{"id":2908,"date":"2022-11-14T17:01:11","date_gmt":"2022-11-14T16:01:11","guid":{"rendered":"https:\/\/unofficial.pictures\/?page_id=2908"},"modified":"2022-11-14T17:07:18","modified_gmt":"2022-11-14T16:07:18","slug":"ein-junge-aus-borna","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/unofficial.pictures\/ru\/geboren-gekommen-geblieben\/ein-junge-aus-borna\/","title":{"rendered":"(Deutsch) Ein Junge aus Borna"},"content":{"rendered":"<p class=\"qtranxs-available-languages-message qtranxs-available-languages-message-ru\">\u0418\u0437\u0432\u0438\u043d\u0438\u0442\u0435, \u044d\u0442\u043e\u0442 \u0442\u0435\u043a\u0441\u0442 \u0434\u043e\u0441\u0442\u0443\u043f\u0435\u043d \u0442\u043e\u043b\u044c\u043a\u043e \u043d\u0430 &ldquo;<a href=\"https:\/\/unofficial.pictures\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2908\" class=\"qtranxs-available-language-link qtranxs-available-language-link-de\" title=\"Deutsch\">Deutsch<\/a>&rdquo;.<\/p><div class=\"wpb-content-wrapper\">[mk_page_section padding_top=&#187;0&#8243; padding_bottom=&#187;0&#8243; sidebar=&#187;sidebar-1&#8243;][vc_column width=&#187;1\/2&#8243;][mk_padding_divider size=&#187;200&#8243; visibility=&#187;hidden-sm&#187;][vc_column_text align=&#187;right&#187; css=&#187;.vc_custom_1668440564161{margin-bottom: 0px !important;}&#187;]\n<p class=\"a_font-22\"><strong>Ein Junge aus Borna<\/strong><\/p>\n<p class=\"a_font-22\">geboren 2009, wohnte schon in vielen Bornaer Stadtteilen und hat k\u00fcrzlich seinen Vater verloren<\/p>\n[\/vc_column_text][vc_btn title=&#187;zur\u00fcck zur \u00dcbersicht&#187; style=&#187;classic&#187; shape=&#187;square&#187; color=&#187;default&#187; align=&#187;right&#187; link=&#187;url:https%3A%2F%2Funofficial.pictures%2Fgeboren-gekommen-geblieben%2F|title:%5B%3Ade%5DPortraits%20einer%20diversen%20Stadt%3A%20%E2%80%9Egeboren%2C%20gekommen%2C%20geblieben%E2%80%9C%5B%3A%5D&#187; el_class=&#187;button-back-to-the-exhibition&#187;][\/vc_column][vc_column width=&#187;1\/2&#8243;][mk_padding_divider size=&#187;100&#8243; visibility=&#187;hidden-sm&#187;][vc_single_image image=&#187;2909&#8243; img_size=&#187;400&#215;600&#8243; alignment=&#187;right&#187;][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#187;#85b2bc&#187; padding_top=&#187;0&#8243; padding_bottom=&#187;0&#8243; sidebar=&#187;sidebar-1&#8243;][vc_column][mk_padding_divider size=&#187;80&#8243;][vc_column_text css=&#187;.vc_custom_1668440747951{margin-bottom: 0px !important;}&#187;]In dem folgenden Gespr\u00e4ch teilt ein Junge aus Borna einige pers\u00f6nliche Erfahrungen und Ansichten die zun\u00e4chst schockierend wirken k\u00f6nnen. Wir m\u00f6chten an dieser Stelle klar stellen, dass es uns mit der Ver\u00f6ffentlichung nicht darum geht, kritikw\u00fcrdige Handlungen von Einzelpersonen in irgendeiner Form zu verherrlichen oder zu besch\u00f6nigen. Wir distanzieren uns in jeglicher Form von strafrechtlichen Handlungen, insbesondere von jenen, bei denen andere Menschen zu Schaden kommen. Dennoch haben wir uns f\u00fcr eine Ver\u00f6ffentlichung des Gespr\u00e4chs entschieden. Uns ist wichtig seine Perspektive und Situation abzubilden, weil wir glauben, das dieser Einblick fehlt oder nur marginal im medialen Diskurs wiedergegeben wird. Wir m\u00f6chten dazu einladen und anregen in Austausch zu treten und dar\u00fcber nachzudenken und zu diskutieren, wie wir uns als Gesellschaft weiterentwickeln k\u00f6nnen und solidarisch mit sozial benachteiligten Gruppen aktiv werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In unserem Gespr\u00e4ch geht es um den Verlust n\u00e4chster Verwandter und den Konsum von Drogen und Alkohol.[\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#187;#85b2bc&#187; full_width=&#187;true&#187; padding_top=&#187;0&#8243; padding_bottom=&#187;0&#8243; sidebar=&#187;sidebar-1&#8243;][vc_column][vc_column_text el_class=&#187;vier-spalten-blocksatz&#187; css=&#187;.vc_custom_1668441086081{margin-bottom: 0px !important;}&#187;]FRIEDER: Du bist in Borna geboren und aufgewachsen, oder?<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Ja, genau.<\/p>\n<p>FRIEDER: Und wo genau? Hier in Gnandorf?<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Ich bin sehr oft umgezogen. Zuerst habe ich mit meinen Eltern in Gnandorf gewohnt. Als ich sechs Wochen alt war, haben sie sich getrennt. Nach der Trennung sind wir nach Borna-West gezogen und sind dann dort nochmal umgezogen. Sp\u00e4ter haben wir in Borna-Ost und Nord gewohnt und sind dort auch jeweils zweimal umgezogen. Jetzt sind wir wieder in Gnandorf gelandet. Wir hatten immer Pech mit den anderen Mietern. Als ich noch ein Kleinkind war, hatten wir einen Nachbarn in Ost, der immer hochkam, wenn ich oben rumgerannt bin. In Nord haben nur alte Leute gelebt. Die f\u00fchlten sich schon gest\u00f6rt, wenn ich hinter unserem Haus Fu\u00dfball gespielt habe. Einmal hat mich sogar einer mit einem Messer bedroht. In der anderen Wohnung in Nord hat es den Nachbarn schon gest\u00f6rt, wenn wir nur gepupst haben. Jetzt, wo wir wieder in Gnandorf wohnen, haben wir so gut wie gar keine Probleme mehr mit unseren Nachbarn.