch sehr begeistert, auch weil ich P\u00e4dagogin bin. Alles, was ich da gesehen habe, war echt herrlich. Alle Leute waren freundlich und offen. Wenn ich mich nicht irre, waren wir zum ersten mal im Juni 2017 da. Ich habe dann viele Geschenke f\u00fcr die Kleinen mitgebracht, weil ich ja eine Woche ganz weit weg war. Sie haben st\u00e4ndig angerufen. Sie haben mir immer gesagt, dass sie n\u00e4chstes Mal unbedingt mitkommen wollen. Sie meinten, dass sie in den gro\u00dfen Koffer passen. Ich meinte, dass das nicht geht, weil ich die ganze Zeit in der Feuerwehrhalle sein w\u00fcrde. Sie meinten, dass sie Feuerwehrleute m\u00f6gen und wollten unbedingt mit. Sie mussten aber zu Hause bleiben. Es ist so komisch, dass wir beim Neujahrsfest geplant haben, dass wir dieses Jahr eine Europareise machen. Jetzt denke ich, dass man mit den W\u00fcnschen vorsichtiger sein muss. Das ist jetzt eine Europareise, aber &#8230; Wir waren schon im Leipziger Zoo und ich habe gedacht, dass ich mich so gefreut h\u00e4tte, wenn die Umst\u00e4nde andere w\u00e4ren. Ich kann mich nicht richtig freuen, weil ich immer daran denke, was zu Hause passiert und wie es weiter geht. Ob es Luftattacken gibt. Wir haben ja noch viele Freunde und Verwandte da. Jetzt sehe ich, dass es meinen Kindern ganz gut geht, aber ich kann es nicht genie\u00dfen. Man muss lernen, dass Mitgef\u00fchl auch sehr wichtig ist, aber man sich selbst nicht verlieren darf. Wir haben hier viele Frauen, die wirklich Probleme haben, weil sie kein Zuhause mehr haben und nicht wissen, wie sie weiter leben sollen. Deswegen ist es auch sehr wichtig, sich Zeit zu nehmen, um sie zu unterst\u00fctzen. Irgendwo Tee trinken oder zusammen durch die Stadt zu bummeln. Diese Kleinigkeiten k\u00f6nnen die Stimmung der Frauen verbessern und sie beruhigen. Deswegen machen wir alles mit, was uns die Deutschen anbieten. Die haben schon eine gro\u00dfe Liste f\u00fcr die Kinder. Sie werden bei der M\u00fchle Eier suchen zu Ostern. Das wird sch\u00f6n. Danach gibt es noch ein Lagerfeuer. Das wird ein Erlebnis. Solche Traditionen haben wir in der Ukraine nicht, deswegen wird das bestimmt ein sch\u00f6ner Tag.<\/p>\n<p>SANDRA: Wenn du jetzt Richtung Zukunft guckst: Wenn man dann endlich nach Irpin zur\u00fcckziehen kann, wie k\u00f6nnte Borna da unterst\u00fctzen?<\/p>\n<p>OKSANA: Es ist eine ganz schwere Frage. Wir haben auf der Internetseite unserer Stadt Umfragen gemacht, welche Leute wann zur\u00fcckkehren m\u00f6chten. Manche sagen, sobald sie d\u00fcrfen, andere sagen, wenn der Krieg zu Ende geht und nur zwei Prozent haben gesagt, dass sie nicht mehr nach Irpin zur\u00fcckkehren wollen. Was ich pers\u00f6nlich denke: Nach all diesen schrecklichen Bildern aus dem Internet, all diesen Nachrichten \u00fcber erschossene Zivilisten, Vergewaltigungen an Kindern und Frauen, kehre ich erst nach Hause zur\u00fcck, wenn der Krieg zu Ende ist. Aber nicht fr\u00fcher. Die Stadt Irpin ist jetzt zwar befreit, aber wir wissen nicht, wie es weitergeht. Das Leben von meinen Kindern ist mir wichtiger. Wenn wir zur\u00fcckkehren, m\u00f6chten wir nat\u00fcrlich unsere Stadt wiederaufbauen.[\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][mk_padding_divider size=&#8221;80&#8243;][vc_column_text el_class=&#8221;vier-spalten-blocksatz&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1653062723801{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]Aber wie es wird und wie Borna helfen kann, wei\u00df ich nicht. Es gibt schon eine Liste von Freiwilligen, die nach Irpin kommen m\u00f6chten, um die Stadt wiederaufzubauen. Zum Beispiel wei\u00df ich von den Feuerwehrleuten, dass sie helfen m\u00f6chten. Aber jetzt ist es noch kompliziert, der Krieg ist noch nicht zu Ende. In der Stadt gibt es bis jetzt keine Wasserleitungen, es gibt kein Licht, kein Gas. Das Essen wird auf dem Lagerfeuer gekocht. Es gibt keine Gesch\u00e4fte und Lebensmittel bekommst du nur von den Freiwilligen, die Hilfsg\u00fcter nach Irpin bringen. Gerade ist es noch kompliziert f\u00fcr Familien mit Kindern zur\u00fcckzukehren. Wo soll man denn die Baumaterialien kaufen, wenn wir unser Haus reparieren m\u00fcssen? Wie sollen wir das in die Stadt bringen? Um die Stadt herum hatten wir mehr als f\u00fcnf Br\u00fccken, die sind nun abgerissen. Ich hoffe so sehr, dass wir in Zukunft weiter irgendwelche Projekte machen werden. Ich bin mir sicher, dass wir das schaffen. Es gibt auch Nachrichten von der Sana Klinik. Wir d\u00fcrften Schwerverletzte, wie Soldaten, hier im Sana Klinikum unterbringen. Wir warten jetzt noch auf die Erlaubnis vom ukrainischen Ministerium.