ABDIRAHIM: Jeden Tag kommen wir in Polizeikontrollen. Die kommen einfach zu dir, drehen dich um und durchsuchen dich. In Suhl haben wir mit vielen Menschen Kontakt, über die Fußballmannschaft oder mit anderen Schülern. Wenn wir in einer Polizeikontrolle gesehen werden, denken sie, dass wir was Schlechtes getan haben. Viele Leute, mit denen wir uns gut verstanden haben, nehmen nun Abstand und wollen keinen Kontakt mehr mit uns. Sie denken, dass wir drogenabhängig sind und böse sind. Das ist ein Problem.

RAFAEL: Was machst du denn in Suhl gerade?
ABDIRAHIM: Ich bin im Moment arbeitslos. Davor habe ich 3 Monate gearbeitet, aber jetzt habe ich keine Arbeit. Ich habe auch einen Hauptschulabschluss. Und nun habe ich meinen Abschiebungsbescheid bekommen. Ich war 16 Jahre alt, als ich meinen ersten negativen Bescheid bekommen habe, nach meinem Interview. Da haben sie mir gesagt, dass ich nicht abgeschoben werden kann, weil ich minderjährig bin. Sie durften mich nicht in meine Heimat abschieben, weil ich da Probleme hatte. Ich sollte meine Schule weiter machen und mein Leben ordentlich machen, dann könne ich bleiben. Ich hab erstmal einen Deutschkurs in Meiningen an der Volkshochschule besucht, danach ein Jahr lang BVJS, Berufsvorbereitungsjahr Sprache und anschließend dann Berufsvorbereitung mit Hauptschulabschluss. Danach konnte ich hier, seit zwei Jahren, keine Ausbildung finden, auch keine Arbeit. Seit langem, seit zwei Jahren, mache ich nichts, finde keine Arbeit und keine Ausbildung.
RAFAEL: Was denkst du warum das so ist?
ABDIRAHIM: Suhl ist eine kleine Stadt und die Menschen sind hier auch nicht gerade nett. Wenn ich mich bewerbe, bekomme ich immer Absagen und wenn ich selbst hingehe, werde ich auch wieder weggeschickt. Ich habe auch viele Praktika gemacht, aber es hat nie geklappt, da dann weiterzuarbeiten. Es gibt Unterstützungsangebote, aber irgendwie läuft das nicht, dass wir dann kriegen was wir brauchen. Arbeit oder Ausbildung sind, wegen den Menschen hier, nicht zu bekommen. Es gibt auch viel Diskriminierung hier. Viele Menschen beleidigen uns, wenn wir Fußball spielen, oder auch nur die Straße runter laufen. Wir müssen zuhause bleiben, wie im Gefängnis. Unser ganzes Leben lang zuhause bleiben, das geht nicht. Wir haben hier keine Familien und wollen unter Menschen sein. Wollen nicht die ganze Zeit allein zu Hause bleiben. Es geht nicht, dass wir nach der Schule nach Hause gehen und da bleiben. Wir spielen gerne Fußball und machen richtig gerne was mit anderen Menschen. Wir können das so nicht. Du kriegst jeden Tag Ärger, wenn du raus gehst. Die Leute hier beleidigen uns. Die Leute sind nicht nett zu uns. Auf der Straße, im Geschäft, oder im Bus. Wenn wir in ein Geschäft gehen, läuft die ganze Zeit jemand hinter uns her und guckt, dass wir nichts klauen. In jedem Geschäft, egal welchem, sind sie hinter uns her und denken, dass wir klauen. Wir kriegen Geld in Deutschland und bezahlen was wir wir kaufen. Wir klauen überhaupt nichts. Wir begehen keinen Diebstahl und wissen, dass wir sonst ins Gefängnis kommen. Wir klauen nicht, aber die Menschen denken das trotzdem. In Suhl gibts ein Heim, aus dem Menschen kommen und in der ganzen