<\/p>\n<p>BETTY: Seit wann seid ihr zur\u00fcck in Gnandorf?<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Ich glaube seit ein oder zwei Jahren.<\/p>\n<p>BETTY: Ihr seid wirklich oft umgezogen, oder?<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Ja. Aber jetzt sind wir hier zufrieden.<\/p>\n<p>BETTY: Bist du in Borna geboren?<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Ja, im Helios-Krankenhaus. Damals war das noch ein gutes Krankenhaus. Jetzt finde ich es nicht mehr so gut.<\/p>\n<p>FRIEDER: Die haben jetzt die Betreiber gewechselt.<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Mein Vater war Alkoholiker. In der Zeit habe ich bei meiner Mutter im Frauenhaus gelebt. Als ich verstanden habe, was das bedeutet, dass mein Vater Alkoholiker ist, war ich elf, zw\u00f6lf Jahre alt. Ich habe ihm gesagt, dass er sich zwischen mir und seinem Bier entscheiden muss. Einmal hat er sich f\u00fcr das Bier entschieden, sonst immer f\u00fcr mich. Als er sich f\u00fcr sein Bier entschieden hat, habe ich ihn zwei Wochen nicht getroffen. Das war meine Entscheidung. Ich habe ihn gefragt, ob er gemerkt hat, was sein Fehler war. Seitdem hat er immer die Bierflaschen ausgesch\u00fcttet, wenn ich zu ihm gekommen bin. Mit der Zeit habe ich angefangen ihn zu verstehen. Jetzt habe ich keinen Vater mehr. Er ist dieses Jahr an Krebs gestorben. Ich bin erst seit kurzem wieder auf die gute Bahn gekommen. Als das mit dem Krebs angefangen hat, bin ich abgerutscht. [\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#187;#85b2bc&#187; full_width=&#187;true&#187; padding_top=&#187;0&#8243; padding_bottom=&#187;0&#8243; sidebar=&#187;sidebar-1&#8243;][vc_column][vc_column_text el_class=&#187;vier-spalten-blocksatz&#187; css=&#187;.vc_custom_1668441124650{margin-bottom: 0px !important;}&#187;]Wir haben viel durchgemacht. 2019 waren wir in Borna beim Zahnarzt, weil mein Vater Schmerzen hatte. Die \u00c4rzte meinten, er m\u00fcsse nach Leipzig, weil sie dort nicht erkennen konnten, was das Problem war. Er ist nach Leipzig in die Zahnklinik am Johannisplatz gegangen. Ich wei\u00df noch ganz genau, es war Zimmer 22 in der sechsten Etage. Die \u00c4rzte dort haben einen Ultraschall gemacht und ihm gesagt, dass er Krebs hat. Sie meinten zu ihm, dass er es mir nicht sagen soll. Als wir zur\u00fcck am Bahnhof waren, hat er sich zwei Flaschen Bier geholt. Er hat zu dem Zeitpunkt immer noch ein bisschen getrunken, aber nicht mehr so viel. Ich hatte ihm ja damit geholfen weniger zu trinken. Am Bahnhof hat er mir dann gesagt, dass er Krebs hat. Mein Vater und ich waren beste Freunde. Er war wie mein Bruder und mein Papa zugleich. Ich konnte mit ihm reden, wie mit meinen Freunden. Er hat mir alles erz\u00e4hlt und ich ihm auch.<br \/>\nAls wir ein zweites Mal in der Klinik waren, haben die \u00c4rzte ihm gesagt, dass er im St. Georg Klinikum in Leipzig operiert werden muss. Ich war \u00fcberall mit dabei. F\u00fcr die Vorbereitung waren wir zehn Stunden im Krankenhaus. Danach kam die richtige Operation. Als er rauskam, war um seinen Mund herum alles eingeklappt und er hatte \u00fcberall Narben.<br \/>\nAuf der Intensivstation gab es eine Situation, in der ich richtig ausgeflippt bin, weil ich nicht zu ihm ins Zimmer durfte. Ich sollte nicht sehen, wie er aussieht. Meine Mutter durfte ihn sehen. Er lag dort angefesselt, weil er nat\u00fcrlich weg wollte. Er war auf Entzug. \u00dcberall an ihm waren Schl\u00e4uche. Als ich das geh\u00f6rt habe, bin ich ausgeflippt. Ich habe probiert zu meinem Vater zu kommen. Ich habe die T\u00fcr aufgerissen und nach meinem Papa gerufen. In dem Moment haben sich viele Leute auf mich gest\u00fcrzt. Sp\u00e4ter meinte er zu mir, dass er das entweder selbst machen muss oder gar nicht.<br \/>\nNachdem sie den Tumor herausoperiert haben, wurde mein Vater ein Jahr lang bestrahlt. Daf\u00fcr sind wir manchmal um sechs Uhr fr\u00fch mit dem Taxi nach Leipzig gefahren. Und dann kam der Tag, an dem der Tumor zur\u00fcck war. Erst in der Mundbodenh\u00f6hle und dann auf der anderen Seite seines Kopfes. Die \u00c4rzte haben ihm gesagt, dass sie den Tumor in diesem Stadium nicht herausoperieren k\u00f6nnen, weil sie sonst den halben Kopf abschneiden m\u00fcssten. Der Tumor war zu dem Zeitpunkt schon zu gro\u00df.