<\/p>\n<p>Von der Gruppe der Ukrainer*innen kenne ich nur zwei bis drei Familien pers\u00f6nlich. Die Frau, die am Sonntag kam, ist die Ehefrau von unserem Hausarzt. Ich kenne sie nicht, aber ihn. Das ist der Lieblingsarzt meiner Tochter. Ich war froh, dass ich solchen Leute auch geholfen habe. Als er mich angerufen hat und gefragt hat, ob ich ihm helfen kann, weil seine Frau an der Grenze steht und nicht wei\u00df, wo sie hin soll, da habe ich gesagt, dass er an der richtigen Adresse ist. Er war wirklich so froh, dass sie gl\u00fccklich nach Borna gekommen sind. Alle bedanken sich ganz herzlich. Sie haben nicht daran geglaubt. Jeder hat Angst. Es gab auch einen Berufsfeuerwehrmann, der schon mal hier war im Rahmen des Projektes, als wir die Drehleiter nach Irpin gebracht haben. Seine Ehefrau wusste dadurch schon viel \u00fcber Borna. Der Mann hat schon viele Freunde hier. Die Freunde haben ihm schon am ersten Tag geschrieben, dass er seine Familie nach Borna bringen soll. Sie wollte in der Ukraine bleiben und sie machte sich Sorgen um ihren Mann, obwohl er weit weg von ihr ist. Sie sind von Irpin aus in ein Dorf geflohen, das aber in zwei oder drei Tagen bei einer Luftattacke zerbombt wurde. Dann wussten sie, dass sie nach Borna mussten. Die Bornaer Feuerwehrleute haben die ganze Familie von der Grenze abgeholt. Der Feuerwehrmann ist dort geblieben und die Frau ist mit dem Kind und ihrer Schwester und Nichten gekommen. Die sind jetzt gl\u00fccklich, dass sie hier sind. Warum haben sie damals nicht zugeh\u00f6rt? Es war so schwierig und kompliziert f\u00fcr die Kinder. Irgendwo an einem unbekanntem Ort mit allen Kindern zu verbringen. Nat\u00fcrlich bekommen die Leute Essen und Trinken und einen Platz zum Schlafen, aber meistens k\u00f6nnen die Leute nachts nicht schlafen und verbringen die N\u00e4chte im Keller. Ich will noch \u00fcber die politische Seite sprechen: Ich m\u00f6chte sagen, dass wir sehr stolz auf unseren Botschafter Andrij Melnyk sind, obwohl er in den deutschen Zeitungen ein undiplomatischer Diplomat genannt wurde. Es ist so schade, dass die europ\u00e4ischen L\u00e4nder uns nicht als erstes geholfen haben, den Luftraum \u00fcber der Ukraine zu schlie\u00dfen. Wir h\u00e4tten sonst nicht so eine gro\u00dfe Zerst\u00f6rung und so viele tote Zivilisten. Es ist auch schade, dass uns acht Jahre lang nicht geglaubt wurde, dass sich der Krieg anbahnt.[\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][mk_padding_divider size=&#8221;80&#8243;][vc_column_text el_class=&#8221;vier-spalten-blocksatz&#8221; css=&#8221;.vc_custom_1653062783876{margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]Niemand auf der politischen Ebene hat uns das geglaubt. Alle haben gedacht, dass wir im Land einen Konflikt zwischen Westen und Osten haben. In Irpin selbst gab es im Jahre 2014 mehr als 12.000 Binnenfl\u00fcchtlinge aus dem Donezk-Gebiet. Jetzt m\u00fcssen diese Leute wieder irgendwohin. Es gibt einen gro\u00dfen Unterschied zwischen Russen und Ukrainern. Wir sind besser ausgebildet und unsere Politik und unsere Werte haben sich immer an Europa orientiert. Wir sch\u00e4tzen das mehr.<\/p>\n<p>FRIEDER: Die Geschichte ist auch eine sehr andere.<\/p>\n<p>OKSANA: Ganz anders als Vladimir Putin das damals in seiner Rede erz\u00e4hlt hat. Ich habe mich gefragt, wie man sich so etwas ausdenken kann. [\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#8221;#85b2bc&#8221; full_width=&#8221;true&#8221; padding_top=&#8221;0&#8243; padding_bottom=&#8221;0&#8243; sidebar=&#8221;sidebar-1&#8243;][vc_column][mk_padding_divider size=&#8221;80&#8243;][\/vc_column][\/mk_page_section][vc_row][vc_column][vc_column_text css=&#8221;.vc_custom_1643311707101{margin-top: 80px !important;margin-bottom: 0px !important;}&#8221;]\n<h4><a href=\"https:\/\/unofficial.pictures\/geboren-gekommen-geblieben\/\">Portr\u00e4ts einer diversen Stadt: \u201egeboren, gekommen, geblieben\u201c<\/a><\/h4>\n[\/vc_column_text][mk_padding_divider][\/vc_column][\/vc_row]\n\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sorry, this entry is only available in Deutsch. 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