Stadt Probleme machen. Die kämpfen mit den Securities der Geschäfte, klauen, betrinken sich draußen und bauen einfach viel Scheiße. Auf der Straße werden wir gefragt, ob wir Drogen verkaufen. Die Leute denken, nur weil wir schwarz sind, haben wir Drogen. Wir haben keine Drogen. Unsere schwarze Hautfarbe bedeutet nicht, dass wir Drogen haben. Dass wir ständig nach Drogen gefragt werden, ist schlecht für uns. Die Polizei weiß schon, dass die Leute, die hier ins Heim kommen, viele Probleme machen. Jetzt fährt kein Busfahrer mehr allein nachts zu dem Heim, sondern immer mit zwei Securities und einem Polizeiauto. Das Heim auf dem Friedberg mag ich überhaupt nicht. Dort gibt es viele Kriminelle, die überall Ärger machen. Die kommen von dort in die Stadt. Die Polizei kann da auch nichts machen. Die machen auch Probleme mit der Polizei. Polizisten sind Menschen, wollen Respekt und können nicht damit umgehen, wenn Menschen immer Probleme machen. Ich war mal im New Yorker, dann ist jemand von denen rein gekommen und hat den Diebstahlschutz von einem T-shirt weg gemacht. Die Menschen, die da waren, haben dann die Polizei gerufen. Die ist dann auch gekommen und er hat sich einfach selbst am Handgelenk verletzt. Da konnte ihn die Polizei dann nicht festnehmen, weil er geblutet hat. Es gibt solche Leute, die immer Scheiße bauen, aus dem Heim. Deswegen kontrolliert die Polizei uns immer. Wir können hier auch nicht ausziehen, weil wir keine Kontakte in andere Städte haben. Ich versuche immer in irgendeine andere Stadt zu kommen. Ich habe Kumpels, die Freunde in anderen Städten haben. Ich will in eine andere Stadt, weil ich hier nicht bleiben kann, weil es immer Stress gibt.
RAFAEL: Aber wenn 600 Leute in dem Heim wohnen, sind es wahrscheinlich nur ein paar, die Probleme machen, oder?

Für die Leute aus dem Heim ist es wahrscheinlich auch schlimm, dass sie zu so vielen eingesperrt sind in ein paar Häusern mit Zaun herum und nicht raus können.
ABDIRAHIM: Nicht alle machen Probleme. Es gibt jede Menge Kinder, Frauen und junge Leute, die überhaupt nicht wissen wie es in Deutschland läuft. Manche Leute waren aber schon überall in Europa und haben viel Scheiße gebaut. Gestern hatten wir Training, da kommt ein Junge aus dem Heim zu mir und will meine Schuhe kaufen. Ich meinte zu ihm, dass er nicht zu unserer Mannschaft gehört. Er verstand mich aber nicht, weil ich nur deutsch mit ihm sprechen konnte. Er verstand mich nicht und sagte er kann nur arabisch, aber ich spreche kein arabisch. Ich konnte verstehen was er auf arabisch sagt, aber ich kann ihm nicht antworten. Er hat dann mit uns trainiert, aber das ganze Training kaputt gemacht. Er hat die ganze Zeit etwas anderes gemacht, als der Trainer gesagt hat. Ich hab später auch gesagt, dass der Junge nicht mit uns trainieren kann. Wir hätten am Wochenende ein Spiel! Warum kommt da eine Person aus dem Heim dazu, den wir nicht einmal kennen. Er hat keine Versicherung und wenn ihm etwas passieren würde, oder er jemanden verletzen würde, das wäre nicht gut. Er hat trotzdem mit uns trainiert. Wahrscheinlich werden auch viele kommen, wenn sie wissen, dass wir hier trainieren. Das Heim macht diese Stadt kaputt.