<br \/>\nMein Vater hat dann nochmal eine Chemotherapie angefangen, die aber nicht angeschlagen hat. Er hat sie nicht gut vertragen. Das war am 31. Dezember. Ich habe am 1. Januar Geburtstag. An meinem 13. Geburtstag wurde mir gesagt, dass mein Vater gestorben ist, aber wiederbelebt wurde. Als ich zu ihm durfte hat er mir erz\u00e4hlt, wie das war, als er tot war. Er hat sich von oben im Krankenhausbett liegen sehen. Danach kam er auf die Palliativstation. Dort hat er \u00fcberlebt und durfte wieder nach Hause.<br \/>\nEr hat sich daf\u00fcr entschieden ins Hospiz in Leipzig Plagwitz zu gehen, weil er zuhause einfach nicht mehr konnte. Zuhause habe ich mich um ihn gek\u00fcmmert, ich habe ihn herumgetragen wie ein Krankenpfleger. Aus dem Hospiz ist er nicht mehr herausgekommen. Er ist Anfang M\u00e4rz gestorben. Ich war alle zwei Wochen bei ihm und konnte auch dort schlafen. Noch nicht einmal Morphium, das st\u00e4rkste in Deutschland zugelassene Schmerzmittel, hat ihm geholfen. Die \u00c4rzte haben ein Medikament aus Tschechien f\u00fcr ihn besorgt, das aber auch nicht mehr geholfen hat. [\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#187;#85b2bc&#187; full_width=&#187;true&#187; padding_top=&#187;0&#8243; padding_bottom=&#187;0&#8243; sidebar=&#187;sidebar-1&#8243;][vc_column][vc_column_text el_class=&#187;vier-spalten-blocksatz&#187; css=&#187;.vc_custom_1668441182718{margin-bottom: 0px !important;}&#187;]Es gibt einen Tag, den ich bereue. Das war der schlimmste Fehler in meinem Leben. Mein Vater hat mich an dem Tag angerufen und mich gefragt, ob wir zusammen auf das MDR-Dach gehen wollen, einen Ausflug machen. Ich habe ihm abgesagt, weil ich bei meinen Freunden bleiben wollte. Das war eine Woche bevor er gestorben ist. Das bereue ich so hart.<br \/>\nAm Montag, den 7. M\u00e4rz bekam ich einen Anruf. Sie sagten mir, dass der Tumor im Kopf meines Vaters geplatzt sei. Ich war an dem Tag in der DAA (Deutsche Angestellten-Akademie) und habe gelernt, was es f\u00fcr Berufsm\u00f6glichkeiten gibt und wie ich f\u00fcr mich erkenne, was ich sp\u00e4ter machen will. Danach bin ich mit meiner Mutter zu ihm gefahren. Mein Vater hat mich zuerst nicht erkannt. Ich erinnere mich, dass er aufgestanden ist und Fleisch und Blut gespuckt hat. Am Dienstag durfte ich nicht zu ihm, weil er den ganzen Tag geschlafen hat. Am Mittwoch, den 9. M\u00e4rz, habe ich, als ich auf dem Weg zur DAA war, einen Anruf vom Hospiz bekommen: Es t\u00e4te ihnen leid das zu sagen, aber mein Vater sei heute um 01:15 gestorben. Ich habe mein Handy weggeworfen, mich hingesetzt und erst mal versucht runter zu kommen.<\/p>\n<p>FRIEDER: Bist du dann nochmal dorthin hingefahren?<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Ja, ich bin dann nochmal ins Hospiz gefahren, um mich von meinem Vater zu verabschieden. Er ist wie mit einem L\u00e4cheln eingeschlafen. Er hatte keine Z\u00e4hne mehr, die mussten ihm herausgenommen werden und zum Schluss hat er durch eine Sonde Nahrung bekommen. Seine Lippen waren eingeklappt und dadurch sah es aus, als w\u00fcrde er l\u00e4cheln. Die Betreuer sagten mir, dass er friedlich eingeschlafen sei. Genau das hat er sich immer gew\u00fcnscht \u2013 nur ohne Krebs. Ich denke, das ist das Beste, was einem passieren kann, ohne Schmerzen einzuschlafen und einfach nicht mehr aufzuwachen. Ohne Schmerzen am Alter sterben. Das ist zumindest viel besser als zu verbrennen, zu ersticken oder zu ertrinken.<br \/>\nSchon bevor mein Vater krank wurde, habe ich oft mit einer gro\u00dfen Gruppe am Bahnhof rumgehangen und Dinge getan die ich Heute so nicht mehr tun w\u00fcrde. Da war ich gerade mal zw\u00f6lf Jahre alt. Als das mit meinem Vater losging wurde es nur noch schlimmer. Ich wurde abh\u00e4ngig und bin richtig abgerutscht.<br \/>\nEigentlich ging es bei mir bergab, seitdem ich elf Jahre alt war. Der Tod meines Vaters war das Schlimmste f\u00fcr mich. Im Nachhinein denke ich mir, dass es dumm von mir war, dass ich in der Zeit immer am Bahnhof rumgehangen habe. Einen Monat nachdem mein Vater gestorben ist, hat es bei mir Klick gemacht. Ich dachte mir, dass er das nie gewollt h\u00e4tte. Also habe ich von heute auf morgen einfach mein Leben umgestellt. Die letzten zwei, drei Jahre meines Lebens waren meine schwersten.<\/p>\n<p>BETTY: Was denkst du, was nach dem Tod kommt?