(Deutsch) KEINE RUHE

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(Deutsch) 48S., zahlreiche Farb- und s/w-Abbildungen
Zeitung im Offsetdruck, 25 x 35 cm
1. Auflage, Leipzig 2022
Sprache: Deutsch

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Im Herbst 2021 war die sogenannte „Flüchtlingskrise“ an der EU-Ostgrenze noch sehr präsent in den Nachrichten. Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sprach damals von Solidarität mit Polen im Angesicht eines „hybriden Angriffs [durch Belarus], um Europa zu destabilisieren“ – kein Wort der Solidarität mit den frierenden und Gewalt ausgesetzten Migrant*innen. Sie werden in solcher Rhetorik entmenschlicht, zu einer diffusen Masse, die dann entweder bemitleidet oder als Bedrohung gesehen wird. Mit dieser Zeitung wollen wir sie als Menschen sichtbar machen.

Vier Migranten, die zum Zeitpunkt der Interviews in Lagern in Sachsen und Thüringen lebten, haben sich bereit erklärt, uns von ihren schweren Erlebnissen zu berichten – von der Gewalt auf belarussischer, litauischer und polnischer Seite, von Verhaftungen und illegalen Pushbacks. Von ihren Gründen, ihre Heimat und ihre Familien zu verlassen. Aber auch vom schwierigen Ankommen in Deutschland. Im Februar 2022 haben wir vier Gespräche geführt, mit Dolmetschern oder auf Englisch. Wir haben Porträts aufgenommen und sie gaben uns eigene Handyfotos. Die Interviews stehen nicht für die Erfahrungen aller. So fehlen zum Beispiel die Perspektiven von FLINTA*-Personen, von Kindern, aber auch von Menschen anderer Herkunftsländer. Ihre Erfahrungen kommen teilweise in den Erzählungen vor. Wir haben eine Telegram-Gruppe und eine Facebook-Seite durchforstet, die als eine Art Bildredaktion von unten dienen. Die Migrant*innen selbst posten hier ihre Bilder und Videos: vom Frieren in der Kälte, vom Durchbrechen der Stacheldrahtzäune, von Soldaten und Hundestaffeln, von ihren Verletzungen und auch von den Toten dieser Grenze.

Die Migranten, die wir interviewt haben, sind schon seit einigen Monaten in Deutschland. Trotzdem belasten die Erfahrungen von der Grenze viele von ihnen noch immer. Sie warten seit Monaten darauf, Asyl zu bekommen, arbeiten zu dürfen, überhaupt etwas tun zu können. Einige haben sogar schon einen Ablehnungsbescheid bekommen. Es ist mehr als zynisch, dass am Ende ihres langen Weges auf der Suche nach einem sichereren und besseren Leben mit so vielen lebensgefährlichen Hindernissen nun eine Abschiebung stehen könnte.

Bereits im Dezember 2021 flaute die Berichterstattung über die humanitäre Katastrophe an der Grenze zwischen Belarus und der EU ab. Dabei hat sich die Lage nicht verbessert. Polen baut eine mehr als fünf Meter hohe Mauer und hat tausende Menschen unter furchtbaren Bedingungen inhaftiert. Genaue Zahlen und unabhängige Berichte sind durch die Sperrung des Grenzgebiets immer noch sehr schwer zu bekommen. Fest steht: Die Menschen, die über Belarus in die EU gekommen sind, müssen ihre Würde zurückbekommen und endlich selbstbestimmt dort leben dürfen, wo sie es möchten.

Während wir diese Zeitung für den Druck vorbereiten, hat Putin die Ukraine angegriffen. Die EU hat sich diesmal erfreulicherweise entschieden, Geflüchtete unkompliziert aufzunehmen und sie weiter studieren und arbeiten zu lassen. Wenn dann aber etablierte Blätter wie die Neue Zürcher Zeitung schreiben, „diesmal sind es echte Flüchtlinge“, und Schwarze und Austauschstudierende of Color an der Grenze als Geflüchtete zweiter Klasse behandelt oder gar zurückgeschickt werden, wird erschreckend deutlich, wie der Rassismus – selbst in dieser Notsituation – mobilisiert wird, um Menschen ihre Grundrechte abzusprechen. Das dürfen wir nicht hinnehmen – an keiner Grenze, in keinem Gesetz und in keiner Begegnung.

März 2022, unofficial.pictures

Детали

Вес 0,150 kg

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