Jeden Tag kommen wir in Polizeikontrollen. Auf der Straße und überall, auch wenn wir ins Training gehen. Es gibt Kontrollen, bei denen sie uns am ganzen Körper anfassen. Wenn die einen Verdacht haben, oder jemand etwas gemacht hat, kommen die einfach zu uns und sind richtig unhöflich. Keiner erklärt uns die Situation – dass sie einen Verdacht haben und checken wollen, ob man derjenige ist. Die kommen einfach zu dir, drehen dich um und durchsuchen dich. Das ist schlimm. Wenn man nicht macht, was sie einem sagen, kommen sie bestimmt mit einer Anzeige, oder wenden Gewalt an. Wir müssen einfach machen, was sie sagen. Einmal saßen wir im Stadtzentrum auf einem Platz, wo es ruhig ist und wo man die Stadt angucken kann. Wir waren zu dritt, ich und zwei Freunde. Da kam plötzlich vor uns ein volles Polizeiauto und ein anderes von hinten. Die Polizisten lachten untereinander darüber, dass sie jetzt Kriminelle hoch genommen hätten. Dann zeigten sie auf mich: “der Gelbe”. Ich hatte einen gelben Pullover an. Die haben nicht mit mir geredet. Ich solle aufstehen, meine Taschen auspacken, mein T-Shirt ausziehen. Die haben mich überall am Körper angefasst. Ich habe alles mitgemacht und am Ende haben sie nichts gefunden. Viele Leute haben mich angeschaut. In Suhl sind wir bekannt, die Leute kennen uns. Wir haben mit vielen Menschen Kontakt, über die Fußballmannschaft, oder mit anderen Schülern. Wir haben zu richtig vielen Leuten Kontakt, aber wenn wir in einer Polizeikontrolle gesehen werden, denken sie, dass wir was Schlechtes getan haben. Jetzt denken die Menschen, dass wir schlecht sind. So können wir nicht mit ihnen zusammen leben, wenn sie denken, dass wir schlecht sind. Dann gehen immer alle weg von uns. Das ist schwierig, wenn die Leute weggehen, wo sollen wir denn dann leben? Das ist ein richtiges Problem in Suhl. Viele Freunde und Leute, mit denen wir uns gut verstanden haben, nehmen nun Abstand und wollen keinen Kontakt mehr mit uns. Sie denken, dass wir drogenabhängig sind und böse sind. Das ist ein Problem.
RAFAEL: Und diese Probleme hast du ständig?
ABDIRAHIM: Ich habe die Polizei seit zwei Monaten nicht mehr getroffen, weil ich kaum in die Stadt gehe. Ich bleibe zu Hause. Wenn ich Training oder ein Spiel habe, dann gehe ich da hin, aber wenn ich draußen nichts zu tun habe, dann gehe ich nicht raus. Ich gehe nicht spazieren oder so. Ich bleib einfach zu Hause, denn ich weiß schon was passiert, wenn ich raus gehe. Das ist besser für mich. Dann treffe ich auch nicht so viel auf die Polizei. Wenn ich einkaufen muss, geh ich auch nur um die Ecke und sofort wieder zurück.

Man findet hier auch nicht, was man braucht. Keine Arbeit, keine Ausbildung, kein normales Leben… Man braucht sehr viel Unterstützung. Wenn man die bekommt, kann man etwas finden. Wenn du arbeitest und Steuern bezahlst, dann hast du keine Probleme. Wenn du aber keine Arbeit und Unterstützung hast, ist es sehr schwer, dann findet man hier nichts. Es ist sehr, sehr schwer. Ich schreibe seit einem Jahr die ganze Zeit Bewerbungen und suche Wohnungen, finde aber nichts. Das sind meine Probleme hier.