<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Ich bin mir sicher, dass nach dem Tod irgendetwas passiert. Manche sagen, dass da nichts mehr ist, wenn man stirbt. Es wurde aber schon bewiesen, dass die Seele den K\u00f6rper verl\u00e4sst. Mein Vater hat mir auch erz\u00e4hlt, dass er sich von oben im Krankenbett hat liegen sehen, bevor er wiederbelebt wurde. Vielleicht siehst du, wenn du stirbst, wie du weitergelebt h\u00e4ttest, w\u00e4rst du nicht gestorben. [\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#187;#85b2bc&#187; full_width=&#187;true&#187; padding_top=&#187;0&#8243; padding_bottom=&#187;0&#8243; sidebar=&#187;sidebar-1&#8243;][vc_column][vc_column_text el_class=&#187;vier-spalten-blocksatz&#187; css=&#187;.vc_custom_1668442035665{margin-bottom: 0px !important;}&#187;]BETTY: Sein elftes oder zw\u00f6lftes Lebensjahr sollte man ja eigentlich nicht damit verbringen, seinen eigenen Vater zu pflegen. Wie hast du das geschafft? Parallel dazu bist du noch zur Schule gegangen, hattest deine Freunde, private Probleme und dein K\u00f6rper hat angefangen sich zu ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Schule war kein Problem f\u00fcr mich, ich musste nie lernen. Bis auf mein Betragen ist eigentlich alles gut. Ich habe einen Durchschnitt von 1,9.<\/p>\n<p>FRIEDER: Wie war die Beerdigung? Willst du davon erz\u00e4hlen?<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Mein Vater wurde erst vor kurzem auf dem Ostfriedhof in Leipzig beerdigt, am 7. Juni.<\/p>\n<p>FRIEDER: Er ist im M\u00e4rz gestorben und wurde erst drei Monate sp\u00e4ter beerdigt?<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Ja, ich habe auch nicht ganz verstanden warum. Da es uns vor einigen Jahren finanziell nicht so gut ging, hat mein Vater, als er ins Hospiz gegangen ist, unterschrieben, dass das Hospiz die Kosten der Beerdigung tr\u00e4gt, damit wir daf\u00fcr nicht aufkommen mussten. Das Hospiz hat das billigste Grab und ein kleines Kreuz ausgesucht.<\/p>\n<p>FRIEDER: Du hast also kein Grab, wo du hingehen kannst?<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Wenn ich heute auf den Friedhof gehe, ist die Urne immer noch dort begraben. Ehrlich gesagt finde ich das auch gut so, sonst w\u00e4re diese schwere Zeit immer so pr\u00e4sent in meinem Kopf. Wenn ich jetzt dorthin gehe, laufe ich \u00fcber den gro\u00dfen Friedhof, setze mich hin und denke nach. Manchmal quatsche ich auch mit mir selbst. In der Anfangszeit habe ich meinen Vater auch manchmal gesehen. Ich habe noch seine Nummer und sein Handy. Ich habe auch noch jede Menge Bilder von ihm. Ich konnte selbst aussuchen, was ich von ihm behalten will. Die wollten das erst alles wegschmei\u00dfen, da bin ich ausgeflippt.<br \/>\nAls ich zw\u00f6lf, dreizehn Jahre alt war habe ich permanent Grenzen \u00fcberschritten und ausgetestet. Das war schon hart an der Grenze zur Legalit\u00e4t. Ich war w\u00fctend und aggressiv, sodass ich Dinge kaputt gemacht habe und in Schl\u00e4gereien verwickelt war. Aber das ist jetzt vorbei. Mein Vater h\u00e4tte das nicht gewollt, dass ich so ende wie er.[\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#187;#85b2bc&#187; full_width=&#187;true&#187; padding_top=&#187;0&#8243; padding_bottom=&#187;0&#8243; sidebar=&#187;sidebar-1&#8243;][vc_column][vc_column_text el_class=&#187;vier-spalten-blocksatz&#187; css=&#187;.vc_custom_1668441275781{margin-bottom: 0px !important;}&#187;]Dann kam ich in sein Leben. Zu der Zeit hat er immer noch sehr viel getrunken. Als ich \u00e4lter wurde, hat er weniger getrunken und wir haben mehr miteinander unternommen. Er hatte zwar nicht viel Geld, aber wir hatten auch ohne Geld Spa\u00df. Wir haben ganz sch\u00f6n verr\u00fcckte Sachen gemacht. In seiner Badewanne haben wir mehr Tiere als in manchen Zoos gehalten. Zum Beispiel zwei Hummer, die er aus einem Bach gefischt hat oder eine Ringelnatter, die ich mal mitgebracht habe. Wie haben sehr viel in den zwei Jahren gemacht, in denen ich ihm so nahe war. Fr\u00fcher hatte ich nur wenig Kontakt zu meinem Vater, weil meine Mutter Angst vor ihm hatte. Manchmal durfte ich ihn einen Tag sehen, irgendwann durfte ich dann auch mal bei ihm schlafen. Ich habe sp\u00e4ter selbst entschieden, dass ich mehr Zeit mit ihm verbringen m\u00f6chte. Wir haben viel voneinander gelernt. Ich habe von ihm gelernt, wie ich mein Leben lebe und dass ich mich durchsetzen muss. Er hat mir beigebracht, dass ich das machen soll, worauf ich Lust habe. Von ihm habe ich gelernt, wie man sich durchsetzt und wie man sich rasiert. So etwas kann ich nicht von einer Mutter lernen. Am Anfang war es f\u00fcr mich sehr schwer, als er weg war. Ich wusste, dass ich damit leben muss.<br \/>\nMeine Mutter vertraut mir. Als ich noch j\u00fcnger war und mit meinen Freunden unterwegs war, hat sie mir immer gesagt, dass ich bis 19 Uhr wieder zuhause sein soll. Weil ich immer p\u00fcnktlich war, durfte ich immer l\u00e4nger drau\u00dfen bleiben. Wenn ich ihr heute sage, dass ich in Leipzig bin und dort \u00fcber Nacht bleibe, sagt sie mir nur, dass ich auf mich aufpassen soll. Ehrlich gesagt glaube ich, dass ich mehr Angst habe, wenn sie allein unterwegs ist. Ich glaube, ich passe mittlerweile mehr auf sie auf.Das ist definitiv st\u00e4rker geworden, seit mein Vater weg ist.