Als ich nach Europa gekommen bin, war ich erst in Italien. Wir wollten da nicht bleiben, weil es da gar keine soziale Absicherung gibt, wie in Deutschland oder anderen europäischen Ländern. Wenn man da seinen Ausweis gekriegt hat, muss man auf der Straße schlafen, bis man etwas eigenes hat. In Italien gibt es auch viele Migranten, die viele Probleme machen. Deshalb wollten wir da nicht bleiben und haben immer versucht, aus Italien raus zu kommen, dann hat uns die Polizei zurück geholt. Dann, bei einem Versuch, hat die Schweizer Polizei dann die Minderjährigen von uns mitgenommen. Damals war ich 16 Jahre alt. Sie haben uns dann in eine Art kleine Kellerwohnung gesteckt und wollten uns untersuchen. Später haben sie dann gesagt, dass wir nicht minderjährig seien. Sie haben einfach unser Alter auf 25 Jahre geschätzt. Ich wollte nicht da bleiben, ich wollte nach Deutschland, damit sie mich nicht abschieben. Ich hatte in Libyen und auf dem Meer viel durchgemacht. Wir sind mit 150 Personen auf einem kleinem Boot über das Meer gefahren. Unsere Überlebenschancen waren 50:50. Wir waren auch in der Wüste. Dort war es auch schwierig. Kein Wasser und die ganze Zeit Sonne. Acht Tage lang haben wir nichts gegessen, nur Wasser getrunken. Ich habe so viel auf mich genommen, um nach Europa zu kommen. Zu Fuß, mit Autos, mit Booten. Durch die Wüste und durch das Meer. So viele Probleme, Schlägereien in Libyen, ich war da auch im Gefängnis. Wenn mich nach all dem ein europäisches Land zurück in meine Heimat schicken will, dann hab ich damit ein Problem. Das geht nicht. Die Schweiz wollte mich gleich abschieben. Ich hab denen gesagt, dass ich gar nicht da bleiben wollte. Da haben Sie mir 24 Stunden gegeben um das Land zu verlassen. Dann bin ich nach Deutschland. Dort hatte ich bis ich 18 Jahre alt war keine Probleme vom BAMF, aber jetzt immer. Ich mache jetzt B1, weil das BAMF mir das geschickt hat. Sie haben gesagt, ich kann nicht zu Hause bleiben, ich muss etwas machen. Ich bin in den B1-Kurs gegangen und jetzt haben sie mir wieder einen Abschiebebescheid geschickt, weil ich angeblich nichts mache. Deshalb muss ich eine Duldung bekommen. Ich habe denen gesagt, dass ich immer noch etwas suche. Wenn ich nichts finde, können die mich auch abschieben, wenn sie wollen.
RAFAEL: Hast du Angst, plötzlich abgeschoben zu werden?
ABDIRAHIM: Was soll ich tun? Ich habe keine Kontakte in Deutschland, keine Familie, keine Bekannten. Ich kann nicht irgendwo anders hingehen, weil ich nur hier Leute kenne. Wenn ich irgendwo anders Hilfe bekommen könnte, wäre das gut, aber ich kann mich nicht bewegen. Ich habe keine Kontakte in Deutschland, niemanden. Ich muss hier bleiben. Wenn ich hier abgeschoben werde, kann ich nichts machen. Die können mich abschieben. Ich kann nichts dagegen machen. Ich kann sagen, dass es Probleme im Heimatland gibt, ich keine Familie und gar nichts dort habe. Das habe ich in meinem Interview auch alles gesagt, aber die haben mir nicht geglaubt. Da kann ich dann nichts anderes machen, als darauf warten, was sie mir sagen. Ich bin froh darüber, wie es gerade ist. In die Schule gehen und darauf warten, was die zu mir sagen werden.
RAFAEL: Denkst du, du hättest eigentlich die Qualifikationen für bestimmte Jobs, aber sie geben sie dir nicht?
ABDIRAHIM: Ja, ich bin eigentlich schon für vieles qualifiziert. Zum Beispiel bin ich in Mathe sehr gut und mein Deutsch ist auch nicht schlecht. Ich kann die Leute verstehen und über meine Probleme reden. Ich kann mich, auch auf dem Arbeitsplatz, mit den Menschen unterhalten und meine Arbeit machen. Ich könnte die Arbeit, die viele Leute machen, auch machen. Aber ich weiß nicht, ich finde hier überhaupt nichts.