<\/p>\n<p>BETTY: Wenn du dir nochmal einen Moment mit deinem Vater w\u00fcnschen k\u00f6nntest, welchen w\u00fcrdest du gerne nochmal erleben?<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Da gibt es sehr viele. Wenn ich jetzt nochmal 24 Stunden mit ihm h\u00e4tte, w\u00fcrde ich alles mit ihm machen und nicht schlafen. Vielleicht w\u00fcrde ich aber auch einfach nur mit ihm reden.<\/p>\n<p>BETTY: Ich habe dieses Jahr meinen Opa verloren. Wenn ich mir diese Frage selbst stellen w\u00fcrde, w\u00fcrde ich nichts bestimmtes unternehmen, sondern die Zeit einfach so wie immer mit ihm verbringen. Den Menschen sp\u00fcren und riechen.<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Ich habe noch ein T-Shirt von ihm, das er anhatte, als er gestorben ist. Ich habe es ihm ausgezogen und bewahre es in einer verschlie\u00dfbaren Plastikt\u00fcte auf. Niemand wei\u00df, wo ich es habe. Das wei\u00df nur ich. Manchmal gucke ich es an oder rieche daran. Die Kette, die ich gerade trage, hatte er auch immer um. Ich habe sie immer bei mir. Auch beim Schwimmen oder beim Duschen. Nur im Sportunterricht muss ich sie abnehmen.[\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#187;#85b2bc&#187; full_width=&#187;true&#187; padding_top=&#187;0&#8243; padding_bottom=&#187;0&#8243; sidebar=&#187;sidebar-1&#8243;][vc_column][vc_column_text el_class=&#187;vier-spalten-blocksatz&#187; css=&#187;.vc_custom_1668441268891{margin-bottom: 0px !important;}&#187;]BETTY: Ich kann das sehr gut nachvollziehen, dass man alles an sich behalten will, was einen an den Menschen erinnert.<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Ich habe auch noch einen Stein von meinem Papa. Den hatte ich ihm mal aus dem Kindergarten mitgebracht. Er hat ihn sein ganzes Leben lang aufbewahrt. Ich habe noch viele Sachen von ihm. Seine Brille oder diese eine gro\u00dfe Schere.<br \/>\nSilvester war auch immer ein gro\u00dfes Ding bei uns beiden. Wir haben oft die ganze Nacht durch gefeiert, weil ich ab null Uhr Geburtstag hatte. Manchmal haben wir 3000 Euro ausgegeben, obwohl wir kaum Geld hatten. Am Morgen bin ich dann zu meiner Mutter und habe dort mit ihr, meiner Oma und meinem Opa gefeiert. Als sich meine Eltern irgendwann besser verstanden haben, ist er auch mitgekommen.<br \/>\nWenn meine Freunde keine Zeit hatten, habe ich meinen Vater angerufen. Er war immer f\u00fcr mich da. Meiner Mutter habe ich auch viel zu verdanken, aber als es meinem Vater schlecht ging, war ich f\u00fcr ihn da. Meine Uroma ist in der Zeit, in der er Krebs hatte, auch gestorben. Meine Oma hat Krebs gekriegt und meinem Opa ging es auch nicht gut. Zu meinem Opa habe ich auch eine starke Verbindung. Der neue Freund meiner Mutter ist eigentlich ganz in Ordnung. Bei mir und meiner Mama bin ich die Person im Haus, die die Dinge repariert, wenn etwas kaputt geht. Wenn ein Umzug ansteht, machen das mein Opa und ich. Damit habe ich kein Problem.<br \/>\nWir hatten fr\u00fcher sehr wenig Geld und trotzdem habe ich immer etwas zum Geburtstag und zu Ostern oder anderen Festen bekommen. F\u00fcr unsere Verh\u00e4ltnisse habe ich teure Sachen geschenkt bekommen, zum Beispiel ein T-Shirt f\u00fcr 15 Euro. Als ich acht Jahre alt war, hat mir meine Oma sogar ein Spielzeug f\u00fcr 25 Euro geschenkt. Deswegen habe ich immer das Gef\u00fchl, dass ich ihnen etwas schulde.<br \/>\nAls mein Vater gestorben ist, habe ich mir einen Weg gesucht, wie ich Geld verdienen kann. Ich kaufe Dinge f\u00fcr wenig Geld im Internet ein und verkaufe sie teurer weiter. So kann ich mir jetzt teure Schuhe wie die, die ich gerade trage, leisten. Fr\u00fcher bin ich im Winter in Sandalen rumgerannt. Manchmal war es schwerer, manchmal besser. Gerade komme ich gut klar. Meine Freunde vom Bahnhof habe ich alle abserviert. Ich habe jetzt eine beste Freundin. Wir sind f\u00fcreinander da. Und ich habe noch meine Familie, also meine Mutter, meinen Opa und meine Oma.<br \/>\nBETTY: Woher kennt ihr euch, deine beste Freundin und du?<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Ich habe sie am Bahnhof getroffen. Wir haben ein bisschen gequatscht und irgendwann haben wir zusammen abgehangen. Manchmal haben wir uns beim Kaufland getroffen und dort was getrunken. Wir haben uns immer \u00f6fter getroffen und immer besser kennengelernt. Jetzt kennen wir uns schon fast ein Jahr und unsere Freundschaft ist perfekt.[\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#187;#85b2bc&#187; full_width=&#187;true&#187; padding_top=&#187;0&#8243; padding_bottom=&#187;0&#8243; sidebar=&#187;sidebar-1&#8243;][vc_column][vc_column_text el_class=&#187;vier-spalten-blocksatz&#187; css=&#187;.vc_custom_1668441298403{margin-bottom: 0px !important;}&#187;]FRIEDER: Wie findest du Borna und wie geht es dir hier?<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Ich finde Borna ist eine sch\u00f6ne Stadt. Klein und geschmeidig. Man hat hier alles, was man an Einkaufsm\u00f6glichkeiten braucht. Nur nicht so viele Klamottenl\u00e4den. Hier wohnen aber auch viele nicht so gute, asoziale Menschen. Von denen habe ich viele am Bahnhof getroffen. Aber mit denen muss man ja nicht rumh\u00e4ngen.<br \/>\nAllerdings gibt es in Borna viel zu wenig Spielpl\u00e4tze, obwohl es den Platz g\u00e4be. In Gnandorf gibt es nur einen sehr kleinen Spielplatz. Man k\u00f6nnte hier anstatt sechs H\u00e4usern lieber einen richtig fetten Spielplatz bauen. Die Kinder w\u00fcrden sich dar\u00fcber sehr freuen. Die H\u00e4user werden hier nur gebaut, weil das Bauland billig ist.<br \/>\nIch habe mich schon viel erkundigt, wie das mit Geld und Arbeit funktioniert. Meiner Meinung nach lernt man das, was wirklich wichtig ist, nicht in der Schule. Wie man einen Kredit aufnimmt, eine \u00dcberweisung t\u00e4tigt oder wie man Miete zahlt habe ich mir selbst beigebracht. Wenn meine Mutter gerade keine Zeit hat, gehe ich selbst zur Bank und kl\u00e4re die Angelegenheit. Eigentlich wollte ich erst Tischler werden. Jetzt will ich lieber Dachdecker, Maurer oder Zimmermann werden \u2013 etwas auf dem Bau. Ich k\u00f6nnte nicht den ganzen Tag im B\u00fcro sitzen.<\/p>\n<p>BETTY: Warum gerade Dachdecker?<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Ich will drau\u00dfen arbeiten. Auf dem Bau, wo man, wenn man nach Hause kommt, sich auf den Fernseher oder auf die Badewanne freut, wo man Hornhaut auf den Pfoten bekommt. Das hatte ich schon immer vor und das werde ich auch so machen. Im B\u00fcro sitzen, Kaffee trinken und irgendwas auf der Tastatur tippen, das ist nichts f\u00fcr mich. Wenn Maurer oder Dachdecker nicht klappt, k\u00f6nnte ich mir auch Maler und Lackierer vorstellen. Das geht immer.<\/p>\n<p>BETTY: Siehst du Chancen, dass du in Borna eine Ausbildung findest?<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Nein, hier nicht. Ich will nach Bad Lausick. Ich habe mich schon n\u00e4chtelang informiert. Ich habe gro\u00dfe Angst davor nicht zu wissen, was ich arbeiten will, wenn ich mit der Schule fertig bin. Ich will alles, was man braucht, so schnell wie m\u00f6glich wissen.<\/p>\n<p>BETTY: Du hast aber noch ein paar Jahre, oder?<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Wenn alles gut l\u00e4uft, bin ich mit 15, 16 aus der Schule raus. Ich bin jetzt in der achten Klasse auf der Realschule und mache bis zur zehnten. Hier in Borna gibt es zwei Jugendclubs. In dem einem bin ich schon seit einem Jahr. Dort habe ich angefangen Tischtennis zu spielen. In den Ferien waren wir auch mal zelten. Ich finde es sch\u00f6n in meinem Jugendclub. Ich kann hier immer hinkommen und es gibt viel Platz.[\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#187;#85b2bc&#187; full_width=&#187;true&#187; padding_top=&#187;0&#8243; padding_bottom=&#187;0&#8243; sidebar=&#187;sidebar-1&#8243;][vc_column][vc_column_text el_class=&#187;vier-spalten-blocksatz&#187; css=&#187;.vc_custom_1668441346542{margin-bottom: 0px !important;}&#187;]BETTY: Wie bist du hier reingekommen?<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: \u00dcber meinen besten Freund, der hat mich mal hierher mitgenommen.<\/p>\n<p>BETTY: Du hast in jedem Stadtteil von Borna gewohnt. Wenn du es vergleichen m\u00fcsstest, wo findest du es am besten?<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Auf alle F\u00e4lle hier. Manchmal ist viel los, aber eigentlich hast du deine Ruhe. In Borna-Ost sind mir viel zu viele Ausl\u00e4nder. Wenn du zu Netto einkaufen gehst, sind sie \u00fcberall. Hier in Gnandorf zwar auch, aber hier wohnen haupts\u00e4chlich Russen. Die sind alle korrekt. Ich finde Ausl\u00e4nder nicht gut, die hierherkommen, Willkommensgeld bekommen und dann nicht arbeiten gehen. Ich bin nicht rassistisch, aber das finde ich einfach nicht gut.<\/p>\n<p>BETTY: Ich arbeite mit Gefl\u00fcchteten und ich kann dir sagen, dass es Willkommensgeld nicht gibt.<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Das habe ich aber schon von vielen geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>BETTY: Ich wei\u00df, das wird oft erz\u00e4hlt, aber es gibt wirklich kein Willkommensgeld. Das gab es noch nie.<\/p>\n<p>FRIEDER: Oft k\u00f6nnen die Menschen auch nicht arbeiten, weil sie nicht d\u00fcrfen. Viele bekommen keine Arbeitserlaubnis.<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Ich verstehe nicht, wie die Leute, wenn sie gerade zwei Wochen hier sind, sich sofort das neueste Auto und das neueste Handy leisten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>BETTY: Wenn sie hierherkommen, sind sie oft nicht arm, sondern hatten vorher schon eine Wohnung oder ein Haus. Das Handy haben sie vielleicht mitgenommen. Hast du Kontakte zu Gefl\u00fcchteten?