Da gibt es auch noch ein anderes Problem; es gibt niemanden, mit dem man darüber sprechen kann, was man eigentlich machen will, in welche Richtung man gehen will. Man kann ja nicht einfach irgendeine Arbeit anfangen, bei der man nicht weiß, worum es geht und in der man keine Erfahrung hat. Ich habe überhaupt keine Arbeitserfahrung, weil ich noch nie arbeiten konnte. Ich habe nur Praktika gemacht. Einen Aushilfsjob habe ich auch mal für drei Monate gemacht, aber keinen normalen Job, bei dem ich bleiben kann. Ich bin mir nicht sicher in welche Richtung ich gehen soll. Manchmal denke ich, Handwerk würde gut zu mir passen, auch Tiefbau oder Hochbau könnte ich mir vorstellen. Ich möchte eine Arbeit, die schwer und anstrengend ist. Ich kann keine Arbeit machen, die langweilig ist. Wenn mir auf Arbeit langweilig ist, dann steh ich immer nur rum. Und wenn mich dann der Chef nur rum stehen sieht, dann wird das zu einem Problem. Ich will eine Arbeit, in der man immer etwas macht, die immer läuft. Aber ich finde hier gar keine Arbeit. Ich habe viele Bewerbungen geschrieben, aber habe nichts gefunden.
RAFAEL: Denkst du, die Leute nehmen dich nicht, allein schon wegen deinem Namen?
ABDIRAHIM: Ja bestimmt, wegen unseren Namen nehmen sie uns nicht. Auch wegen den Bewerbungsfotos. Wenn man eine Bewerbung schreibt, und sie dann oben das Foto von mir sehen, sagen sie nur deswegen schon nein. Es gibt viele Leute, mit denen ich Hauptschulabschluss gemacht habe, die jetzt eine Ausbildung oder einen Job haben. Es gibt auch manche Ausländer, mit denen ich in der Klasse war, die jetzt Arbeit haben, aber die haben immer Hilfe bekommen. Das sind Araber, die haben ein bisschen eine andere Hautfarbe und finden Arbeit. Oder sie haben Bekannte oder Freunde hier, die schon viele Jahre hier sind und ihnen helfen. Aber wir haben keine Hilfe. Wir kennen niemanden hier. Wir haben alle erst kennengelernt, seit wir hier sind. Das ist alles sehr schwer. Es gibt auch viele Stellen, die den Leuten gerne helfen, wie der Internationale Bund. Aber die Menschen, die mir hier helfen, werden auch müde, wenn sie ein Jahr lang versucht haben mit einem etwas zu finden und nichts dabei heraus kommt. Die werden dann müde und können auch nicht mehr. Seit zwei Jahren hilft mir der IB dabei, eine Arbeit oder eine Wohnung zu suchen. Aber wenn wir nicht genommen werden, können die auch nichts mehr machen.
RAFAEL: Mit Wohnungen ist das auch so schwer?
ABDIRAHIM: Wenn die Vermieter sehen, dass du ein Ausländer bist, dann geben sie dir die Wohnung nicht. Es gibt private Vermieter, also jemand, den du kennst, oder jemand mit dem du befreundet bist, von denen du eine Wohnung mieten kannst. Aber bei den offiziellen normalen Wohnungen, bei der AWG, oder der GeWo Suhl, haben sie mir immer gesagt, dass sie mir überhaupt keine Wohnung geben würden. Jemand vom IB hat mir gesagt, dass eine Wohnung frei wird und dass wir zusammen zur Besichtigung hingehen. Er wird alles geben, dass ich die Wohnung kriege. Wenn das nicht klappt, muss ich es woanders versuchen. Wenn ich nirgendwo was finde, muss ich raus aus Deutschland. Wenn ich mein B1 fertig habe, versuche ich woanders hinzuziehen. Da gibt es keine andere Möglichkeit. Früher war ich immer gestresst, weil ich nichts gefunden habe und immer gesucht habe, ich war unglücklich. Aber mittlerweile ist das alles normal für mich. Ich versuche Freunde zu treffen, das macht mich glücklich. Ich komme zum Sprachkurs und die Leute sind immer nett hier. Ich bleibe 5 Stunden hier und wenn ich nach Hause gehe, sind da meine Freunde. Wir kochen etwas zusammen und verbringen Zeit zusammen. Dann haben wir noch jede Woche vier oder fünf mal Training. Zwei mal Fitness- und drei mal normales Fußballtraining. Wir gehen immer zum Training. Wenn wir da hingehen, treffen wir nicht die schlechten Leute. Wir machen einfach unser Training und gehen wieder nach Hause.