<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Manche kommen hierher, versammeln sich und schlagen Leute zusammen. Es gibt aber auch viele, die cool sind. Um nochmal zu deiner Frage zur\u00fcckzukommen: Borna-Nord ist eher f\u00fcr \u00e4ltere Leute, meine Oma und mein Opa wohnen dort. Borna-West ist mir zu abgelegen. Hier in Gnandorf habe ich es nicht weit zur Schule, es gibt einen Getr\u00e4nkemarkt und in die Stadt ist es auch nicht so weit.<\/p>\n<p>BETTY: Ich habe auch mal in Gnandorf gewohnt.[\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#187;#85b2bc&#187; full_width=&#187;true&#187; padding_top=&#187;0&#8243; padding_bottom=&#187;0&#8243; sidebar=&#187;sidebar-1&#8243;][vc_column][vc_column_text el_class=&#187;vier-spalten-blocksatz&#187; css=&#187;.vc_custom_1668441878094{margin-bottom: 0px !important;}&#187;]EIN JUNGE AUS BORNA: Wohnen Sie noch hier?<\/p>\n<p>BETTY: Jetzt gerade nicht, aber ich bin hier geboren und habe meine ersten drei Jahre hier gewohnt. Dann bin ich nach West gezogen. Meine Eltern wohnen in der N\u00e4he vom Krankenhaus und haben dort sp\u00e4ter ein Haus gebaut.<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Wie fanden Sie es hier?<\/p>\n<p>BETTY: Ich habe nicht so viele Erinnerungen daran. Meine Oma hat gegen\u00fcber gewohnt. Immer, wenn ich meine Oma besuchen durfte, habe ich einen Zettel mitbekommen, auf dem stand, wann ich zur\u00fcckkommen sollte. Es gibt so sch\u00f6ne Bilder, aus dem Fenster fotografiert, auf denen alles voller Trabis war. Ich finde Gnandorf hat sich sehr ver\u00e4ndert. Meine Platte gibt es gar nicht mehr. Meine Oma wohnt in derselben Platte wie du. Ich finde, fr\u00fcher war hier mehr los. Es gab zum Beispiel mehr Spielpl\u00e4tze.<\/p>\n<p>FRIEDER: W\u00fcnschst du dir etwas f\u00fcr deine Altersgruppe, f\u00fcr Jugendliche? Hast du das Gef\u00fchl, dass irgendetwas fehlt?<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Laternen!<\/p>\n<p>FRIEDER: Wo denn?<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Am Radweg in Richtung Altenburg.<\/p>\n<p>BETTY: Wo f\u00e4hrst du hin, wenn du da lang f\u00e4hrst?<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Ich fahre einfach Rad. Wenn Leute zu Besuch sind und abends heimfahren, sehen sie nichts. Das finde ich nicht gut. Ich glaube, ich mache nicht so viele Dinge, die andere Kinder und Jugendliche in meinem Alter machen. Ich gehe zum Beispiel nicht Fu\u00dfball spielen. Ich chille eher mit meiner besten Freundin und quatsche. Manchmal spiele ich Tischtennis oder fahre Fahrrad. Ich springe auch gerne mit dem Mountainbike.<\/p>\n<p>BETTY: Kannst du dir vorstellen dein Leben lang hier zu bleiben?<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Ich will schon irgendwann mal weg.<\/p>\n<p>BETTY: Und willst du dann wiederkommen oder wegbleiben?<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Solange meine Mutter hier ist, bleibe ich auch hier. Ich denke, ich werde hierbleiben, solange meine Gro\u00dfeltern hier sind. Wenn die weg sind, gehe ich wahrscheinlich.[\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#187;#85b2bc&#187; full_width=&#187;true&#187; padding_top=&#187;0&#8243; padding_bottom=&#187;0&#8243; sidebar=&#187;sidebar-1&#8243;][vc_column][vc_column_text el_class=&#187;vier-spalten-blocksatz&#187; css=&#187;.vc_custom_1668441392680{margin-bottom: 0px !important;}&#187;]BETTY: Hast du hier einen Lieblingsort?<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Ja. Bei mir zuhause und bei meiner besten Freundin. Am Breiten Teich riecht es verrottet. Du kannst da nicht vorbeifahren, ohne dass du toten Fisch riechst. Da k\u00f6nnten sie auch mal ein bisschen Geld reinstecken. Wenn du als Reisender nach Borna f\u00e4hrst, riecht es gleich verrottet. Da willst du doch nicht hierbleiben.<\/p>\n<p>FRIEDER: Hast du einen Wunsch an Borna?<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Laternen! Nein Spa\u00df, eigentlich nicht so wirklich. Vielleicht sollten sie nicht Spielpl\u00e4tze weg machen, sondern eher neue bauen.<\/p>\n<p>FRIEDER: Und f\u00fcr dich? Was w\u00fcnscht du dir f\u00fcr dein Leben?<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Dass alles so kommt, wie ich es mir gedacht hab. Dann sieht es ganz gut aus. Ich arbeite darauf hin, dass alles so wird, wie ich es will. Ich melde mich in zehn Jahren nochmal.<\/p>\n<p>BETTY: Selbst, wenn es nicht so wird, habe ich dich als sehr fit kennengelernt. Du bist eine sehr starke Person und kannst damit umgehen, wenn es mal anders kommt, als du es dir vorstellst.