Einmal hat mir im Zentrum jemand gesagt, er wolle keine Somalier hier haben. Ein Freund von mir hat ihm geantwortet und dann haben sie gestritten. Ich habe meinem Freund dann gesagt, er solle ihn lassen. Aber wir wissen nicht, wie er wissen konnte, dass ich Somalier bin. Wir wissen nicht, wer es ihm erzählt hat. Ich hab ihm dann gesagt, dass ich ihn hier auch nicht haben will. Und wir sind dann einfach weggegangen. Es gibt jeden Tag solche Probleme. Manche Menschen lassen auch ihre Hunde immer zu uns laufen, wenn sie uns sehen. Wir haben noch nie mit Hunden gelebt und gehen dann schnell auf Abstand. Auch wenn sie wissen, dass wir Angst vor Hunden haben, nehmen sie ihre Hunde nicht zu sich.
RAFAEL: Was würdest du dir wünschen, was sich ändern sollte?
ABDIRAHIM: Ich wünsche, dass alles klappt, dass ich eine Arbeit finde, eine Ausbildung finde. Ich hoffe, dass ich Hilfe bekomme. Irgendwo anders, in einer anderen Stadt. Irgendwo, wo ich was machen kann, mein Leben verbessern kann. Ich hoffe, dass ich etwas finde. Sonst habe ich keine anderen Wünsche. Als erstes braucht man etwas zum Wohnen, dann etwas zum Geld verdienen. Denn ohne Geld, kann man hier nicht überleben. Ich hoffe das klappt bei mir.
RAFAEL: Darfst du denn in eine andere Stadt, oder kriegst du dann Ärger vom BAMF?
ABDIRAHIM: Wenn ich eine Stelle, oder eine Ausbildung woanders finde, dann denke ich, dass ich keinen Ärger bekomme, weil die mich ja eh unter Druck setzen, dass ich etwas mache. Und in Suhl kann ich ja nichts machen. Ich habe aber keine Erfahrungen damit, woanders hinzugehen. Ich habe auch keine Freunde woanders. Ich kann ja nicht einfach in eine andere Stadt gehen, wenn ich da keine Freunde und nichts habe. Dann müsste ich auf der Straße schlafen. Ich brauche erst mal jemanden, bei dem ich bleiben kann, bis ich etwas eigenes gefunden habe. Ich denke, selbst wenn ich vom BAMF einen negativen Bescheid bekomme, kann ich bleiben, wenn ich arbeite und meine Steuern bezahle. Sobald ich etwas habe, kann mir egal sein, was das BAMF sagt. Und ich habe bis jetzt keine einzige Anzeige. Ich bin hier jetzt seit 4 Jahren und habe überhaupt keine Probleme gemacht. Ich war nie in einer Schlägerei, oder so was beteiligt. Wenn ich keine Probleme gemacht habe, mein Geld verdiene und meine Steuern bezahle, denke ich, dass ich hier leben darf. Ich glaube nicht, dass sie mich dann abschieben, wenn ich woanders etwas gefunden habe. Ich weiß auch nicht was die von mir wollen. Die haben mir einen Abschiebungsbescheid geschickt, in dem steht, dass ich noch zwei Wochen habe. Ich bin zur Beratung gegangen, sie wussten auch nicht genau, warum mir der Abschiebungsbescheid zugeschickt wurde. Wir sind auf die Suhler Ausländerbehörde gegangen. Da meinten die, dass ich, bis mein Aufenthaltstitel abgelaufen ist, hier sicher bin. Mein Aufenthaltstitel geht bis April 2021. Deshalb mach ich jetzt meinen B1 fertig und versuche danach sofort eine Ausbildung, Wohnung, Arbeit und alles zu bekommen. Bis jetzt hab ich aber keine Idee, wo ich etwas bekommen kann. In Suhl hab ich es schon so lange versucht, jetzt bin ich müde.

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