<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Man sollte sich Ziele setzen, die nicht \u00fcbertrieben gro\u00df sind, aber trotzdem schwer zu erreichen. Ich habe vor mit 25 nicht mehr arbeiten zu gehen. Einmal habe ich von jemandem geh\u00f6rt, der auch mit 13 Jahren angefangen hat Dinge im Internet zu kaufen und teurer weiterzuverkaufen. Der ist mit 18 Million\u00e4r geworden und hatte mich 16 ein Auto und jetzt einen Privatjet. Der kann machen, was er will.<\/p>\n<p>BETTY: Wie bist du auf die Idee gekommen Sachen zu verkaufen?<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Ich habe viel danach gesucht, wie ich an Geld komme.<\/p>\n<p>BETTY: Du kaufst die Sachen und hast dann zuhause ein Lager?<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Mein Opa hat eine Garage, da steht sehr viel Zeug herum. Ich habe damals Fahrr\u00e4der gekauft und dann weiterverkauft. Ich habe letztens ein Mountainbike verkauft, das ich mit meinem Opa hergerichtet habe. Das habe ich f\u00fcr 50 Euro gekauft, habe 50 Euro reingesteckt und dann f\u00fcr 300 Euro verkauft. Manchmal kaufe ich auch sinnlosen Schrott. Ich habe zum Beispiel eine riesige Stifte-Sammlung. Ich kann zwar richtig gut Dinge verkaufen, will aber nicht Verk\u00e4ufer werden.<\/p>\n<p>BETTY: Sparst du gerade auf etwas hin?<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Nein, nicht wirklich. Ich will das Geld einfach haben. Der F\u00fchrerschein wird nicht billiger. Ich kriege auch Halbwaisenrente.<\/p>\n<p>FRIEDER: Gibt es noch etwas, das du loswerden oder erz\u00e4hlen willst?<\/p>\n<p>EIN JUNGE AUS BORNA: Alle sollen ins Kinder- und Jugendhaus Borna kommen. Hier ist es wirklich gut. [\/vc_column_text][\/vc_column][\/mk_page_section][vc_row][vc_column][vc_column_text css=&#187;.vc_custom_1643311707101{margin-top: 80px !important;margin-bottom: 0px !important;}&#187;]\n<h4><a href=\"https:\/\/unofficial.pictures\/geboren-gekommen-geblieben\/\">Portr\u00e4ts einer diversen Stadt: \u201egeboren, gekommen, geblieben\u201c<\/a><\/h4>\n[\/vc_column_text][mk_padding_divider][\/vc_column][\/vc_row]\n<\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u0418\u0437\u0432\u0438\u043d\u0438\u0442\u0435, \u044d\u0442\u043e\u0442 \u0442\u0435\u043a\u0441\u0442 \u0434\u043e\u0441\u0442\u0443\u043f\u0435\u043d \u0442\u043e\u043b\u044c\u043a\u043e \u043d\u0430 &ldquo;Deutsch&rdquo;.[mk_page_section padding_top=&#187;0&#8243; padding_bottom=&#187;0&#8243; sidebar=&#187;sidebar-1&#8243;][vc_column width=&#187;1\/2&#8243;][mk_padding_divider size=&#187;200&#8243; visibility=&#187;hidden-sm&#187;][vc_column_text align=&#187;right&#187; css=&#187;.vc_custom_1668440564161{margin-bottom: 0px !important;}&#187;] Ein Junge aus Borna geboren 2009, wohnte schon in vielen Bornaer Stadtteilen und hat k\u00fcrzlich seinen Vater verloren [\/vc_column_text][vc_btn title=&#187;zur\u00fcck zur \u00dcbersicht&#187; style=&#187;classic&#187; shape=&#187;square&#187; color=&#187;default&#187; align=&#187;right&#187; link=&#187;url:https%3A%2F%2Funofficial.pictures%2Fgeboren-gekommen-geblieben%2F|title:%5B%3Ade%5DPortraits%20einer%20diversen%20Stadt%3A%20%E2%80%9Egeboren%2C%20gekommen%2C%20geblieben%E2%80%9C%5B%3A%5D&#187; el_class=&#187;button-back-to-the-exhibition&#187;][\/vc_column][vc_column width=&#187;1\/2&#8243;][mk_padding_divider size=&#187;100&#8243; visibility=&#187;hidden-sm&#187;][vc_single_image image=&#187;2909&#8243; img_size=&#187;400&#215;600&#8243; alignment=&#187;right&#187;][\/vc_column][\/mk_page_section][mk_page_section bg_color=&#187;#85b2bc&#187; padding_top=&#187;0&#8243; padding_bottom=&#187;0&#8243; sidebar=&#187;sidebar-1&#8243;][vc_column][mk_padding_divider [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":2639,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"class_list":["post-2908","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/unofficial.pictures\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2908","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/unofficial.pictures\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/unofficial.pictures\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/unofficial.pictures\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/unofficial.pictures\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2908"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/unofficial.pictures\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2908\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2924,"href":"https:\/\/unofficial.pictures\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2908\/revisions\/2924"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/unofficial.pictures\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/2639"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/unofficial.pictures\/ru\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2908"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}